Mit dem 1978er-Klassiker Day of the Woman brachte Meir Zarchi seinerzeit einen vieldiskutierten Film ins Kino, der als Ur-Mutter des Rape and Revenge-Genres gilt - 32 Jahre später versuchte sich Steven R. Monroe mit einer Art Wiederauflage - sein I spit on your grave hat jedoch nur rudimentär mit dem Original zu tun, vielmehr liegt hier ein reiner Torture Porn vor. Dagegen wäre nicht viel einzuwenden, wenn man sich beim Aufbau der Geschichte ein wenig Mühe gegeben hätte - dies unterblieb jedoch vollkommen, stattdessen wird der bekannte Plot von mehrfacher vergewaltigung durch ein paar Hinterwäldler einfach recycelt, um dann im Schlußdrittel ansatz- und erklärungslos das bestialische Dahinmetzeln ebenjener Hinterwäldler durch ausgeklügelte Folterfallen auch deutlich graphisch zu zelebrieren. Nach diesem Höhepunkt(?) ist der Film auch schon aus. Ein selbstzweckhafter Torture Porn, der ohne Erklärungen und Umstände nur das brutale Foltern abfeiert und eigentlich mit nur 30 Minuten Länge auskommen könnte.
Während im Original die missbrauchte Frau ihre körperlichen Reize einsetzt um die Vergewaltiger anzulocken und ihre Rache ausüben zu können, bedient sich Jennifer Hills im Remake ausschließlich mechanischer Hilfsmittel: mit roher Gewalt werden die Hinterwäldler niedergeschlagen und finden sich dann gefesselt in den Todesfallen, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt.
Nicht daß es an den Vergewaltigungen, die übrigens sehr schonend abgefilmt wurden und sich hauptsächlich im Kopf der Zuschauer abspielen, irgendetwas zu beschönigen gäbe - aber die hier zelebrierte Rache dafür mit mehreren Toten schießt schon prinzipiell weit über das Ziel hinaus, wenngleich dies mit dem Hinweis auf das Original erklärt werden kann. Daß diese Rache allerdings im Gegensatz zur Ursache in aller Deutlichkeit gezeigt wird, beweist die Intention des Films: Schlachten um des Schlachtens willens.
Was die schauspielerischen Darbietungen betrifft: Für die Hauptdarstellerin wurde mit Sarah Butler eine Nachwuchsdarstellerin mit Durchschnittsgesicht engagiert, ein Mädchen ohne Busen vom Typ " Frühsport-Tanzgruppe beim Frühstücksfernsehen". Weder sie noch irgendjemand anderes in I spit on your grave besitzt Identifikationspotenzial; Sympathie oder auch nur Mitleid kann man mit keinem der Protagonisten haben. Die Darsteller der Hinterwäldler inklusive des extrem unsympathischen Sheriffs (Andrew Howard) bemühen sich zwar redlich, bleiben aber in der beliebigen Story vollkommen blass. Die wenigen Nebenfiguren haben sehr wenig Screentime und noch weniger Lines, sodaß sie wortwörtlich nur als Kulisse dienen.
Lang ist die Liste der Logiklöcher in diesem Machwerk: Wie kommt es, daß eine junge Frau ganz alleine in die Wildnis fährt? Sollte man von einer Schriftstellerin nicht ein wenig mehr Lebenserfahrung erwarten können? Auch daß sie sich in diesem hoffnungslos überdimensionierten Feriendomizil so ganz sicher fühlt, ist sehr ungewöhnlich. Was hat es mit dem seltsamen Zahn-Fetischismus der Hillbillies auf sich? Oder ist das nur vorgeschoben, um hinterher selbst Zähne ziehen zu können? Wie kann man von einer ca. 5 Meter hohen Holzbrücke in höchstens 2 Meter tiefes Wasser springen und dann verschwinden, obwohl vier Paar Augen und ein Gewehr auf einen gerichtet sind? Hallo? Wieso fällt der Mord an dem Alten nicht auf, immerhin ist er der Verwalter dieser Ferienhäuser, die ohne ihn nicht mehr vermietet werden können. Wieso schöpft eine Mutter keinen Verdacht, wenn eine "neue Lehrerin" mit ihrer Tochter "zum Spielen" verschwindet? Wieso stirbt man, wenn einem Krähen die Augen auspicken? Und natürlich die Frage aller Fragen: Wie hat es Jennifer geschafft, ohne Kratzer nach so kurzer Zeit wieder aufzutauchen, wo lebt sie, wer half ihr bei der Konstruktion dieser ausgeklügelten Mordinstrumente? Fragen über Fragen, und das sind nur einige wenige von Vielen, die sich dem Zuseher stellen, der vergeblich versucht einen roten Faden in diesem Brutalostreifen zu finden.
Viel war die Rede in diversen Rezensionen von einer großartigen Sarah Butler - ihre diesbezügliche Leistung suchte ich jedoch vergeblich. Neben wenig überzeugender Darbietung von Angst haben und betteln im ersten Drittel des Films kann ich mich noch an ein Torkeln und einen Sprung rückwärts ins Wasser im Mittelteil erinnern; ihre fast ausdruckslose, gleichgültige Mimik beim anschließenden Schlachtfest verbunden mit ein paar belangslosen Sätzchen fand ich ebenfalls nicht besonders beeindruckend. Möglicherweise bezieht sich die viel gelesene "Großartigkeit" der Sarah Butler aber auf ganz etwas anderes, denn sie ist auf so ziemlich jedem Cover aller möglichen Fassungen abgebildet - weniger ihr Gesicht, als vielmehr ihr Hinterteil. Das muß es wohl sein, was Sarah Butler auszeichnet. "Großartig".
Gibt es irgendetwas Positives an diesem Film? Handwerklich ist das immerhin einigermaßen solide gemacht (keine Schnellschnitte, ordentliche SFX bzw. CGIs), die Locations am Schluß sind schön dreckig und auch an der Kameraführung gibt es nichts auszusetzen, aber können diese Umstände diesen hirnlosen Inhalt retten? Mir fiele als positiver Aspekt ein, daß der vielgescholtene Hostel in seinen unlogischsten Momenten geradezu Gold ist gegen I spit on your grave - und auch wer in Saw Teil Soundsoviel über im Grunde sehr ähnliche Foltermethoden gejammert hat, wird zugeben müssen, daß dort stets eine Erklärung, eine Story die Folterungen begründet - im vorliegenden Film gehts allerdings nur um grenzenlos übertriebenes Quälen um des Quälens willen - und darauf kann ich gerne verzichten. 1 Punkt.