Ein schreckliches Virus vermehrt sich im Norden Europas in rasantem Tempo - die Erkrankten werden zu rasenden, wütenden Bestien. Chaotische Zustände machen sich breit. Aus Angst vor Ansteckung und aggressiven Übergriffen verbarrikadieren sich die Gesunden oder flüchten an vermeintlich sichere Orte. Genau zu diesem Zeitpunkt trifft Michael aus Wien in Berlin ein, um seine Liebe, seine Ex-Freundin Gabi, zu besuchen. Einmal angekommen, bugsiert das Schicksal den 15-jährigen Harper in seine Obhut. Gegenseitig beschützen sie sich und andere vor den Zombies. Dabei ist Michael vordergründig kein wagemutiger Held, vielmehr ein Philanthrop mit stark ausgeprägtem Helfersyndrom - ein Liebender in Zeiten der Zombie-Apokalypse. Doch während die Stadt im Chaos versinkt und der Ausnahmezustand ausgerufen wird, fehlt von Gabi jede Spur.
RAMMBOCK - ein untypischer Titel für ein Endzeitszenario mit tobenden Zombies - und dabei einer der wenigen deutschen Vertreter dieses beliebten Subgenres. Der Film entstand nach einer Idee von Marvin Kren (Regie) und Benjamin Hessler (Drehbuch), die beide schon lange davon träumten, einen Zombiefilm zu realisieren. Es ist Marvin Krens Spielfilmdebüt als Regisseur und wurde, in Kooperation mit dem ZDF, von Moneypenny Filmproduktion produziert und im Rahmen der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" ausgestrahlt.
Trotz unübersehbarer Verweise auf den modernen Genrefilm, insbesondere an 28 DAYS/WEEKS LATER, ist RAMMBOCK kein Splatterfilm. Trotz eines intensiven Sound-Designs und Scores, sowie überdurchschnittlicher Maskeneffekte, entstand mit einer Laufzeit von 62 Minuten ein rechter kurzer, aber umso intensiverer Schocker, der ohne Umschweife zur Sache kommt.
RAMMBOCK erreicht seine ungeheure Intensität nicht durch übertriebene Blutfontänen oder Ausweidungen, sondern vielmehr durch eine Vielzahl an hochspannender und nervenaufreibender Sequenzen mit einer klaustrophobischen Atmosphäre, die für den Zuschauer spürbar eingefangen wurde.
Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Berlin. Der Film ist sehr düster gehalten - bis auf wenige Farbtupfer zeigt der Film ein sehr tristes Berlin. Dabei spielen die meisten Szenen in einem Wohnhaus und auf dessen Hinterhof. Nur für die finale Flucht auf der Spree wurden Außenaufnahmen realisiert. Mit seinen wenigen Drehorten erinnert der Film an ein Kammerspiel und weckt dabei vor allem Assoziationen an Hitchcocks DAS FENSTER ZUM HOF.
RAMMBOCK erreicht dabei durchaus beklemmende Szenen - vor allem die unzähligen Sequenzen, in denen durch kleinste Geräusche Horden von Zombies angelockt werden, erreichen eine Intensität, wie man sie sonst nur aus den anvisierten Vorbildern kennt. In dieser Hinsicht kann es die preisgünstige Produktion durchaus mit den großen amerikanischen Originalen aufnehmen.
Obwohl hier das genretypische Virus für die Zombie-Epidemie herhalten muss, besitzt Hesslers einfallsreiches Drehbuch genug eigenständige und unverbrauchte Ideen, um der Thematik neue Impulse zu verleihen.
Eingebettet in eine tragische Liebesgeschichte und mit unverbrauchten, überzeugenden Darstellern in Szene gesetzt, entstand ein fesselnder und unterhaltsamer Beitrag zum Horrorfilm. Ein Schocker über eine hoffnungslose Liebe, die Anonymität der Großstadt und, in diesem Kontext, das Plädoyer für Zusammenhalt im Augenblick von Angst und vor einer ungewissen Zukunft. RAMMBOCK ist ein vielschichtiger Film über den Tod und der Beweis dafür, dass das deutsche Genrekino noch lange nicht so tot ist, wie es seine Kritiker gerne diagnostizieren. Mitunter lassen sich wunderbare Perlen finden - eine davon ist zweifelsohne Krens RAMMBOCK!