Review

Hin und wieder versuchen Independent-Filme mit Provokationen und Tabu brechenden Themen in den Mittelpunkt der Filmgemeinde zu geraten, doch häufig ergibt die Geschichte wenig Sinn und entsprechend verliert man schnell das Interesse.
Genauso verhält es sich mit diesem Streifen, der zwischen S/M, unverdauten Schuldgefühlen und einer massiven Psychose keinen roten Faden verfolgt.

Susan (Kate O´Rourke) empfängt ihren Vater, den sie nach wenigen Momenten von hinten nieder schlägt. Sie fesselt ihn an einen Stuhl, erdrosselt und entmannt ihn daraufhin, anschließend wird der Körper im Garten vergraben.
Als Kind wurde Susan von ihrem Vater missbraucht, doch nun wird sie von ihrer vermeintlichen Tochter Tanja verfolgt, welche sie wie ein Dämon immer mehr in die Enge treibt…

Bei den meisten Filmen merkt man nach wenigen Szenen, ob einem der Stoff zusagt und bei diesem kommt einem der Gedanke ans Abschalten nach weniger als zehn Minuten.
Ein Zugang ist kaum gegeben, es findet sich weder eine Identifikationsfigur, noch ein Sympathieträger und einen Background erhalten die Figuren ebenso wenig, wie ihr Handeln rational erklärbar ist. Denn es leuchtet kaum ein, warum ein Psychologe seine Aufzeichnungen in eine Webcam spricht oder eine Schuldirektorin intime Fragen an eine Schülerin richtet, noch, warum Susan sich von ihrem Master John regelmäßig erniedrigen lässt oder Tochter Tanja das Blut ihrer eigenen Mutter vom Boden leckt.

Gewiss, einige Szenen haben metaphorischen Charakter, wie das Tragen von Masken als Selbstschutz oder der fette Kerl im Schweinekostüm, der stellvertretend für das „menschliche“ Schwein in Form eines Vergewaltigers steht.
Doch so sehr sich einige Szenen um eine schockierende Wirkung bemühen, - der Effekt verpufft entweder aufgrund grottenschlechter FX, wie bei einer Vagina, die überdeutlich aus Latex besteht oder die Sequenz steht völlig ohne Kontext da, wie Kot in Alufolie einzuwickeln, sich für einen Suizid auf Bahnschienen zu legen oder der Besuch in einem Gothic Club.
Letztendlich retten selbst kleine Splattereinlagen wie ein abgeschnittener Penis, ein heraushängender Augapfel und ein Kehlenschnitt nichts mehr.

Im Grunde besteht der Inhalt aus einer losen Aneinanderreihung grotesker Szenen, welche einige sexuelle Merkwürdigkeiten beinhalten und versuchen zu veranschaulichen, wie eine einsame Frau an ihrem Jugendtrauma zugrunde geht.
Der Sinn dahinter leuchtet rasch ein, doch die dilettantische Umsetzung ist ein lahmarschiger Rohrkrepierer, der noch vor Ablauf der 72 Minuten (ohne Abspann) zum Schlafmittel mutiert.
Das entbehrt jeglicher Spannung, verfolgt kein wirkliches Konzept und endet folgerichtig ohne Pointe, - schade um Hauptdarstellerin Kate O`Rourke, denn ihre glaubhafte Performance ist das einzig positive an diesem Schlammassel.
2 von 10

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