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John Millius’ Conan-Der Barbar war Schwarzeneggers Paraderolle und gleichzeitig Eintrittskarte in die Top Liga der Hollywood Actionhelden. Doch bei näherer Betrachtung verbirgt sich hinter dem erfolgreichen Fantasyepos doch nur ein Exploitation-Movie mit A-Budget. Was läge also näher als eine Fortsetzung zu fabrizieren die so zu sagen Back-to-the-Roots sich auf B-Film Tugenden beruft und mangelnden finanziellen Background durch eine noch fantastischere Szenerie gepaart mit 80er Großverdienern wieder wett zu machen? Problem an der Sache ist nur, dass Fantasystoffe sofern sie nicht aufwendig in Szene gesetzt werden schnell zu Trash-Granaten erster Güte verkommen können. Ähnlich geschehen bei der 80er Verfilmung des Flash Gordon Serials. Auch hier war alles perfekt durchgestylt und ein donnernder Sountrack von Queen versuchte dem Ganzen eine epochale Note zu verleihen. Leider steht dieser filmische Erguss immer noch als Paradebeispiel für Ultratrash und die italienische Sex-Parodie „Flesh Gordon“ ist der bessere Film. Okay, zurück zu Richard Fleischers „Zerstörer“: Von der Urbesetzung des ersten Teils sind nur Schwarzenegger und Mako neu verpflichtet worden. Aber dass James Earl Jones nicht wieder mit von der Partie sein würde war ja eh klar. Primärer Blickfang im zweiten Conan Kapitel ist aber sicherlich Ikone Grace Jones. Immerzu und fast ohne Abbruch mimt sie die harte Amazone und in jeder Einstellung in der Miss Jones auftaucht glänzt ihr Body noch mehr als Arnie jemals bei einem Body Building Contest. Jawoll, es scheint so als wenn ein Grossteil des Etats für Unmengen von Melkfett ausgegeben wurde um diesen Luxuskörper permanent zum Glänzen zu bringen.
Selbst Arnie himself spielt hier die zweite Geige in Sachen Präsenz. Im Prequel noch der dominante aber durchweg ästhetische Kämpfer verkommt seine Leistung als Zerstörer speziell in den recht wichtigen Actionszenen geradezu zur Augsburger Puppenkiste in Real-Time. Auch Mako als Zauberer und Erzähler erreicht zu keiner Zeit die Klasse seiner Leistungen im Original. Was die Action angeht, so wurde auch der Goregehalt ordentlich herunter geschraubt und die Blutfontänen aus „Der Barbar“ sehen hier, sofern sie doch mal aufkommen ziemlich hanebüchen aus. Viele inszenatorische Schwächen schmälern hier die Atmosphäre die teils schon anmutet wie eine Folge von Lamberto Bavas „ Prinzessin Fataghiro“ und nur in wenigen Momenten die den Charme des Erstlings erreicht oder sagen wir besser: ihn ankratzt. Das Verhältnis der dunklen Mächte in Form der diabolischen Königin Taramis, die ihre Nichte zu Zwecken der Beschwörung eines Latexeumels dahinmetzeln will hat nicht annähernd das mystische Flair von Thulsa Dooms orgastischen Schlangenkults. Kein Wunder dass hier im Showdown dann noch mal bekannte Kläge auftauchen die der Fan des Originals eindeutig als Score der bekannten Kriechtier Orgie identifiziert. Immerhin einer der wenigen Momente von Kinomagie im „Zerstörer“. Absolutes Highlight des Films ist das garstige Spiegelmonster in Toth-Amons öde designten Palast. Jenes ultragefährliche Vieh ist einfach nur ein Muskelmann im Lendenschurz mit behaarten Affenextremitäten und einer Gorillamaske, so dass der Zuschauer sofort anfängt laut los zu brüllen. Die tödlichste Fähigkeit des Wrestling erprobten Primaten ist wohl der Mord am Betrachter, der durch Sichtung der Kreatur sein Popcorn verschluckt und in Zwergfellpanik jämmerlich erstickt. Erinnert mich irgendwie verdammt an die Power Rangers Aggressoren die morgens am Wochenende Kleinkindern böse Träume bescheren. Ein feiner Zug der deutschen Synchronisation ist auch die Stimme von Conans Gefährten Malak. Wurde diesem doch glatt die Stimme von Ernie aus der Sesamstraße verpasst. Einzig und allein der kongeniale Showdown in Taramis Thronsaal weiß das noch zu toppen: Wenn die satanische Gottheit in Form eines Mannes in Gummimonsterkostüm mit Horn auf der Birne auftaucht und ein paar Leute futtern will braucht man starke Windeln um nicht noch brodelnd vor Vergnügen seine Hose und das Wohnzimmer vollends voll zu pullern. Man mag förmlich schon Filmparties im Stil der „Rocky Horror Picture Show“ herbei sehnen in der ein illustrer Reigen der Fanbase in Conanverkleidung Schilder schwenkt mit der Aufschrift „ Das Horn muss weg!“. Um es klar zu sagen: Fans des Originals werden stark enttäuscht sein was aus der potenziell starken Vorlage geschustert wurde, aber Trashfreunde, Tromaanhänger und Exploitation-Spezis sollten ihr Bier kalt stellen, „Der Zerstörer“ in den Player legen und mit gleich Gesinnten Kumpanen dieses Kultwerk gebührend abfeiern. Nur das thematisch angelehnte Schwarzenegger/Nielson Vehikel „Red Sonya“ prügelt noch mehr in die Sparte „Endorphin durch unfreiwillige Komik“ Die Punkte Wertung resultiert hier aus dem Vergleich zu Millius Meisterwerk und Fans von Gummimonstern packen bitte noch im eigenen Interesse 4 Punkte drauf und genießen ein Geknüppel der Superlative. Wann und ob der lang angekündigte dritte Streich „King Conan“ wirklich jemals in Produktion geht ist leider genauso ungewiss wie ein Film Comeback von Floridas aktuellen Spitzenpolitiker.

4/10

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