Nachdem Kevin Smith mit seiner rohen und aus der Leben gegriffenen Komödie "Clerks" das unglaubliche Glück hatte, mit Miramax einen starken Partner zu finden, der diesen schwarz-weißen und enorm unflätigen Film in den Kinos vertreiben wollte, aber noch bevor dieser in den Kinos ausgestrahlt wurde, begann Kevin Smith an dem Drehbuch zu dessen Nachfolger zu feilen.
"Clerks" war für risikoreich selbstfinanzierte 27.000 $ entstanden, während für Smiths Nachfolgeprojekt die satte Summe von 6,1 Millionen $ veranschlagt wurde. Für das Major-Studio Universal sicherlich kleine Brötchen, doch für Smith ein Sprung ins kalte Wasser. Nach der Narrenfreiheit, die er in "Clerks" genießen durfte, musste der junge Regisseur erleben, wie das Studio immer wieder in die Produktion von "Mallrats" eingriff. Aber dazu später mehr.
Gerade auf Video wurde "Clerks" zu einem riesigen Erfolg und brachte Smith eine Menge Fans ein, die vor allem die aus dem Leben gegriffenen Charaktere und die beinahe nicht vorhandene Handlung zu schätzen wussten. "Mallrats" sollte in allen Belangen größer werden. Bei dem minimalen Budget des Vorgängers sollte dies eigentlich kein Problem sein, schon allein die Tatsache, dass "Mallrats" natürlich in Farbe gedreht wurde, und die Fans die beiden Vorzeigeslacker Jay und Silent Bob in ganzer farbiger Pracht sehen konnten, ist ja schon ein Quantensprung! Zudem bekam der Film eine Handlung spendiert, die Actionszenen nötig machten. Natürlich reden wir hier nicht von Flugzeugabstürzen oder Autoverfolgungsjagden, doch "Mallrats" war im Gegensatz zu "Clerks" als Film konzipiert, in dem der Zuschauer letztlich nicht nur 2 Personen zuschaut, die sich in kruden Dialogen schräge Dinge erzählten, sondern als Film, in dem schräge Dinge wirklich passierten. So gibt es einiges an physischer Comedy zu sehen (gerade in diesen Szenen ist Regisseur Smith in seiner Trademark-Rolle als Silent Bob oft zu sehen), die trotz allem Smiths zum Teil kruden Humor widerspiegelt.
Smith stockte die Besetzung aus "Clerks" (allesamt unbeschriebene Blätter oder gar Amateure) um einige bekannte oder zumindest talentierte Gesichter auf. Doch auch hier hatte Universal seine Finger im Spiel: So sollte die männliche Hauptrolle des T.S. Quint eigentlich von Brian O'Halloran (dem Dante aus "Clerks") dargestellt werden. Doch das Studio, welches Smith zumindest weitestgehend freie Hand ließ, bestand zumindest auf ein halbwegs bekanntes Gesicht für eine der Hauptrollen. Aus diesem Grund wurde "Party of Five"-Darsteller Jeremy London verpflichtet, der seine Sache durchaus gut macht, doch neben vielen der anderen Darstellern (unter ihnen auch viele Nicht-Schauspieler, wie Jason Lee, der zu dem damaligen Zeitpunkt nur als Skateboard-Profi bekannt war) wirkte London etwas blaß. Von daher verwundert es nicht, dass er nach "Mallrats" bis dato nie wieder in einem weiteren Smith-Film mitwirkte. Er gehörte einfach nicht wirklich zur "Smith-Gang". Nicht nur inhaltlich sind die View Askew-Filme (so der Name von Smiths Produktionsgesellschaft) nämlich wie ein Familientreffen, in der Charaktere immer wieder auftauchen. Insgesamt verfügt "Mallrats" allerdings über eine wirklich bemerkenswerte Besetzung. Viele der Darsteller sind später zu recht bekannt geworden, waren dies zum Zeitpunkt des Drehs aber meist ganz und gar nicht. Da wäre zum Einen, wie schon angerissen, Jason Lee, seines Zeichens Skateboard-Pro, der seinen Charakter Brodie wunderbar locker darstellt. Immer auf dem schmalen Grad zwischen vulgär, herzlich und witzig. Auch Ben Affleck, der in "Mallrats" seine erste größere Rolle als widerwärtiger Shannon Hamilton spielt, der Frauen gerne an unangenehmen Orten penetriert (und damit ist nicht die Rückbank eines Volkswagens gemeint), legt eine überaus memorable Leistung hin. Daneben überzeugen Darsteller, wie Shannen Doherty, Claire Forlani, Michael Rooker oder auch Brian O'Halloran, der allerdings nur einen kleinen Auftritt hat. Auch Jason Mewes als Jay ist natürlich wieder dabei, als durchgeknallter und hysterischer Gegenpol zu Silent Bob (Kevin Smith himself). Man kann Smith nur zu seinem guten Händchen gratulieren, dass er für solch einen "kleinen" (trotz des 6,1 Millionen $ Budgets) Film eine so talentierte Besetzung zusammenstellen konnte.
