Review

Es ist ziemlich erstaunlich und auch etwas schade, dass dieser Film aus dem Jahre 1970 reichlich unbeachtet geblieben ist. Ich glaube, ich habe ihn wirklich erst einmal im Fernsehen vor Jahren gesehen und er hat auf mich einen außerordentlich bleibenden Eindruck hinterlassen.

Salem ist war schon immer der Sündenbock der Familie, obendrein ein unzurechnungsfähiger Mörder. Ein Gericht verurteilte ihn vor etlichen Jahren wegen der Tötung eines Landstreichers und wies ihn in eine Anstalt ein - ein hinzugerufender Arzt bescheinigte ihm Unzurechnungsfähigkeit. Salem sitzt also hinter dicken Mauern, in einem Gefängnis in der Einöde nahe am Meer, und über die Angelegenheit scheint langsam Gras zu wachsen, zumindest außerhalb der Mauern. Doch dann passieren in der Familie Morde, zuerst ohne Zeugen. Später will man an den Tatorten Salem gesehen haben, was der mit den Ermittlungen betraute Inspektor nicht glauben mag. Doch die Beweise verdichten sich.

Der Zuschauer sieht von Anfangs an Salem durch die Landschaft irren und ist somit gleich im Bilde, dennoch baut sich ein atmosphärisch dichter Spannungsbogen auf und in der kalten, winterlichen und stürmischen Nacht, in der Salem stets zuschlägt, bleibt der Zuschauer an anderen Fragen hängen: Was treibt ihn zu diesen Morden? Sind es Rachegelüste? Kennt der den wahren Täter von damals? Und vor allem, wie verdammt, kommt der Kerl aus dieser Anstalt heraus? Dieser Eindruck verschärft sich noch, als Salem in seinem Verließ vom Inspektor besucht wird, um ihn zu verhören. Schön wird das Umfeld eingefangen; hohe Mauern, dicke Eisentüren, die eine Seite liegt direkt an der tosenden See, wo ist da der Fluchtweg?

Als dann die Flucht von Salem dem Zuschauer präsentiert wird, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus (bei seiner Rückkehr in die Anstalt übrigens ebenfalls). Ich erspare mir weitere Spoiler, denn vielleicht habt ihr ja Glück und der Film kommt noch mal im Fernsehen, nur so viel: Der Film heißt nicht umsonst im schwedischen Original Papegojan („Papagei"), denn der sorgt schließlich dafür... ach schaut lieber selber!

Die schwedisch-amerikanische Koproduktion kann mit einem breiten Starensemble aufwarten. Max von Sydow, Trevor Howard und Liv Ullmann zeigen Schauspielkunst vom Feinsten und runden den guten Gesamteindruck des Filmes ab.

Fazit: Ein echter Geheimtipp für alle, die auf nostalgisch angehauchte Thriller stehen. Ein filmisches Kleinod mit nordischem Flair!

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