500. Review! Zeit um mal einen ganz besonderen Film zu besprechen!
Stephen Kings Romane sind dafür bekannt, einem den Schauer über den Rücken zu treiben. Seine Horror-Novellen haben bereits Kult-Status, die Verfilmungen dazu bieten, mal mehr mal weniger ordentliches, Horror-Kino. Doch der Meister hat nicht nur Gruseliges im Sinn. Ab und an bringt er auch mal Romane fernab jedweden Horrors aufs Papier. Sein bekanntestes Werk außerhalb des Horror-Bereiches dürfte dabei "The Body" sein. Und dieses Werk sollte auch den Stoff, für die wohl beste King-Verfilmung aller Zeiten bieten: "Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers"!
"Stand By Me", dass ist die wunderbare und zu herzen gehende Geschichte von vier 12-14 jährigen Freunden, die sich auf den abenteuerlichen Weg machen, um die Leiche eines verunglückten Kindes zu finden. Auf dem Weg zum Fundort der Leiche, erleben sie viele aufregende Abenteuer und es stellt sich die ewige Frage, ob sie den Körper überhaupt finden werden. Stephen King schrieb damit einen Freundschaftsroman nieder, der noch heute seines gleichen sucht.
Das wunderbarste an der spannenden Geschichte ist vor allem die großartige Charakter-Tiefe, die einer jeden Figur hier gegeben worden ist. Die vier Jungs sind ganz normale Menschen, so wie du und ich, die aber allesamt etwas Trauriges zusammenhält: Sie sind Außenseiter. Gordie, der dem Zuschauer die Geschichte erzählt, hat Probleme zu Hause. Seit dem Tod seines Bruders, wird er von den Eltern kaum beachtet, er ist regelrecht Luft für sie. Chris, Gordies bester Freund, hat ebenfalls Probleme mit seinen Eltern, vor allem mit seinem versoffenen Vater, der ihn bei jeder Gelegenheit zusammenschlägt. Und mit seinem Bruder, der sich einer kriminellen Jugendbande angeschlossen hat. Dann bei Teddy, dem Dritten im Bunde, geht es sogar soweit, dass sein geisteskranker Vater wahrscheinlich sogar versucht hat, ihn umzubringen. Der letze im Quartett ist Vern, der durch seine Fettleibigkeit ebenfalls viele Probleme hat und selbst in der Clique nicht vor Scherzen verschont wird. Doch unter einander halten sie zusammen. Und zwar so stark, dass sie sich zu jeder Zeit auf einander verlassen können.
Und natürlich stellen die Jungs auch all das an, was wohl ein jeder von uns mal in diesem Alter angestellt hat. Sie treffen sich (im Baumhaus), rauchen heimlich, reden über Mädchen und deren "zwei Besonderheiten", riskieren ihr Leben bei waghalsigen Aktionen und sind höchst fasziniert, als einer der Jungs plötzlich eine Waffe mit in die Clique bringt. Gut, nicht jeder 12-Jährige wird nun schon einmal mit einer Waffe hantiert haben, doch die erschreckende Faszination, die von solch einem "Ding" ausgeht, dürfte wohl jeder (Junge), in solch zartem Alter gehabt haben. Mit diesen Jungs müsste sich eigentlich ein jeder Mann identifizieren können, da sie so stark aus dem wahren Leben geschnitten worden, wie man es kaum für möglich hält!
Nun machen sie sich also auf den Weg, um die Leiche eines Jungen zu finden. Auf dem Weg dorthin müssen sie u.a. an einer, von einem Eier-beissenden Hund und einem bösartigem Fettsack, bewachten Müllkippe vorbei, müssen über eine Zugbrücke laufen, durch einen mit Blutegeln versetzten "Waldteich" waten und vieles mehr. Dabei gehen King und die Drehbuchschreiber mit sehr gutem Einfühlungsvermögen auf die Probleme der Kids ein, so das die Geschichte immer und zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig bleibt. Die Kids durchleben die verschiedensten Gefühle. Sie lachen zusammen, sie albern zusammen rum, sie helfen einander wenn sie Probleme haben, sie streiten und vertragen sich. Und sie verteidigen sich untereinander gegen Störenfriede, die versuchen in den Freundeskreis einzudringen und ihn zu zerstören. Wer in seinem Leben schon einmal so etwas, wie wirkliche(!) Freunde gehabt hat (und das ist hoffentlich bei jedem so, der dieses Review liest), der dürfte bei dieser Geschichte aus den Erinnerungen nicht mehr herauskommen, egal ob er nun solch ähnliche Erlebnisse schon einmal mit seinen Freunden durchlebt hat oder nicht.
Aber nicht nur die Geschichte ist brillant, auch der Film als solches ist absolut Top. Wenn auch nur mit schlichten Mitteln gedreht, so schafft es der Streifen eine wohlwollende und unglaublich spannende Atmosphäre aufzubauen, die ihres Gleichen sucht. Das fängt bei den wunderbaren Kulissen an, vor denen sich die Geschichte abspielt. Das kleine Dörfchen, aus dem die Jungs kommen, ist wirklich malerisch ausgefallen und wunderbar in Szene gesetzt worden. Dazu die atmosphärischen Waldkulissen und viele mehr. Absolut wunderbar.
