Ich hatte später nie solche Freunde wie damals als ich zwölf war. Aber, mein Gott, wer hat die schon?
Diese letzten Worte aus Rob Reiners „Stand by me“ treffen es wirklich auf den Punkt genau: Die Intention, die dieser auf der Erzählung „The Body“ von Stephen King basierende Film verfolgt, und in erster Linie wohl das Gefühl, das jeder wohl nur zu gut nachempfinden kann: Gibt es eine innigere Freundschaft als die zwischen 12jährigen? Die charakterlichen Veränderungen, die dieses Alter - gerade zwischen Kindsein und der Schwelle zum geistigen und körperlichen Heranreifen - mit sich bringt, bildet nur allzu oft die Basis für Freundschaften, die weit über ein „Ich kann dich gut leiden“ hinausgehen. Freundschaften, die zwar oft durch unterschiedliche Schicksale der Beteiligten durch größere Distanzen getrennt und über Jahre nicht direkt gepflegt werden können, die aber nichtsdestotrotz bis ins hohe Alter in den Herzen der Befreundeten bestehen bleiben.
Solch eine Freundschaft verbindet auch die vier Außenseiter Gordie (Will Wheaton), Chris (River Phoenix), Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O’Connell). Die 12jährigen verfolgen seit Wochen die Meldungen über einen vermissten Jungen, der vermutlich von einem Zug erfasst und jetzt tot neben den Gleisen liegt. Fasziniert von der Möglichkeit, durch den Fund der Leiche berühmt zu werden, machen sich die vier auf die Suche nach dem toten Jungen. Bei ihrer Reise entlang der Eisenbahnstrecke erleben sie einige Abenteuer, streiten und versöhnen sich wieder, albern herum und stehen sich auch in der höchsten Gefahr immer gegenseitig bei – so, wie es sich für echte Freunde gehört.
Rob Reiner hat es tatsächlich geschafft eben jene soeben beschriebenen Gefühle gehaltvoll und beeindruckend auf Zelluloid zu bannen. Eingebettet in wundervolle Landschaftsaufnahmen aus den Bergen Oregons erzählt er uns dieses Abenteuer vier junger Menschen, die alle ihre eigene Geschichte haben: Chris, der Junge aus zerrüttetem Elternhaus, der stadtweit als Dieb bezeichnet und des Öfteren von seinem trinksüchtigen Vater geschlagen wird; Teddy, dessen Vater nach den Schrecken, die er bei der Schlacht in der Normandie erlebt hat, geistig verwirrt ist und nach einem offensichtlichen Mordversuch an seinem Sohn in der Irrenanstalt sitzt; Vern, der aufgrund seiner Fettleibigkeit überall nur niedergemacht wird und schließlich Gordie, der seit dem Unfalltod seines Bruders für seine Eltern nur noch Luft ist. Sie alle meistern ihr Schicksal und schöpfen nicht zuletzt aus ihrer Freundschaft die dafür notwendige Kraft. Das wird mit jeder Minute dieses Filmes deutlich und enormen Anteil an dieser Intensität der übermittelten Botschaft haben dabei die vier Jungdarsteller. Sie alle agieren so souverän wie man es selten zuvor (und fast noch seltener danach) von solch jungen Akteuren gesehen hat. Sie verleihen dem Film tatsächlich neben ihrer wundervollen Unbekümmertheit, die sie oft genug aufblitzen lassen, vor allen Dingen die notwendige Tiefe, die diesen Film so sehenswert macht.
Doch „Stand by me“ ist überdies auch sehr „hörenswert“. Der Soundtrack zeichnet sich aus durch jederzeit passende musikalische Untermalung, sei es nun durch Evergreens wie „Lollipop“ oder eben den wohl besten und passgenauesten Titelsong der Filmgeschichte – „Stand by me“.
Sehenswert, hörenswert, empfindenswert. Was soll man da noch großartiges zu diesem Film sagen…?
„Stand by me“ habe ich erstmals im zarten Alter von zwölf Jahren gesehen, jenem Alter, in dem unsere vier Protagonisten sind. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb „Stand by me“ zu meinem ersten richtigen „Lieblingsfilm“ wurde. Dieser Film traf genau das, was ich zu jener Zeit empfand. Doch auch heute – 12 Jahre nachdem ich dieses Meisterwerk erstmals gesehen habe und satte 20 Jahre nach Erscheinen dieses Filmes – vermag dieses „Geheimnis eines Sommers“, mich in einen unbeschreiblichen Bann zu ziehen, der mich zurück in die Zeit katapultiert, als die tiefsten Freundschaften meines Lebens manifestiert wurden. Einfach ein traumhafter Film, der auch beim zigsten Ansehen nichts von seiner Faszination einbüßt und definitiv Pflichtprogramm für jeden Filmfreund darstellt. Volle Punktzahl für die schönste Ode an die Freundschaft, die jemals auf Zelluloid gebannt wurde.