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Der Zombiefilm zeichnet sich neben dem apokalyptischen Grundton fast immer dadurch aus, die Invasion der Untoten aus der Sicht einfacher, fehlerhafter Menschen darzustellen. Bei den großen Romero-Filmen sind es, sich zufällig begegnende Menschen aus unterschiedlichsten Schichten. So einfach, so nachvollziehbar diese Menschen auch waren, ihr wahres Gesicht zeigten diese scheinbar harmlosen Normalbürger in den von Romero heraufbeschworenen Extremsituationen. So wurde u.a. aus dem Afroamerikaner in „Night of the Living Dead“ in einer Zeit mit großen Rassenunruhen, eine kräftige, kluge Führungsfigur, aus einem intellektuellen Arzt in „Day of the Dead“ ein für die Forschung jedes Opfer bringender größenwahnsinniger Schlächter und aus einem biederen, vernunftgeleiteten Mann in „Dawn of the Dead“ ein um seinen vermeintlichen Besitz erbittert und gnadenlos kämpfender Irrer, der jedes Risiko in Kauf zu nehmen bereit ist. Ein weiterer Schritt wurde in „28 Days later“ gewagt, wir sehen alles nicht nur aus den Augen eines unscheinbaren Jungen, sondern tauchen mit ihm in eine unwirkliche, weil ausgestorbene Welt ein, in der es sich einmal zurechtzufinden gilt. Der Vorsprung, den das Publikum der Figur gegenüber hat, wurde weitgehend versucht zu minimieren.  

Mit genau diesen Merkmalen spielt auch der Film „Rammbock“ von Marvin Kren. Der Österreicher (Wiener) Michael (Michael Fuith) ist gerade von seiner Freundin Gabi (Anna Graczyk) verlassen worden. Um vielleicht doch noch eine Chance von ihr zu bekommen, übergibt er ihr den Wohnungsschlüssel persönlich. Was soviel heißt, dass er dafür extra von Wien nach Berlin reist. Vorsorglich lässt er sich noch von einem Beziehungsberater dubiose Tipps geben, so dass auch jede Möglichkeit genutzt werden kann, um seine Geliebte wieder in die Arme schließen zu dürfen. Sein wichtigste Ratschlag: nicht aufbrausend sein!
Kaum betritt er die leer stehende Wohnung fällt auch schon der erste „Zombiefizierte“ über ihn her. Mit dem jungen Handwerker Harper (Theo Trebs) verschanzt er sich in der Wohnung, in der von nun an ein zehrendes Ausharren beginnt. Kontakt zu anderen Menschen haben sie über das Fenster, das direkt in den Innenhof des Baues führt. 

Mit einer knapp über eine Stunde laufenden Spielzeit, ist der nicht nur recht kompakt, sondern nutzt seine begrenzte Umgebung für subtile Situationskomik, aber auch klaustrophobische Atmosphäre. Natürlich verwundert es kaum, dass sich Vergleiche zu „Shaun of the Dead“ geradezu aufdrängen, deckt sich doch dessen Handlungsmuster auffällig. Aber auch wenn die eigentliche Story keine wesentlichen Erneuerungen zulässt, so ist hier deutlich zu sehen, dass wir hier einen Film haben, der aus seiner (finanziellen) Not eine Tugend gemacht hat. Natürlich sieht man ihm sein recht überschaubares Budget an, aber niemals wirkt es sich störend auf den eigentlichen Konsum aus. Im Gegenteil, alles bleibt kurzweilig, schwankt zwischen trockenem Humor, reißerischen Spannungseinlagen und bleibt dabei enorm sympathisch. 

Rammbock“ ist ein Film, der sich nicht etwa durch sein überaus (Genre-)bekanntes Plötchen hervortut oder diesem groß neue Akzente abzubringen vermag. All diese dem Genre-Fan wohlbekannten Handlungsformeln werden erst zu etwas wirklich besonderem, wenn man sowohl die Herstellungsländer (Deutschland, Österreich), als auch seinen erfrischend selbstverständlichen Umgang mit seiner Herkunft betrachtet. „Rammbock“ ist kein Film, der, bei aller Ehrerbietung,  großen amerikanischen Vorbildern verzweifelt hinterher hechelt und sie staksig imitiert, sondern er nutzt, so einfach es klingen mag das altbackene Zombieszenario, um es unaufgeregt in ein deutsch/österreichischen Umfeld zu stecken. Erstaunlicherweise passt dies besser, als man es vielleicht vermutet hätte. Raunzige, trockene Situationskomik und eine mit manch dezenten Splattereinlagen garnierte Zombieinvasion in eine – was sonst – so absurde wie alltägliche Love Story gebettet.

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