Dazu dann die Darsteller, die perfekter kaum sein können. In meinem Leben habe ich noch keinen zweiten Film gesehen, der solch brillante Kinderdarsteller zu bieten hat, wie "Stand By Me"! Da wäre der junge River Phoenix, der als Anführer der Truppe gilt. Ein kleiner Raudi und Dieb, der aber das Herz auf dem rechten Fleck hat. Dann Jerry O'Connell, als fettleibiger Pechvogel, in dem sich wohl viele Kinder, mit ähnlichen Problemen, wiedersehen können. Dazu der absolut famose Corey Feldman, bekannt aus "Freitag der 13 Teil 4 & 5", der sich als freches, rüpelhaftes und durch seinen geisteskranken Vater gedemütigtes Kind eines Vietnamveteranen erweist, dem das Blut eines zukünftigen Soldaten in den Adern fließt und seine Freunde nicht gerade selten disst. Aber auch er weiß 100% genau, was es heißt ein Freund zu sein. Und als letztes Wil Wheaton, der wohl unbekannteste der vier Kids, der sich als cleverster und fantasiereichster unter den vier "Herren" erweist. Er ist es, der seinen Freunde bei Laune hält, in dem er ihnen z. Bsp. beim Lagerfeuer herrlich eklige Geschichten erzählt und ins Geheimen dann doch das Sagen in der Gruppe hat. Alle vier Darsteller sind so blendend und glaubwürdig in ihren Rollen ausgefallen, dass man es wirklich kaum glauben mag, dass es sich hier um 12-14 Jährige Bengel handelt. Dagegen wirkt selbst ein Daniel Radcliffe noch blasser als blass!
Dann kommen dann noch die "Großen" Stars, die aber gegen ihre jungen Kollegen kaum anspielen können. Allen voran Kiefer Sutherland, als Anführer einer Bande von Kleinkriminellen, der hier schon im Alter von 20 Jahren beweist, dass er ein Talent hat, für die wirklich herben Charaktere. Neben ihn gesellen sich u.a. Bradley Gregg, Casey Siemaszko oder auch John Cusack. Und nicht zu vergessen Richard Dreyfuss, der zwar nur für ein paar Sekunden zu sehen ist, aber dennoch einen perfekten Cameo, als erwachsen gewordener Geschichtenerzähler Gordie, aufs Parkett legt. Wirklich ein absolut großartiges Schauspieler-Ensemble.
Aber es sind nicht nur die Schauspieler, die Kulissen und die wunderbare Story, die hier für Atmosphäre sorgen, es ist einfach alles. Ich weiß gar nicht, was ich hier noch erwähnen soll. Hier ist das Gesamtbild einfach so prächtig ausgefallen, wie bei wohl insgesamt höchstens zehn weiteren Filmen. Über diesen Streifen könnte ich wirklich Stundenlang schwärmen, ohne dass es mir jemals langweilig werden würde, so schön und fabelhaft ist er einfach geraten.
Na ja, aber last mich nun noch einen Faktor erwähnen, der ebenfalls noch ein großes Stück zur Atmosphäre beiträgt: Die absolut fabelhafte, Ohrwurmverdächtige Musikuntermahlung. Egal ob man nun die großartigen Songs nimmt (darunter solche Megakracher wie "Lollipop" oder der unvergleich schöne, mich immer wieder fröstelnde, Titel-Song "Stand by Me") oder den fein eingespielten Score. Hier stimmt einfach jede Note und jede Silbe zum Gesehenen. Ein unvergesslich schöner Soundtrack, den man sich kaum ins Soundtrack-Regal stellen möchte, da man ihn eigentlich lieber ständig im CD-Laufwerk, bzw. auf dem Schallplattenspieler liegen haben möchte. Ein Soundtrack, den man sich wirklich 24-Stunden am Tag anhören könnte, ohne das er einem Langweilig wird. Einfach Traumhaft! Nun sind die knapp 85 Minuten, die der Film leider nur geht, wirklich zu 100% perfekt!
Fazit: Einer der besten Filme aller Zeiten! Mehr bräuchte man hierzu eigentlich nicht sagen. "Stand by Me" - die großartige Verfilmung von Regie-As Rob Reiner, zu Stephen Kings besten Non-Horror-Roman "The Body", gehört mit zu den wichtigsten Streifen überhaupt. Ein Apell an die Wichtigkeit der Jugend und der Freundschaft, verpackt in einer absolut brillanten Geschichte, verfilmt mit solch einer Genialität, die für eine Atmosphäre und ein Wohlwollen sorgt, dass es einfach unbeschreiblich ist. Wer sich hier, beim Zuschauen des Films, nicht an seine Jugend erinnert und vor allem an seine besten Freunde (von damals), der kann einem nur Leid tun! Denn dann hat er garantiert etwas ganz Wichtiges, in seinem Leben verpasst. Ich für meinen Teil werde jetzt erst einmal ein paar alte Jugend-Freunde anrufen und kann jedem nur dringend raten, sich diesen wunderbaren Streifen, so schnell wie möglich, (wieder einmal) anzuschauen! Es gibt kaum etwas Schöneres auf Zelluloid! Ehrlich!
Wertung: 10/10 Punkte