Review

Die schlechte Mundpropaganda mit meist recht vernichtenden, teils gar hämischen und den Film und seine Rezeption gar selber zu einem Zeitvertreib machenden "Aufreger" warfen die als Blockbuster im Weihnachtsgeschäft an den Start gegangene, von langer Hand [April 2009] geplante Chang Hong Channel Produktion schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Zwar wird im taiwanesischen Werk durch die Lüfte geschweift und geflogen wie in diesem Jahr so häufig lange nicht mehr, auch hier unter der Aufsicht von dem eigentlich als Experte auf diesem Gebiet zu beurteilenden Tony Ching Siu-tung mit entsprechendem Drahteinsatz der Kontakt zur festen Erde verloren, aber rettet gar der Actioneinsatz nicht vor einer Bruchlandung mit ernüchterndem Erwachen.

Am Starttag noch den parallel angelaufenen Storm Warriors mit nicht ganz unähnlichen Prämissen aus der Aufmerksamkeit des Publikums geschoben, war nicht nur das finanzielle Einspielergebnis unter den Erwartungen der Macher um Regisseur Kevin Chu Yen-ping und Hauptdarsteller Jay Chou; auch blieb man von Kritik nie verschont und gleichzeitig im Gewinn hinter dem gemeinsamen Vorgänger Kung Fu Dunk zurück.

Großes Kino hat dabei sicherlich niemand erwartet; weder die im voraus eiligen Rechtekäufer aus dem asiatischen und in dem Fall – [ wegen der Übernahme von Jay Chou an der Seite von Seth Rogens Green Hornet ] – auch dem westlichen Ausland noch gar Diejenigen, die mit der sonstigen Filmographie von Regisseur Chu vertraut sind. Einst als durchaus viel versprechender schlock master in Sachen Zusammenstellung eigentlich grundverschiedener Mythen über Western, Eastern, Kriegsfilm, Postapocalypse, Anachronismenkomödie etc. in einem folgerichtig konfusen, aber unterhaltsamen und leicht psychedelischen Durcheinander bekannt geworden, vorzugsweise durch die Art Trilogie um Pink Force Commando + Golden Queen's Commando + Fantasy Mission Force, scheint dieser Antrieb freier Individualität hier zwar nicht gänzlich gewichen, aber an einer ausfallend schlechten Regie mit gleichzeitig ausgesprochen drögen Drehbuch und Special effects Grauenhaftigkeit gelitten zu sein. Trotz theoretisch ideeller Konzeption mit Reizqualität fehlt es nicht nur wie erwartet an der Innigkeit der Verbindungen zwischen den eh schon relativen Einfällen, Ideen und ihrer Verwirklichung, sondern auch an dessen Interesse. Selbst mit gutem Zureden bleibt es eine Abschreckung von Dilettanten, mit Leerlauf und Zwangscharakter:

Die für das "Qidian Chinese Literature Online Portal" Abenteuerromane schreibende Autorin Lan Ting [ Lin Chiling ] wird kurz vor dem Besuch ihres Vaters Master Tu [ Kenneth Tsang ] von dem für Master Hua [ Chen Daoming ] tätigen Pork Rib [ Eric Tsang ] entführt und an die Grenze zur Nordwestlichen Wüste gebracht, wo sie als Austausch für eine Schatzkarte dienen soll. Der ihr zur Befreiung eilende Kindheitsfreund Ciao Fei [ Jay Chou ] sieht sich jedoch nicht nur mit den nach einer geheimnisvollen Verlorenen Stadt suchenden Grabräubern, sondern auch mit den Wächtern des Schatzes, der alten Bekannten Dao-dao [ Miao Pu ] und dem "Eagle of the Desert" [ Baron Chen ] konfrontiert. Außerdem gilt die Weisheit, dass Niemand aus dem unterirdisch gelegenen Eiland zurückgekehrt ist, und dort der Wahnsinn lauert.

Als teures, zum Teil auch teuer aussehendes Kuriosum der Bewusstseins-Industrie in schlecht gewordener filmischer Sprache kann man dem belebten Groschenroman zumindest anfangs ein gewisses Orientierungsmuster nachsagen und gutheißen. Zwar liefert auch der Aufbau nur einen oberflächlichen Überblick über die Gegebenheiten, verhält sich in seinen Andeutungen aber immerhin geschickter als in den folgenden, scheinbar ewig und ständig einspielten Rückblenden, die mehr aufdecken möchten, als gefragt und gewusst werden wollte. Mit zulänglichen schichtenspezifischen Kriterien ist das Setting vielfach offener Widersprüche zwischen Fantasy, Nonsense und Romantik eingeführt, ein Wüstenvorort mit staubiger Wildwest-Saloon-Atmosphäre, dessen Interpretation zwar buchstäblich in Sand, aber wenigstens hypothetisch in konsequenter funktionaler Ästhetik gesetzt ist.

Die Farbhebung bleibt außer zwei knappen Abstechern in die Zivilisation, die eh wie nachträglich je zu Beginn und Ende eingeschoben wirken, meist zwischen beigen über gelben bis bronzenen Tönen zurück. Im Wahrnehmungshorizont der teils in der Mongolei fabrizierten Trivialliteratur tummeln sich bei dem Einfall ersten Aktionismus als Quelle von Stilphänomen und Materialebene solch illustre Vertreter wie gerade Tony Chings hauseigener Dr. Wai and the Scripture with no Words sowie The Legend of Wisely und der koreanische The Good, The Bad, The Weird, von deren jeweiligen Vorzügen man trotz dargebrachter Kombination und versuchter Kumulation in Situationsabstraktheit leider weit entfernt bleibt. Besonders alles ab dem ersten Drittel, also im Eingeweideteil des Filmes, strotzt vor Unfähigkeit zur Kommunikation, was dem industriellen Massenprodukt jegliche Wunschbefriedigung verleidet.

Gerade bei den Actionszenen, sei es nun kurzes hand-to-hand combat, Aufeinandertreffen der wirework-Marionetten oder eine scheinbar großflächige Verfolgungsjagd zwischen den "Sandstorm Legions" und den motorisierten Schatzsuchern, enttäuscht die doppelt organisatorische Zusammenarbeit; selbst die besser getimten Scharmützel wirken uneben verstellt, in assoziativ gereihte Fetzen und so fern jeder positiven Empfindung eindrucksvoller Autorität in eher stammelnde Bildern zerlegt. Zusätzlich kommt eine Handvoll unscharfer, hanebüchener und so weiterhin distanzierender Effekttechnik hinzu, Wesen von entsetzlichem Aussehen, bei dessen Verwendung man sich schon fragt, was die Chinesen des neuerdings dazu antreibt, überhaupt Geld in diese wenn auch preiswert erscheinenden, da hingestümpert anmutenden "Visionen" stecken zu wollen.

Details
Ähnliche Filme