"Polizei-Comedy", allein die Erwähnung dieses Subgenres genügt ja nach Jahren der Geißelung durch "Police Academy" und ähnliche Epigonen in den 80ern und frühen 90ern, um lachbereiten Zuschauern den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben.
Depperten Flachwitz mit Abziehbildfiguren, das ist das Maximale, was man da noch erwarten kann und wenn denn auch noch Will Ferrell von zwei Apatow-Schreibern durchs Dorf getrieben wird, dann befürchtet man den Standard der letzten Jahre, maximal, nur eben in wechselnder Umgebung.
Nun, von Apatow ist ausnahmsweise mal keine Spur vorhanden und mag das Sujet auch abgedroschen sein, zwei ungeschickte Cops auf Streife bzw. in den Einsatz zu begleiten, so versuchen sich doch die kreativen Kräfte hier insofern freizuschwimmen, als sie alles in den Film pfeffern, was links und rechts des Weges an Komik habhaft wurde - und hier ausnahmsweise mal gelungen, selbst in Sachen anspruchsloser Alberei.
"The Other Guys" fällt vor allem wegen seiner ungewohnten Paarung auf, denn mit dem Standardkomiker Ferrell und dem eher auf richtige Polizisten abonnierten "tough guy" Mark Wahlberg hat man ein Pärchen geschaffen, dem man vorneweg zurecht vorwerfen könnte, sie würden vermutlich flott aneinander vorbei spielen - jeder macht seins, aber es paßt nicht zusammen.
Doch obwohl der Ausgangspunkt dieser Konstellation etwas ähnelt, verändern sich die Positionen im Laufe des Films immer stärker. Wahlberg läßt bald jede Ernsthaftigkeit vermissen und gibt sich ohne jede Peinlichkeit einer Parodie seines "harten Jungen" hin, der als rabiater Teil des Duos die lauten Töne anschlägt, während Ferrell zwar die skurilere Figur gibt, aber den Humor mit sensibler Stille aufbaut. Das führt dazu, daß Wahlberg ständig den Oliver Hardy zu Ferrells kontrolliertem Stan Laurel geben darf, der in klassischem Slowburnhumor fassunglos die Absonderlichkeiten seines bürokratisch organisierten Partners ertragen muß, inclusive seiner hocherotischen Klassefrau, seinem nie erklärten Schlag beim weiblichen Geschlecht an sich und seinen etwas wirren, aber durchaus strukturierten Gedankengängen, die ihn für alles geeignet erscheinen lassen, nur eben nicht als sonderlichen Vorzeigepolizist.
In Schwung gebracht mit einer aufwändigen Actionszene des diametralen Gegenstücks zu diesem Büroarbeiterduo, den filmbekannten Supercops, die für wenig Ziel eine Menge Schaden anrichten, um sich dann in ihrer eigenen Virilität feiern zu dürfen (hier geben Samuel Jackson und Dwayne Johnson ein wunderbares mehrminütiges Cameo, das ruhig noch länger hätte ausfallen dürfen), läuft der Film ab dem Moment, in dem Wahlberg das Erbe der geliebt-gehaßten Heroen antreten, natürlich nach bewährten Strickmustern, wenn es um das Erzählerische geht, aber die Witzgüte ist von einem ganz anderen Kaliber.
"The Other Guys" wirkt da wie eine humoristische Sammelstelle, die alles anhäuft, was den Autoren durchs Hirn geschossen ist. Überraschend strukturiert wird da nicht alles an die Wand geschmissen, in der Hoffnung, das eine Pointe hängen bleibt, sondern alles scheint irgendwie gerade noch zum Plot und den Figuren zu passen, die stets überraschen, aber sich in diesem (endlich einmal) körperfunktionslosen Film niemals selbst entblößen müssen. Da darf zwar über Blähungen und Ähnliches gesprochen werden, ansonsten bleibt der Film aber keimfrei, was den Nebenfiguren zugute kommt.
Michael Keaton spielt dabei den Boss der beiden wunderbar straight neben die Spur, Eva Mendes bringt etwas anzügliche Distanz ins Spiel, Ray Stevenson als militärischer Gegenspiel-cum-Henchman bringt selbst in seine eindimensionale Haudraufrolle etwas ironische Distanz und Steve Coogan nähert sich mit britisch-gewitzter Schlitzohrwirrniss manchmal schon pythonesken Vorgaben an.
Was aber wirklich überrascht, ist die Art des Witzes, die praktisch alle paar Minuten umschlägt. Die Ironisierung, wenn nicht Parodisierung des Genres ist eine Sache, aber der Fall an sich (der sich mit Börsenmanipulation, also aktuellen Themen befaßt) trägt die Realität ins Satirische, während Standardjokes zunehmend ins Cartoonhafte wechseln (z.B. wenn die beiden Protagonisten sich mehrfach unbemerkt bestechen lassen).
Adam McKay und Co. verlassen sich erfreulicherweise nicht aufs Tortenwerfen, sondern billigen ihren Figuren immer ein gewisses Talent zu, sich zu behaupten; rekapitulieren Klischees und bekannte Polizistentopoi und lassen manchmal den Film ins Bizarre abrutschen (wie z.B. in einer Reihe seltsamer Gags rund um die Gruppe "TLC", die sich nur als befremdlich bezeichnen lassen und zur verblüfften Irritation beitragen) und setzen auf puren Irrwitz (dazu zählt sicherlich der Abgang von Jackson und Johnson).
Daraus wird ein unebener, aber extrem unterhaltsamer Film, der es schafft, eben nicht immer das zu Erwartende zu liefern, sondern ständig Schlenker und Umwege einzubauen, ohne das Tempo zu verlangsamen. Zwar ist man immer nah dran, zwischen all der Szenenfülle den eigentlichen Fall aus den Augen zu verlieren (der im Nachspann noch einmal beißend mit Daten aus der Wirtschaft unterlegt in die Realität entführt wird), aber im letzten Moment dreht der Film stets auf Kurs zurück.
So liefert "Die etwas anderen Cops" sowohl das Bewährte und Erwartbare, gepaart mit einer Reihe von überraschend ungewohnten Gags und endlosen Dialoge irgendwo zwischen "witzig" und "komplett absurd, aber irgendwie passend", so daß selbst das auffällige Product Placement kongenial in den Film eingefügt wirkt. Ein harmonierender Cast ohne Ausfälle, ohne penetrierende Dominanz, ohne typisch moderne Ekligkeiten, dafür aber mit Fluß und Energie, das genügt für eine Komödie, in der sichtbar Arbeit steckt und die nicht vom Reißbrett flott runtergespielt wurde. Wenn irgendwo Hightower und Mahoney Erben verdienen, dann hier für flotte 100 Minuten. (7,5/10)