Betrachtet man das Feedback, welches Marvin Krens Debut quasi allerortens erhält, so scheint "Rammbock" die Ehre zuteil zu werden, geradezu einen Paradigmenwechsel beim Öffentlich-Rechtlichen eingeleitet zu haben. Wurde man nämlich gerade dort noch vor gar nicht allzu langer Zeit wiederholt und vortrefflich darüber belehrt, pardon - aufgeklärt -, wie schädlich der Konsum von Untotenfilmen sein kann, schon - zack! - haut das kleine Fernsehspiel mit "Rammbock" in eben diese Kerbe. Eine kleine Sensation, wie es (vielen) scheint und derzeit auch oft zu lesen ist.
Lässt man derartigen Beifall mal außer acht, so kann man "Rammbock" tatsächlich nicht mehr und nicht weniger bescheinigen, als ein Horrordrama zu sein mit grundsolider Inszenierung, handwerklich absolut koscher umgesetzt und noch dazu mit kontextbezogen passabler Story, fähigen Schauspielern, ordentlichen Effekten und vor allem - inzwischen leider selten genug - einer Handvoll origineller Ideen. Das Ding hat Drive, Thrill und ist nebenbei auch noch für ein paar trockene Lacher gut. Was will man eigentlich mehr?
Nun, würde nicht überall so ein Aufsehen wegen "Rammbock" gemacht (unglaublich, welche Käseblätter dem Teil mittlerweile bescheinigen, eine Zäsur im öffentlich-rechtlichen TV zu markieren), dann bräuchte man auch nicht mehr Worte zu verlieren, als den Flick seiner Zielgruppe bedenkenlos weiterzuempfehlen. Aber für mein Empfinden waren für einen wirklichen Tabubrecher dann doch arg wenig Grenzüberschreitungen zu sehen (man könnte auch von Genremerkmalen sprechen), was den unterstellten kulturellen Mehrwert des Schockers dann doch etwas relativiert.
Um nicht falsch verstanden zu werden: unzählige Genrefilme reizen aus den verschiedensten Gründen die cineastische Darstellung von Gewalt und Perversion aus bis zum Gehtnichtmehr. Bei manchen steht hinter diesem Stilmittel eine ästhetische Absicht, bei anderen enthalten die entsprechenden Bilder gar eine inhaltliche Aussage, bei vielen ist die Grenzüberschreitung auch bloß reiner Selbstzweck. Aber wo bitte ist die Grenzüberschreitung bei "Rammbock", dem man unterstellt, eine gesellschaftliche Lanze für eben jene Unterhaltungsfilme zu brechen, die sich genau dieser Stilmittel bevorzugt bedienen?
Aus welchen Gründen auch immer, man hat sich ja noch nicht einmal getraut den Eingeschlossenen zuzugestehen, auch nur einen einzigen der Infizierten im Rahmen der Selbstverteidigung platt zu machen. Verscheuchen durch Blitzlicht ist OK, aber ausschalten geht dann halt doch (noch) nicht im Öffentlich-Rechtlichen, dafür sind die Zombies scheins zu sehr menschenähnliche Wesen. Vom minimalen Gore- und Splattergehalt einmal ganz abgesehen. Und um es noch einmal zu betonen: das macht den Film von Marvin Kren wirklich keinen Deut schlechter, aber es verleiht "Rammbock" auch nicht die sensationelle Bedeutung fürs Genre, die ihm manche bescheinigen.
Der Zombiefilm ist erst dann in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wenn man einem Fulci oder Romero die gleiche Berechtigung als Unterhaltungsfilm zugesteht, wie einem Western mit John Wayne oder einer Folge von "Derrick". Aber angesichts eines derartigen Selbstverständnisses hätte sich der Medien-Hype für solche Beiträge im kleinen Fernsehspiel dann ohnehin erledigt.