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Wie allgemein bekannt, gibt es zu „Django“ nur ein einziges offizielles Sequel, „Töte, Django“ wurde aber gleich in mehreren Ländern als Film mit Sergio Corbuccis Kultfigur vermarktet.
Dabei wird der Held des Films (Thomas Milian) nie mit einem Namen angesprochen, ist damit dem Fremden aus Leones erstem Dollarfilm viel näher. Allerdings hat der Heros, ein US-mexikanisches Halbblut, ein Problem: Nach einem geglückten Überfall will die weiße Fraktion nicht mit den Mexikanern teilen und knallt diese kurzerhand über den Haufen, wie eine Rückblende zeigt. Das macht dramaturgisch nur bedingt Sinn (chronologische Reihenfolge würde den Filmbeginn kaum verändern), aber „Töte, Django“ macht eh einiges anders als die Italowestern vor ihm.
So scheint die Prämisse auf einen klassischen Rachewestern herauszulaufen, doch bereits da enttäuscht „Töte, Django“ Zuschauererwartungen: Die Banditen machen halt in einem Dorf, wo man sie erkennt und direkt lyncht – der Saloonbesitzer und der Pfarrer bringen aber vorher noch das Gold in ihren Gewahrsam. Amüsant vor allem die Tatsache, dass gerade diese beiden dann noch von der angeblichen Gerechtigkeit reden, die sie ausgeübt haben, und der Rest vom Lynchmob dies nur allzu gern glaubt.

Doch auch der von zwei Indianern gerettete Fremde kommt in die Stadt, wo sich mehr als eine Partei für das Gold interessiert – ein fieser Bandenchef hat von der Sache etwas spitzgekriegt. Bald beginnt ein Machtkampf um das Gold...
„Töte, Django“ ist ein Italowestern, der dem Genre definitiv neue Impulse gab, da er bereits kurz nach den Pionierarbeiten Leones und Corbuccis kam. Er ist sicher nicht so einzigartig, wie teilweise behauptet, die jeder-bescheißt-jeden-Geschichte gab es danach noch in diversen Variationen, sehr humorvoll z.B. bei „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“. Doch es interessant, wie Giulio Questi diese Geschichte schildert, sowohl inhaltlich als auch visuell. Vor allem die surrealen Blitzmontagen (z.B. bei den Erinnerungen des Fremden oder der Dynamitexplosion am Ende) ragen heraus, ebenfalls der wirklich eingängige Score, der freilich nichts anders macht als andere Italowestern.
Vor allem die Schilderung des beschaulichen Städtchens, unter dessen Oberfläche wahre Abgründe lauern, hat es in sich: Bereits bei ihrer Ankunft entscheiden die Banditen, dass sie schnell wieder weg wollen, da man quälende und gequälte Kinder in den Straßen sieht. Tatsächlich sind die Kinder ein wiederkehrendes Element, z.B. wenn sie amüsiert einer Skalpierung zuschauen. Immer wieder präsentiert „Töte, Django“ solche Abstrusitäten, darunter auch einen mit Patronen aus Gold schießenden Helden, den Gold Rush auf einen damit verletzten Banditen oder das Abendessen der homosexuellen Bande.

Es sind diese Andersartigkeiten, die „Töte, Django“ interessant machen, denn dramaturgisch ist der Film alles andere als rund. Dass die Indianer dem Helden helfen, kann man noch mit mythologischen Gründen abtun, immerhin präsentiert „Töte, Django“ seine Hauptfigur als eine Mischung aus wiederauferstandenem Christen und dämonischen Racheengel. Jedoch wirkt die Handlung wie eine nur teilweise homogene Aneinanderreihung von Szenen, bei denen die Motivation des Helden kaum greifbar bleibt – das Gold scheint ihn am Ende gar nicht mehr zu interessieren. Zudem ist manche der abstrusen Einlagen zwar ungewöhnlich, aber letzten Endes unnötig, vor allem die viel zu lange, uninteressante Episode mit der Pfarrersfrau. Hinzu kommen kleine Unzulänglichkeiten, vor allem in der Szene, in welcher der Held durch Tierbisse gefoltert wird, und die Gegenschnitte nur allzu deutlich zeigen, dass die Tieraufnahmen aus freier Wildbahn stammen (z.B. in einem Baum hängende Fledermäuse).
Immerhin kann Thomas Milian mit gelungenem Schauspiel über die ein oder andere Schwäche hinwegtrösten; das Charisma eines Eastwood, eines Nero oder eines Garko besitzt er nicht, aber leistet sehr gute Arbeit. Ebenso ordentlich der Rest der Besetzung, der allerdings ohne weitere Genrestars aufwartet.

„Töte, Django“ ist ein interessanter, etwas anderer Italowestern mit surrealem Touch. Dramaturgisch leider nicht immer so wirklich gut im Tritt, etwas zu lang geraten, aber trotzdem sehenswert.

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