Der Film "On Westminster Bridge", den R. W. Paul im Jahre 1896 herstellte, existiert nicht mehr in seiner ursprünglichen Form auf Filmmaterial, sondern ist nur deswegen überliefert, weil der Kameramann und Laborant Henry William Short zahlreiche Filme seines Arbeitgebers Paul zu sogenannten Filoscopes umarbeitete.
Ein Filoscope ist an sich nichts anderes als ein Daumenkino. Henry William Short hatte 1898 eine Metallhülle mit einer Reihe von kleinen, buchartig zusammengebundenen Bildern, die manuell herausgeblättert wurden, unter diesem Namen patentieren lassen (Brit. Patent no. 23158). Das Filoscope ist technisch gesehen eine vereinfachte Form des Mutoscopes, das der Amerikaner Herman Casler entwickelt hatte.
Short benutzte nun die einzelnen Frames aus Pauls Filmen, um sie zu Filoscope-"Filmen" zu bündeln und zu vermarkten. "On Westminster Bridge" ist einer dieser Filme. Er liegt weder im Original, noch in irgendeiner filmischen Kopie vor, sondern ist ausschließlich als Shorts Filoscope-Version erhalten geblieben.