„Mall Rats“, Kevin Smiths zweiter Film, ist zwar mit deutlich mehr Geld gedreht als „Clerks“, doch besitzt glücklicherweise den gleichen frechen Humor.
Hauptfiguren sind Brodie Bruce (Jason Lee) und T.S. Quint (Jeremy London), die beide von ihren Freundinnen den Laufpass kriegen. Brody von Rene (Shannon Doherty), weil er sich einfach nicht um sie kümmert, T.S. von Brandi (Claire Forlani), weil er sich im falschen Moment verständnislos zeigt: Er hat versehentlich Mitschuld am Tod der Kandidatin für die Spielshow von Brandis Vater, Jared Svenning (Michael Rooker), Brandi springt ein und er ärgert sich bloß darüber, dass sie nicht mit ihm in den Urlaub fährt. Das klingt jetzt nach dem üblichen Beziehungs-Hickhack, doch Kevin Smith inszeniert selbst dies auf gewohnt freche Art und Weise.
Die beiden Freunde nehmen sich nämlich eine Auszeit, indem sie erst mal ins Einkaufszentrum brettern, wo sie rumhängen wollen. Doch hier soll auch die Spielshow stattfinden, wie die beiden bei ihrer Ankunft feststellen müssen...
„Mall Rats“ ist kein Film des großartigen Plots, doch das macht gar nichts. Das Kitten der Beziehung von T.S. und Brandi bildet quasi den roten Faden, doch meist geht es nur darum, dass die schrägen Charaktere im Einkaufszentrum einander über den Weg laufen. Neben T.S. und Brodie wären das unter anderem der widerliche Ladenbesitzer Shannon Hamilton (Ben Affleck), die freizügige Jungautorin Tricia Jones (Renée Humphrey) und dergleichen. Natürlich dürfen auch Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) nicht fehlen, die hier deutlich größere Parts als in „Clerks“ innehaben.
Dabei gibt es natürlich massig von dem typischen Kevin Smith Humor, der ein wenig Slapstick, vor allem aber viel Wortwitz bietet. Die Slapstickeinlagen (vor allem Silent Bobs Versuche, die Bühne zu sabotieren) sind nett, doch die Dialoge sind es, die „Mall Rats“ so amüsant machen. Frech und freizügig reden die Charaktere über alles und nichts, selbst über absurde Themen wie das Sexualleben von Comicfiguren wird ausgiebig diskutiert. Dabei produziert Kevin Smith mal wieder einige sehr kultige Onliner, z.B. „Unterschätze nie den Zorn einer Frau, wenn du sie mit SEGA-Spielen betrügst.“
Ebenfalls typisch Kevin Smith sind die Anspielungen auf die Populärkultur, hier vor allem Filme und Comics. Da macht sich Silent Bob in Batman-Montur an die Sabotage, versucht den Jedi-Gedankentrick anzuwenden oder Jared macht in Anlehnung an diverse Actionfilme, vor allem „Stirb langsam 2“, sein morgendliches Kampftraining nackt (besonders amüsant, da Michael Rooker ja auch immer wie Actionrollen wie in „Cliffhanger“ spielt). Über Comics wird nicht nur viel diskutiert, sondern auch Zeichnerlegende Stan Lee hat einen Gastauftritt als er selbst – und redet (nicht nur) über Comics.
Schauspielerisch ist hier sicher keiner Oscar-verdächtig, doch die Darsteller agieren recht überzeugend und mit viel Sinn für das richtige Gagtiming. Jeremy London bleibt vielleicht etwas blass, doch das macht Jason Lee als Hauptfigur Nummer zwei gleich wieder wett, denn mit seiner quirligen Art hat er direkt sämtliche Zuschauersympathien auf seiner Seite.
„Mall Rats“ ist ein ziemlich amüsanter Film Kevin Smiths, der trotz des Fehlens eines echten Plots stets gut unterhält. Die Trefferquote der Gags ist hoch, nur wenige sind unlustig, wobei „Mall Rats“ in geselliger Runde noch mehr Spaß macht als bei alleiniger Betrachtung.