Mit seiner brillanten Komödie "Hangover" hat Todd Phillips (Road Trip, Starsky & Hutch) die Messlatte enorm hoch gesetzt. Für ihn Fluch und Segen zugleich, denn einerseits konnte er sich durch seine Erfolge im Genre etablieren, andererseits geht man mit hohen Erwartungen an seine neueste Komödie "Stichtag" heran. Man könnte ihn auch als eine Art Remake der genialen 80er Jahre Komödie "Ein Ticket für zwei" bezeichnen, zumindest die Grundidee stimmt überein. Doch trotz aller Vorfreude bleibt ein Gagfeuerwerk aus, vielleicht sind vier Autoren für solch einen Film doch zuviel, da man hier anscheinend sehr unterschiedlicher Meinung war, was den Humor betrifft.
Der Architekt Peter Highman (Robert Downey Jr.) will pünktlich zur Geburt seines Kindes in Los Angeles sein, was von Atlanta aus ein sehr langer Weg ist. Besonders weil er wegen des aufdringlichen Ethan Tremblay (Zach Galifianakis) aus dem Flugzeug geschmissen wird. Der Möchtegern-Schauspieler will ebenfalls nach L.A. und nimmt Peter schließlich im Mietwagen mit. Doch die Fahrt wird zur Tortour, denn Peter musste seine Geldbörse im Flieger lassen. So geht den Beiden schnell das Geld aus, sie werden von einem Invaliden verkloppt und bald ist auch noch das Auto Schrott. Für Peter schwinden die Chancen pünktlich an Ort und Stelle zu sein. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen Menschen eine Freundschaft.
Mal wieder lässt man zwei Charaktere aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch Gegensätze ziehen sich nun mal an, so prallen der geschäftstüchtige Architekt Peter und der Chaot Ethan zum ersten Mal am Flughafen zusammen. Schon gleich hagelt es Probleme für Peter, denn ein Gepäckstück wurde vertauscht und schon gibt es Ärger bei der Flughafenkontrolle. Schließlich der Rausschmiss aus dem Flugzeug, die Eintragung auf die sogenannte "No-Fly-Liste" und das Verlieren der Geldbörse machen den Tag für Peter perfekt. "Stichtag" legt einen guten Start hin, besonders wie das Leben des Saubermanns Peter immer mehr aus den Fugen gerät, zeigt Phillips hervorragend auf. Ethan entpuppt sich aber auch als Quälgeist, der sich vor dem Einschlafen nicht nur einen runterholt, sondern auch das ganze Reisegeld für Drogen verplempert. Die Asche seines Vaters trägt er in einer Kaffeedose mit sich und sein kleiner Köter ist auch alles andere als normal. Eigentlich genug Stoff, um eine gute Komödie daraus zu zaubern, doch irgendwie hat man einige Male eine falsche Vorstellung von Humor. Beispielsweise die Prügelei mit dem Rollstuhlfahrer ist so eine seltsame Geschichte, dann der ständige Drogenkonsum oder einige zu fiese Beleidigungen gegen Ethan. In einigen Szenen treibt man es deutlich zu weit, manchmal bleibt einem das Lachen wortwörtlich im Halse stecken.
Der Charakter Peter ist einfach zu arrogant und besonders als er Ethan die Meinung geigt, seinen Köter anspuckt, oder ihn mit Kumpel Darryl (Jamie Foxx) auf der Ladefläche seines Pick Ups hüpfen lässt, hat er beim Zuschauer verschissen. Doch trotz allen Übels vermag "Stichtag" doch zu unterhalten, Ethan sorgt mit seinen ungewöhnlichen Charaktereigenschaften für jede Menge Pannen, da wäre der Sekundenschlaf beim Auto fahren oder das falsche Abbiegen zur mexikanischen Grenze. Doch im Endeffekt kommen sich die Beiden durch jede Katastrophe ein Stückchen näher, wobei echte Lacher sich als rar entpuppen. Die Kaffeeszene in Darryls Haus ist ein absoluter Höhepunkt, einige Dialoge haben Pepp, aber für eine richtige Komödie bietet "Stichtag" nicht ausreichend Material. So wirken auch die aufkommenden Probleme mit der mexikanischen Polizei eher unpassend, bishin zu den Verdächtigungen, ob Peter nun wirklich der Vater seines Kindes ist. Dabei kann man Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes, Iron Man) sowie Zach Galifianakis (Hangover, Dinner für Spinner) keinerlei Vorwürfe machen, die Beiden sind mit Spielfreude bei der Sache. Aber Jamie Foxx (Miami Vice, Der Solist) legt einen extrem larmärschigen Auftritt hin, da ist Juliette Lewis (From Dusk till Dawn, The 4th Floor) als Dealerin wesentlich besser.
Die Grundvoraussetzungen sind gegeben, doch irgendwie mangelt es "Stichtag" trotzdem an Charme und guten Gags. Viele Szenen sind hier wohl als Humor gedacht, wollen aber einfach nicht funktionieren. "Stichtag" an einem "Hangover" zu messen, wäre wirklich verheerend für Phillips, man sollte seine Ansprüche dementsprechend auch zurückschrauben, doch auf solch eine maue Geschichte war ich nicht gefasst. Lieber den ähnlichen "Ein Ticket für zwei" genießen, der macht wesentlich mehr Spass.