Da gibt es so viele Komödien, die schon im Ansatz jeden Witz vermissen lassen oder alle im Fahrtwasser von eh schon unterirdischen Filmen wie "American Pie" und Konsorten schwimmen, was dann folglich nur in die Hose gehen kann. Das ist allgemein so ein Problem mit Komödien, denn wenn man nicht über irgendwelche peinlichen, pubertären und schweinischen Witze lachen kann, dann ist man heutzutage schon arm dran. Weil es dann wirklich wenig gibt, das einem zum Lachen bringen kann.
Somit ist es dann umso bemerkenswerter und erstaunlicher, wenn einem ein Film wie "Mall Rats" über den Weg läuft und dann auch gleich Platz im Videorecorder findet. Dass da Jay und Silent Bob mit von der Partie sind, verleiht dem Ganzen natürlich von vornherein einen gewissen Reiz und auch mit den Namen Kevin Smith assoziiert man zwar schon irgendwie niveaulose, aber umso sympathischere Perlen des Kinos.
Wie gesagt, "Mall Rats" ist sicher auch alles andere als erwachsen, aber um Welten besser als der Einheitsbrei aus den Kinos. Auch von der Story her bietet er nicht viel Neues. Zwei Verlierertypen, die noch dazu die Beziehungen zu ihren Partnerinnen verbocken, langweilen sich und begeben sich ins hiesige Einkaufszentrum, um sich die Zeit zu vertreiben und ganz nebenbei ihre Verflossenen zurückzubekommen. Also die Handlung ist es jetzt garantiert nicht, die einem zum Schwärmen bewegt.
Die Charakterzeichnung jedoch allein bewegt hier Berge, denn die Hauptpersonen T.S. und Brodie sind zwar Verlierer, wie sie im Bilderbuch stehen, doch man ist sofort auf ihrer Seite. Ihr Leben besteht aus Gammeln und Sega spielen und man lässt seine Freundin schon mal im Stich, wenn man Mitte des zweiten Drittels eines Eishockeyspiels mit 12:2 führt. Kein Wunder also, dass T.S. und Brodie bald alleine dastehen. Doch selbst solche Verlierer haben so etwas wie Stolz und daher lassen sie es nicht so einfach auf sich sitzen. Als dann auch noch Brandi, die Ex von T.S. in einer Herzblatt-Version "versteigert" werden soll, machen sie sich auf ins Kaufhaus und zeigen es nicht nur ihren Ex-Freundinnen, dass sie sehr wohl so Einiges auf dem Kasten haben.
Der Humor ist hierbei gleichsam ausgefallen wie höchstsympathisch. Dass sind hier nicht die witzigen One-Liner, die hier den Film bestimmen, sondern eben die Gestaltung der Charaktere und die Darsteller allgemein. Da steht schon mal einer den ganzen Film über vor einem 3D-Bild, auf dem er das versteckte Segelboot leider ums Verrecken nicht erkennen kann. Wenn ihm jemand dabei stört oder mal wieder jemand das Segelboot erkennt und damit in aller Öffentlichkeit prahlt, dann wird da schon mal ein kleines Kind zur Sau gemacht. Das ist nicht niveauvoll, aber beste Situationskomik.
Solch rote Fäden, die sich durch den ganzen Film ziehen, gibt es hier zur Genüge. Da ist der Mann mit dem 3D-Bild oder die brilliant-witzig ausgeklügelten Pläne von Jay und Silent Bob, die immer wieder in einer Umkleidekabine der selben Frau landen. Doch auch die Hauptpersonen T.S. und Brodie sind dermaßen sympathisch und man identifiziert sich irgendwie sofort mit den Beiden, auch wenn wohl die wenigsten in der absolut gleichen Situation wie sie stecken. Sie wollen doch nur ihre Freundin zurück. Logischerweise ist dabei nicht viel mit Tiefgang, Anspruch oder subtilen Gesprächen, die beiden Verlierer kriegen ihre Freundinnen auf höchst seltsame, aber dafür heldenhafte Art und Weise zurück. Sie sind eben nicht so schlecht, wie sie immer hingestellt werden.
"Mall Rats" ist unglaublich sympathisch, legt ein Tempo vor, das seinesgleichen sucht, bietet permanent lustige Dialoge und Szenen voller Situationskomik und bleibt jedoch stets auf dem Boden. Das ist zwar alles mehr oder weniger niveaulos, doch andererseits hat der Film so viel mehr Niveau wie die meisten anderen Komödien, die allesamt miteinander verwandt sein könnten. Mal wieder ein Kevin Smith Film, der so richtig schön unterhält und Charaktere bietet, an die man sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch etwas länger erinnert.
8,5/10 Punkte