Eigentlich ist der mittelalterliche Rammbock, am ehesten bekannt als großer Baumstamm an Seilen hängend, um ein Tor oder einen Turm zu durchbrechen, reichlich aus der Mode gekommen, denn moderne Stoßwaffen benötigen weitaus weniger Anstrengung.
In diesem Fall ist die zerstörerische Wirkung des titelgebenden Gerätes jedoch lebensrettend, wenn die Untoten bereits die eigene Wohnung belagern…
Tatsächlich hat es mal wieder ein deutschsprachiger Film mit ordentlichem Budget geschafft, eine kleine Perle des Subgenres abzuliefern.
Die Handlung ist angesiedelt in einem Berliner Mehrfamilienhaus mit weiteren angrenzenden Komplexen. Der Wiener Michael und der junge Harper konnten sich gerade noch vor der rasenden Meute in die Wohnung flüchten, doch als man ein Handy aus dem Treppenhaus holt, gelangen ein paar durch die Haustür. Als man nach Einsatz des Rammbocks in der Nachbarwohnung landet, fängt das Grauen jedoch erst an…
Regisseur Marvin Kren ist weit weg vom Status eines Amateurfilmers und offenbart mit wenigen Mitteln, wie klaustrophobische Stimmung, gepaart mit menschlichen Urängsten effektvoll zur Geltung kommen können.
Michael wollte eigentlich nur seiner Ex die Schlüssel zurückbringen, als er einem angeketteten Handwerker mit weißen Pupillen begegnet, der ihn wild anbrüllt.
Harper kommt hinzu und man flüchtet vor einer weiteren infizierten Person.
Bald findet man heraus, dass grelles Blitzlicht die ohnehin geschwächte Netzhaut der Bestien angreift, was scheinbar als einziges probates Mittel zur Gegenwehr angesehen wird, woraufhin entsprechend wenige Gewaltszenen zu verbuchen sind.
Demgegenüber setzt man verstärkt auf eine authentische Kulisse mit natürlich erscheinenden Figuren, - beides mit Erfolg. Junge unverbrauchte Gesichter spielen recht glaubhaft und trotz mangelnder Charakterzeichnungen sind wesentliche Merkmale der entsprechenden Figuren schnell ausgemacht. Michael ist eher der normale Loser, Harper der junge Erfinder, dazu Ex Gabi, mittlerweile neu liiert mit einem Impulsiven und am Rande noch einige skurrile Erscheinungen in Wohnungen gegenüber, da man sich zwischenzeitlich über den Hinterhof unterhält.
Weniger als eine knappe Stunde Laufzeit vergeht wie im Fluge, obgleich nicht allzu viel Bewegung im Spiel ist. Dafür ist man von Beginn an nah bei den Figuren, einige Dialoge lockern zwischenzeitlich auf und auch einige recht trockene, unvermittelte Einwürfe regen zum Schmunzeln an.
Für spannende Szenen wird dennoch gesorgt, etwa beim Hangeln zum Dachboden, beim Verbarrikadieren einer weiteren Tür oder beim Ablenkungsmanöver im Treppenhaus.
Und während der Score eher die ruhige, fast apokalyptisch anmutende Atmosphäre unterstreicht, stellen die Erscheinungen der Zombies einen krassen Gegenpol dar, durch exzellentes Make-up, schrägen Artikulierungen und unkontrollierten Bewegungen.
Handwerklich gibt es überhaupt nichts auszusetzen.
Allenfalls der Kern der Geschichte ist etwas mau und birgt kaum Überraschungen.
Die Belagerung durch Infizierte wirkt nur deshalb innovativ, weil der Handlungsort, - mitten in Berlin, mitten in der Hauptstadt, mitten aus dem Alltag gerissen, - doch recht lebensnah umgesetzt wurde und von daher einen Großteil zum Gelingen des Streifens beiträgt.
„Rammbock“ ist ein Film, der entgegen einiger Erwartungen treffend besetzt ist, gut performt wird und nur selten kleinere Hänger zulässt.
Nichts für die Splatter-Fraktion und weniger für Actionfans geeignet, bietet die Geschichte vor allem Atmosphäre und interessante Figuren im Kampf gegen das Unbekannte.
Ist bei deutschen Produktionen ja eher selten der Fall, doch in diesem wäre eine Fortsetzung oder ein Prequel absolut wünschenswert…
7 von 10