Keine Marseillaise
Weiter geht meine Reise durch die vielseitige belmondo'ische Milchstraße mit "La Scoumoune" aka "Der Mann aus Marseille", einer sprunghaften bis episodischen Gangstercollage über einen Kleinganoven, der sich rund um den zweiten Weltkrieg seinen Weg durch die französische Unterwelt bahnt, um Einfluss und Geld zu bekommen und seinen Kumpel aus dem Gefängnis zu kriegen...
Es ist zu spät was Neues zu tun
"La Scoumoune" funktioniert für mich kaum als Epos über eine große Zeitspanne mit Sprüngen im Ton und Szenario. Daher bleibt er insgesamt deutlich hinter anderen, gerade späteren Belmondo-Krachern. Dennoch gibt es Phasen und Sequenzen (z.B. im Knast oder Minenentschärfungstrupp), die sehr gut reingehen und funktionieren. Meistens ist das wenn "La Scoumoune" kleiner, direkter und persönlicher wird und über längeren Zeitraum bleibt. Wenn er vorher von Figur zu Figur und Setting zu Setting springt, dann wird's schnell mal uninteressant, blass und wirr, dann habe ich den Faden und die benötigte Faszination zu schnell verloren. Dann nimmt auch Belmondo zu oft Platz auf dem Rücksitz oder steigt ganz aus. Doch wie gesagt, wenn sich der Film auf seine Figuren und/oder seinen kernigen Buddy konzentriert, dann ist er alles andere als schlecht. Es bleiben insgesamt aber zu viele Hänger bis Aussetzer. Nur beim Score nicht - der ist durchgängig exzellent, verführerisch und traumhaft! Und Claudia Cardinale ist natürlich eine Göttin und hilft aus jeder Lethargie.
Fazit: eigentlich abwechslungsreiche und doch irgendwie eintönige Gangsterballade zwischen sprödem Dienst nach Vorschrift, gekapptem Epos und Belmondos Charme... Unentschieden und leicht unterdurchschnittlich. Strenger und ernster als man meint.