Blickt man auf 2010 zurück hat sich unser Dickerchen ein wenig zurück gehalten. Kam er das Jahr zuvor noch auf vier Spielfilme, so wirkte er neben "Born to Raise Hell" nur in Robert Rodriguez "Machete" mit. Er wird nun mal nicht jünger, oder dünner und das Verfassen des Drehbuches scheint ihn schwer geschlaucht zu haben. Erwartungsgemäß ist ihm nicht sonderlich viel eingefallen, doch als ausführender Produzent kann sich Seagal in der nebensächlichen Lovestory wenigstens wieder mit einer wesentlich jüngeren Frau amüsieren. Dabei bleibt der stets hohe Unterhaltungswert ein kleines Phänomen bei Seagals B-Filmen, grandiose Totalausfälle wie Attack Force" oder "Unsichtbarer Feind" scheinen der Vergangenheit anzugehören. Stattdessen bewegt sich der Aikido-Moppel zuverlässig auf überdurchschnittlichem Niveau, wobei selten mal eine kleine Perle wie "Driven to Kill" zu Tage gefördert wird. Für "Born to Raise Hell" konnte man zudem einen fähigen Regisseur verpflichten, Lauro Chartrand gibt zwar sein Debüt auf den Regiestuhl, jedoch kann er seine Erfahrungen als Schauspieler mit einbringen, die er in knapp dreißig Rollen sammeln konnte. Da stehen unter anderem Filme wie "War, Fido" oder "Mein Kind vom Mars" auf dem Speiseplan.
Samuel "Bobby" Alex (Steven Seagal) leitet in Bukarest ein Sonderkommando der Polizei, den Tod seines Partners hat er immer noch nicht überwunden. Nun bekommt er mit Steve (D. Neil Mark) einen neuen Mann für sein Team. Den hat er auch bitter nötig, denn der psychopatische Mörder und Drogendealer Costel (Darren Shahlavi) zieht eine Blutspur durch die ganze Stadt. Costel macht auch Geschäfte mit dem einflussreichen Gangster Dimitri (Dan Badarau), der Bobby schon lange ein Dorn im Auge ist. Doch Costel ist nicht nur für den Tod von Bobbys Partner verantwortlich, er will auch Dimitri aus dem Weg räumen, um den gesamten Markt zu kontrollieren. Bobby muss ihn um jeden Preis aufhalten auch wenn er dafür mit Dimitri kooperieren muss.
Steven Seagal präsentiert uns seine eigene Welt, nämlich sein Charakter als US-Bürger, der im Ostblock als Chef eines Sonderkommandos für Recht und Ordnung sorgt. Eine höhere Instanz scheint es nicht zu geben, keiner hinterfragt sein oft brutales Durchgreifen. Daneben beschäftigt ihn der Tod seines Partners und seine deutlich jüngere Freundin kommt aufgrund der Arbeit immer zu kurz. So bleiben uns schon peinliche Gefühlsduseleien des Aikido-Moppels erspart. Insgesamt ist Bobby dem Zuschauer auf Anhieb sympathisch, nicht nur weil er einige kernige Onliner auf Lager hat. Er fackelt nicht lange, beleidigt gerne seine Gefangenen und es reicht einfach nicht aus einen Gegner mit nur einer Kugel zu durchlöchern. Auf diverse Unkorrektheiten muss man sich schon einlassen, nebst der gesunden Portion Machokino. Doch genauso mag man Seagal eben, anstatt ewiger Ermittlungen karrt man zu verschiedenen Orten verprügelt und erschießt ein paar Leute, oder lässt sich mit einem Gangster wie Dimitri ein. "Born to Raise Hell" kommt weder um Klischees, noch um das übliche Schema herum. Die Parteien sind von Anfang an klar abgesteckt und Costel will nicht nur groß ins Geschäft einsteigen, sondern ist auch von Hobby aus Sadist. Ein wenig mehr hat man sich mit Dimitri einfallen lassen, der nur auf den ersten Blick ein skrupelloser Klischeegangster ist. Dabei wird er dem Publikum zunehmend sympathischer, auch wenn er gerne mal jemanden foltert um an Informationen zu kommen.
Hinzu kommt Chartrand als guter Handwerker, der jedoch die erste Filmhälfte mit Stilmitteln etwas überfrachtet. Doch er kitzelt selbst aus dem sonst so drögen Ostblock einige schicke und stylische Bilder heraus. "Born to Raise Hell" spielt nicht nur in irgendwelchen Hinterhofkaschemmen, sondern es geht auch mal in hippe Clubs oder ein teures Hotel. Auch karrt man mit recht neuen Vehikel durch die Gegend, man hat hier sichtlich einige Millionen springen lassen. Mit Sachschäden hält man sich zwar eher bedeckt, doch dafür wird auf Animationen oder Stock Footage komplett verzichtet. An Action dürfte es ruhig ein wenig mehr sein, trotzdem ist die Mischung aus Prügeleien, Observationen und Shootouts recht gesund. Es wird nicht nur einfach plump und steif in der Gegend herumgeballert, sondern da ist richtig Bewegung drin, inklusive einiger grafischer Einschüsse. Natürlich ist Seagal auch körperlich ein wenig gefragt und darf in einigen Sequenzen hart durchgreifen. Da darf die rote Soße dem Gegner in Nahaufnahme und Zeitlupe aus dem Mund suppen und es werden Knochen gebrochen. Spektakulär sieht natürlich anders aus, aber Seagal ist meist sogar selbst am Drücker. Diverse Szenen mit dem Double kann man zwar erhaschen, doch man merkt ihm auch an, dass er mit Elan bei der Sache ist. Nur vom finalen Kampf Seagal gegen Shahlavi erhofft sich der Actionfan natürlich mehr. Darren Shahlavi (Ip Man 2, Bloodmoon) ist für die Rolle des Fieslings geboren und erledigt hier saubere Arbeit, insgesamt gibt es am Cast nichts zu meckern.
"Born to Raise Hell" mangelt es an richtigen Höhepunkten, auch auf eine vernünftige Story wurde nicht allzu viel wert gelegt. Doch Chartrand geht von Anfang bis Ende ein moderates Tempo, es schlagen keine Durststrecken negativ zu Buche, auch wenn ein bisschen mehr Action nicht geschadet hätte. Die vorhandenen Sequenzen zeichnen sich durch eine gewisse Härte und eine gute Inszenierung aus. Die eigentlich monotone Ostblock-Optik ist auf Hochglanz poliert und sogar stylisch, wobei diverse Stilmittel nicht hätten sein müssen. Doch man braucht vor "Born to Raise Hell" keine Berührungsängste zu haben, gravierende Mängel wusste man zu umgehen.