Im Gegensatz zu "Clerks" wurde der Film von den Kritikern nicht mit offenen Armen aufgenommen. So war "Mallrats" noch vulgärer und zudem haftete diesem Streifen nicht mehr das bei Kritikern so beliebte Markenzeichen "Independentfilm" an. Was das Publikum anno 1995 zu sehen bekam, nahm einiges vorweg, was die Farrelly-Brüder gerade mit "Verrückt nach Mary" im Mainstream-Film etablierten. Insofern war die Zeit wohl noch nicht reif für analverseuchte Schokobretzeln, Geschichten über Massenmasturbation bei einem vermeintlichen Flugzeugabsturz oder eine Oben-Ohne-Wahrsagerin mit drei Brustwarzen. Folgerichtig wurde der Film größtenteil verrissen und war auch im Kino kein großer Erfolg. Was "Mallrats" in die schwarzen Zahlen und auch in die Herzen der Smith-Fans verhalf, war die Auswertung auf Video und später auf DVD, die aus dem Film dennoch einen enormen Erfolg machte (auch "Clerks" profitierte enorm von der Videoauswertung, die aus diesem Film einen Kultfilm machte).
"Mallrats" ist eine verspielte und verspulte Version von "Clerks" (freilich ohne die beiden Hauptdarsteller Dante und Randal, denen sich Smith anno 2006 in "Clerks 2" ausführlich widmete), die allerdings nicht so aus dem Leben gegriffen ist, wie Smiths Debüt-Film. Dies ist vielleicht auch der größte Kritikpunkt, den man anbringen kann. "Clerks" bestach durch die ebenso witzigen, wie wahren Beobachtungen aus dem Einzelhandel (von Smith höchstpersönlich beobachtet, der selbst einige Zeit in einem kleinen Supermarkt jobbte), während "Mallrats" zwar die gleiche Zielgruppe an Zuschauern ansprach (eine Personengruppe, die man zu der Zeit gern als Generation X bezeichnete und sich vor allem dadurch auszeichnete, dass sie sich trotz vorhandenen Studiums und der dafür erfoderlichen Cleverness desillusioniert in kleinen, unwichtigen Jobs durchs Leben treiben ließ), aber ganz und gar nicht mehr aus dem Leben gegriffen war. Dafür sind die Vorkommnisse in der Mall einfach viel zu haarsträubend. Was "Mallrats" aber als typischen Smith-Film erkennbar macht, sind zum Einen die derben, aber nichtsdestotrotz cleveren Dialoge und die vielen zeitgenössischen Popkultur-Zitate. So gibt es Anspielungen auf die von Smith so geliebten Marvelcomics (inklusive Auftritt von Stan Lee) und Filme wie "Der weiße Hai", "Star Wars" oder auch "Batman". Das ist alles witzig und rasant in Szene gesetzt. Insofern scheitert Smith an der selbst gesetzten Hürde "Clerks", doch das zum Einen nur knapp und zum Anderen ist so ein immer noch sehr unterhaltsamer Film entstanden. Damals soll auch im Gespräch gewesen sein, dass Smiths zweiter FIlm ein höher budgetiertes Remake von "Clerks" werden sollte. Man kann Smith nur gratulieren, dass er dies nicht getan hat, denn wer kann sich andere Darsteller als Brian O'Halloran und Jeff Anderson in den Rollen von Dante und Randal vorstellen? Und darauf wäre es wohl in dieser Variante hinausgelaufen...
Fazit:
7,5 / 10