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Es gibt Erzählungen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgrund ihrer Prämisse unterhalten und dann einen anderen Fokus wählen und sofort abfallen.
Vorliegender Streifen ist ein gutes Beispiel dafür, denn zunächst sitzen fünf junge Leute im Laderaum eines fahrenden LKWs fest und ahnen lediglich, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Daraus hätte man einen klaustrophobisch spannenden Thriller entwickeln können, aber nein, - es mussten ja unbedingt noch Vampire her.

Amber hat das Leben im Dorf satt und will unbedingt nach Chicago, zumal sie just von ihrer Suff-Mutter erfahren hat, dass sie adoptiert wurde. Doch das Auto der sechs Freunde bleibt auf halber Strecke stehen und nur mit Mühe können sie einen Trucker überreden, im Laderaum mitzureisen. Nach einigen Turbulenzen halten sie an einem ehemaligen Schlachthof, wo blutrünstige Kreaturen auf sie warten…

Der Vorlauf dient lediglich dazu, Hauptfigur Amber einigermaßen zu etablieren und ihr zwei Dinge mit auf den Weg zu geben: Die Bestätigung schneller Beine und die Gabe merkwürdiger Visionen, denn zwischendurch deuten kurze Inserts an, was mit ihr und den Freunden geschehen könnte. Alle übrigen Figuren tragen nur zu den Rahmenbedingungen bei, denn Drogen konsumieren und pubertäre Veranstaltungen wie Wahrheit oder Pflicht gehören fast schon zum guten Ton eines handelsüblichen Slashers.

Im Trailer wird die Sache allerdings spannend, denn aus den geladenen Kartons läuft Blut aus, es werden merkwürdige Verformungen an Boden und Seitenwänden entdeckt und als der Fahrer ans Handy ihres Freundes auf dem Beifahrersitz geht, wandelt sich die Stimmung der Gutgelaunten.
Wäre die Handlung hier einfach nur konsequent fortgeführt worden, hätte aus dem bis dato okayen Streifen ein guter werden können, doch mit Ankunft auf dem verlassenen Industriegelände geht es rapide bergab.

Da fällt zunächst die arg wackelnde Handkamera ins Auge, die mit steigendem Tempo überhaupt keinen Fokus mehr findet und ein heilloses Durcheinander liefert, bei dem phasenweise kaum mehr Personen zu erkennen sind. Hinzu kommen die schlechte Ausleuchtung und die phantasielose Aufmachung der Kreaturen mit schwarzen Klüsen und simplen spitzen Zähnen.
Die wenigen Gewalteffekte kaschieren indes nicht viel, denn bis auf ein paar abgetrennte Körperteile gibt es noch ein paar Schläge mit einer Kartusche und eher harmlose Bisse in den Hals.

Auch storytechnisch setzt man sich in die Nesseln, denn der Twist überrascht wenig und wird vor allem nicht bis zu Ende geführt, denn die Geschichte endet recht abrupt und ohne eindeutige Richtung, als solle eine Fortsetzung irgendwann einmal erklären, wie es um die Zukunft einer bestimmten Person bestellt ist.
So liefert der unentschlossene Ausgang noch ein Manko mehr, denn als der Abspann läuft, ärgert man sich umso mehr über die verpasste Chance, den bis zum Mittelteil passablen Part nicht schlicht weiter entwickelt zu haben.

Die austauschbaren Mimen entfalten sich kaum besser als der ebenfalls unauffällige Score und auch wenn die Kulisse der großräumigen und verwinkelten Fabrik für ein paar wenige Momente etwas Suspense zutage fördert, ist „Prowl“ nichts weiter, als ein halbherziger Versuch, einen Vampirfilm ohne sonderlichen Aufwand zu betreiben.
Die furchtbare Kamera und der ärgerliche Ausgang geben dem Streifen den Rest und wer „30 Days of Night“ schon nicht gut fand, sollte diesen besser gleich beiseite schieben.
3,5 von 10

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