Wir befinden uns am Set einer deutschen Pornoproduktion. Der "berühmte" Regisseur Heinz Moon (Jörg Buttgereit) dreht für die Produktionsfirma Lava Light Entertainment den siebten Teil der Erfolgsreihe Süsse Stuten. Star des Filmes ist die Teeniegöre Judi Jewel (Vivien LaFleur), auch bekannt als JJ und ein verdammt heißer Feger. Sie spielt eine Studentin. Ihr zur Seite steht Evil Dick Masterson (Ex-Mr. Universe Ron Matz) als ihr Professor, der dem süßen Früchtchen auch in seiner Freizeit eifrig Nachhilfeunterricht gibt. Evil Dick kauderwelscht sich in einer köstlichen Mischung aus Deutsch und Amerikanisch durch die Dreharbeiten. Außerdem noch mit dabei: das blonde Luder Spritzi Haberland (Yvonne Kolle), die schon seit Jahren in Teenie-Rollen brilliert, die abgewrackte holländische Porno-Legende Fick van Hinten (Joost Renders), der bereits zu John Holmes-Zeiten aktiv war, sowie der fette Amateur Hartmut (Frank Jakob), der sich seine Rolle in dem Streifen ersteigert hat. Produzent Major Andy (Alexander Gregor) macht am Set ordentlich Druck, schließlich kostet jeder der angesetzten zehn Drehtage viel Geld, während Markus X. Becker (Tancredi Volpert) als Ersatzkameramann sein Bestes gibt und Nick Waldowski (David Bredin) als Judi Jewels Manager ständig für Unruhe sorgt. Und dann ist da noch der junge, schüchterne Filmstudent Jonas (Jakob Bieber), welcher der Produktion als Praktikant zur Hand gehen soll. Der an und für sich einfache Shoot nimmt schon bald chaotische Dimensionen an, zumal man nach nur drei Drehtagen dem Drehplan bereits mit eineinhalb Tagen hinterherhinkt.
Die Idee ist genial. Das blanke Chaos einer billigen Pornoproduktion, eingefangen im bewährten Stromberg-Stil. Die Kamera ist also mittendrin statt nur dabei und wird von den Figuren auch immer mal wieder bewußt (z. B. in Form von Interviews oder Blickkontakten) mit einbezogen. Das Geschehen lebt von den verschiedenen, höchst unterschiedlichen Figuren bzw. deren mehr oder weniger ausgeprägten Macken, die einen gewöhnlichen Quickie-Dreh so dermaßen verkomplizieren, daß alles aus dem Ruder zu laufen droht. Der als Webserie konzipierte Making of 'Süsse Stuten 7' suhlt sich dabei förmlich in altbekannten Klischees, welche teils genüßlich auf die Spitze getrieben werden. Das ist bisweilen saukomisch, nicht zuletzt, da Daniel Hyan das alles recht locker und unverkrampft inszeniert. Der gestörte Superstar, der ohne Viagra keinen mehr hoch kriegt; der Regisseur, der lustlos seine Anweisungen gibt, würde er doch viel lieber sein megakrasses Drehbuch East Side Zombies verfilmen; das Pornosternchen, das mit leuchtenden Augen davon schwärmt, wie toll doch ihr Beruf sei, und welches im nächsten Moment Rotz und Wasser heulend vor dem Spiegel sitzt und jammert, daß sie das alles nicht mehr aushält (ja, die Diskrepanz zwischen schnödem Sein und inszeniertem Schein ist riesig); der verklemmte Praktikant, der Dildos schrubbt, Schamhaarperücken anklebt und eine Darstellerin mit Spermaersatz bekleckert; oder der Kameramann, der einen schlecht gezielten Cumshot ins Gesicht abbekommt. Und dennoch gelingt es Hyan trotz aller Übertreibung, dem schlüpfrigen Szenario genügend Authentizität einzuhauchen, daß es irgendwie doch glaubhaft wirkt. Es mag unwahrscheinlich, ja, teilweise sogar absurd sein, daß es auf einem Porno-Set so zugeht, aber es ist nicht unmöglich.
Die überschaubare Cast wurde gut ausgewählt (wobei Hyan mit Kultregisseur Jörg Buttgereit (Nekromantik) natürlich der Besetzungscoup schlechthin gelungen ist) und gibt in ihren jeweiligen Rollen alles. Sie agieren mit viel Engagement, einer guten Portion Selbstironie und offensichtlichem Spaß an der Sache und kommen trotz all ihrer Problemchen und Neurosen recht glaubwürdig und sehr liebenswert rüber. Ein sehr nettes und sympathisches Ensemble, welches die Macher hier für ihre Webserie vereinen konnten. In kleinen Rollen sind zudem noch die Hardcoreprofis Conny Dachs und Tyra Misoux zu sehen. Zugegeben, große Kunst ist das nicht gerade, und der Anspruch bewegt sich meist auf Höhe des Unterleibes. Außerdem zünden nicht alle Gags und einige davon sind absehbar platt geraten. Aber das wird durch das gut aufgelegte Spiel der Akteure bzw. Aktricen und der spritzigen Situationskomik locker wieder wettgemacht. Das Sahnehäubchen des schrägen Spaßes sind dann noch die herrlichen Dialoge. So meint der ambitionierte Kameramann verwundert: "JJ war doch heute in der ersten Szene noch nicht total rasiert!" Als der Regisseur dies als unwichtig abtut ("Is' völlig wurscht, merkt eh keine Sau!"), rastet er fast aus: "Alter Schalter, das ist 'n krasser Anschlußfehler! Da mach ich nicht mit!" Judi Jewel säuselt glücklich in die Kamera: "Ich find's total cool, mit Fick vor der Kamera zu stehen. Für mich ist er fast wie ein Vater." Heinz Moon gibt gelangweilt Anweisungen: "Bißchen mehr Gefühl beim Rubbeln, Spritzi. Sieht aus, als würdst du 'ne Kuh melken." Evil Dick Masterson beschwert sich: "Bei dem ganzen fucking Streß hier krieg ich keinen hoch!" Heinz Moon, etwas genervt: "Hat jemand die Bananen gesehen... Hartmut, du frißt gerade unsere Requisiten!" Nach kurzer Überlegung: "Hamma vielleicht ein paar Gurken da?" Und das Wichtigste überhaupt sind... Lutscher! Oder wie der Produzent anmerkt: "Hast du jemals einen Teenie-Film ohne Lutscher gesehen?" Eben.
Making of 'Süsse Stuten 7' ist ein so amüsanter wie kurzweiliger Spaß, der sich vor Filmen wie Kevin Smiths Zack and Miri Make a Porno nicht zu verstecken braucht. Mit einer knackigen Laufzeit von etwa einer Stunde hat das Format zudem exakt die richtige Länge. Im Englischen gibt es dafür die treffende Formulierung: "It doesn't outstay its welcome." Diese Floskel paßt hier wie die Faust aufs Auge.