„Nicht aufbrausen!“ Das ist der letzte Ratschlag, den ein Beziehungsberater dem liebeskummergeplagten Wiener Michael mitgibt, der in Berlin seine Ex-Freundin Gabi besucht. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Stadt wird von einer Virusepidemie heimgesucht. Die Infizierten verwandeln sich rasende Untote, die über ihre Mitmenschen herfallen. Während die Stadt im Chaos versinkt, verbarrikadiert sich Michael in Gabis Wohnung.
Holla, was ist denn mit den Jungs vom Lerchenberg los? Das ZDF produziert statt irgendwelchen Musikantenstadln jetzt Horror made in Germany. Rammbock ist ein netter, kurzer Independant Beitrag zum Zombiegenre, wobei wir es hier aber nicht mit Untoten zu tun haben sondern lediglich mit Infizierten, die genauso sterben können wie Nichtverseuchte. Was den bösen Virus verstreut hat, wo er herkommt, wie er es schafft innerhalb von Stunden oder Tagen alle Fernseh- und Radiostationen auszuschalten, wird komplett unter den Tisch fallen gelassen, ist halt so. Der zentrale Punkt ist einfach, wie gehen Menschen mit so einer eher ungewohnten Situation um und zu welchen Handlungen werden sie dadurch getrieben.
Der Film selbst hält sich auch nicht lange mit Vorreden auf, sondern steigt gleich in die Vollen ein. Die Infizierten schließen ein Häuflein in einer heruntergekommenen Hinterhofsiedlung ein und der große Überlebenskampf beginnt. Besonders blutig ist das Treiben dabei nicht unbedingt, ein herzhafter Biss in den Hals, ansonsten bleibt alles im zahmen Bereich. Die Infis selber sind sehr dezent geschminkt, meist besteht die Maske nicht mehr als aus weißen Kontaktlinsen und gelegentlichen Blutspritzern. Das Budget hielt sich jedenfalls GEZ-zahlerfreundlich in Grenzen, als Settings gibt es lediglich einen alten Hinterhof und ein ebenso altes abruchreifes Haus, so daß man beinahe von einer erweiterten Kammerspielaufführung sprechen kann.
Aber Wurscht, denn Rammbock ist, trotz seiner kurzen Laufzeit von gerade mal etwas über einer Stunde, ein Streifen der rockt. Es gibt einige recht pfiffige Ideen, das Tempo und der Spannungsfaktor sind hoch, Höhepunkte gibt es einige und auch gelegentlich Schockeffekte dürfen nicht fehlen. Zwar ist nicht alles Gold, beispielweise sind die Infis eigentlich viel zu leicht zu besiegen, einfach nur blitzdingsen oder aus dem Fenster werfen reicht da schon, aber unterhaltsam ist diese ZDF Sendung auf alle Fälle. Die unbekannten Darsteller machen ihre Sache sehr ordentlich (ok der Ösi ist ein wenig arg verliebt begriffstutzig), sind sympathische Charaktere und verhalten sich vor allem auch innerhalb der Geschichte stets logisch und nachvollziehbar bis hin zum offenen Ende, das zumindest mich auf ein Sequel hoffen läßt.
Diese Film-NDW kann von mir aus ruhig weitergehen, Rammbock ist zwar so etwas wie das deutsche Pendant zu den 28 Filmen der Briten, erreicht aber noch nicht ganz deren Klasse. Dennoch Chapeau für alle Beteiligten und Produzenten, gimme more.
8/10