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Bud Spencer und Terence Hill geraten wider Willen in die Police Academy.
Das riecht geradezu nach Enzo Barboni, und so ist es auch: der Stamm-Regisseur durfte nicht nur wieder seine beiden Akteure in eine Verwechslungsklamotte hinein dirigieren, diesmal in Polizeiuniform; nein, er schrieb sogar das Drehbuch. Und da hat er ganze Arbeit geleistet.

Denn wenn es einen großen Trumpf von “Zwei außer Rand und Band” gibt, dann ist es der Plot. Allgemein gilt, dass Filme mit Beteiligung von Spencer und Hill nicht selten sehr fragmentarisch wirken, einzelne Episoden auffahren und Struktur vermissen lassen. Da wird mal eben hier und da eine Schlägerei angezettelt, ein kleines Kartenspielchen, ein Mittagessen oder eine Romanze, und das alles ohne erkennbaren Sinn. Letztendlich sind es natürlich genau diese Dinge, die Spencer/Hill-Filme so liebenswert machen, doch nimmt man alles prinzipiell Unnötige aus dem Film heraus, bleibt oft nur ein erbärmlich abgenagtes Storyfragment, das maximal zwanzig Minuten ausfüllen könnte.
Nicht so hier. Verblüffend zusammenhängend erzählt Barboni die Geschichte zweier Gauner (Terence Hill als Matt Kirby und Bud Spencer als Wilbur Walsh), die durch einen blöden Zufall in ein Bewerbungsgespräch für einen Job bei der Polizei geraten und prompt eingestellt werden. Wie schon in “Zwei bärenstarke Typen” sollte man zum Filmgenuß das Hirn ausschalten, denn die Aufnahme in den Polizeiberuf verläuft so problemfrei und locker-flockig, dass sich jeder Arbeitsuchende verarscht fühlen muss.

Dabei wird zu Beginn sogar auf einen schwierigen Arbeitsmarkt aufmerksam gemacht. Die Motivation der beiden Gauner ist nämlich die, sich etwas hinter die Kiemen schieben zu können. Bevor es also zum Diebesstreifzug kommt, wird am Hafen erst einmal brav nach Arbeit gefragt. Das geschieht übrigens nach dem selben Schema wie die Anfangssequenz von “Vier Fäuste für ein Halleluja”: nacheinander werden die bösen Vorarbeiter für ihre Arroganz bestraft, erst durch Spencer, dann durch Hill.
Eine typische Einleitung ins Geschehen. Untypisch dagegen ist die weitere Verarbeitung dieser Einleitung, denn einzelne Personen, die hier auftauchen - die Vorarbeiter und ein Chinese - werden für den weiteren Handlungsverlauf noch eine Rolle spielen. Im angesprochenen “Vier Fäuste für ein Halleluja” war das keineswegs der Fall; spätestens nach dem Elternbesuch konnte man den Anfang abhaken und sich auf das weitere Geschehen konzentrieren. Der Regisseur leistet also ganze Arbeit in dem Vorhaben, das Geschehen zusammenzuhalten.

Mit dem Eintritt in den Polizeiberuf fühlt man sich unweigerlich an die Blödelreihe “Police Academy” erinnert. Zwar fehlen neben den beiden Hauptdarstellern die bunten Gesichter, doch diese beiden benehmen sich wie immer so extravagant, dass man sie durchaus neben Steve Guttenberg, Bubba Smith & Co. einordnen könnte. Zusätzlich verstärkt der eigenwillige Police Officer (welcher meines Wissens vom selben Schauspieler gespielt wird, der auch den CIA-Boss in “Zwei bärenstarke Typen” mimte) mit seinem Mischverhalten aus Lassard und Mouser den Eindruck, man habe eine Police Academy-Folge vor sich (die zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht existierte).

Nach der fertigen Ausbildung, in deren Verlauf Hill zum Lieblings- und Spencer zum Sorgenkind des Polizeichefs wird, verdicken sich im Laufe der Ermittlungen die Verstrickungen, und die beiden Neu-Cops tauchen mit ihrer sorglosen Art immer tiefer in die Geschehnisse ein. Die Darstellungsmittel bleiben im Wesentlichen die alten. Da wären erstens die Prügeleien, die man diesmal wirklich en masse bewundern darf, und das sogar meist hochklassig. Spencer muss zwar erst ein wenig auftauen, ist aber spätestens nach der dritten Klopperei in Hochform, und Hill verteilt von Beginn an mit Leidenschaft blaue Bohnen. Erwähnenswert ist vor allem die Kreativität und sogar ein gewisser dramaturgischer Aufbau, da die Prügeleien von mal zu mal ausfallender und aufwändiger werden. Dabei wird die Latte von Beginn an hoch gelegt, in dem erst ein Auto mit dem Hammer bearbeitet wird und dann ein zweites mit dem Gabelstapler darübergelegt wird. Zwischendurch spielt Spencer einen Taubstummen und Hill einen Krückenträger, dann gibt es eine Football-Schlägerei und schließlich werden sämtliche Gebrauchsgegenstände einer Bowlingbahn verwendet, um einen ganzen Haufen von Kriminellen aufzumischen.
Dementsprechend bunt sind die Gegenspieler, die wirklich Eindruck hinterlassen. Neben dem Standard-Bösewicht, der schon seit den Western den Boxsack von Spencer und Hill mimt, ist gerade der Football-Indianer herauszuheben.

Die eigentlich herausragende Szene gebürt allerdings einem Vierer-Rendezvous mit zwei Bondschen Femmes Fatales, die die beiden Schnüffler aus dem Spiel bringen wollen. Endlich darf auch Spencer mal den Charmebolzen markieren, was bislang immer Hill vorbehalten war. Und als wäre das noch nicht genug, wird die Frauengeschichte auch noch mit der allseits beliebten Fressorgie kombiniert - eine Mixtur, die es zum Highlight des Films schafft. Nicht zuletzt ist das auch dem “Pinguin”, also dem Ober zu verdanken, der in den Privatgemächern der reichen Russin den Franzosen raushängen lässt und aufs höchste snobistisch einen Kontrapunkt zu den ordinären Teilzeitcops darstellt, die ihrem Date auch mal ins Gesicht rülpsen, dass die Haare nur so fliegen. Bemerkenswert ist zunächst die Ähnlichkeit zu “Dinner for One”, als der Ober, der keinen Alkohol verträgt, dazu gezwungen wird, mitzutrinken; dann wiederum fühlt man sich an “Asterix erobert Rom” erinnert, als der Ober in schneller Schnittfolge eine Mahlzeit nach der anderen in den Speiseraum transportiert.

Bei all dem Spaß, den die verrückten Szenen und die kluge Story machen, fehlt zu den ganz großen Filmen des Duos meiner Einschätzung nach jedoch ein wichtiges Element: die Atmosphäre. Wir bewegen uns hier einmal mehr in der Spencer/Hill-Lieblingsstadt Miami, von der man jedoch bevorzugt kleinere Gassen und Räume oder den Hafen sieht, im Gegensatz etwa zu “Zwei bärenstarke Typen”, wo wir auch mal den Strand zu Gesicht bekamen und die wunderschöne Gebäudepassage davor. Andere Filme boten wahlweise Landschaftsaufnahmen von exotischen Schauplätzen wie Südamerika oder Afrika oder atmosphärisch-dreckige Sets von staubigen Wüstenstädten. Das Setting in “Zwei außer Rand und Band” jedoch ist diesmal kein richtiger eigenständiger Akteur, so wie man es sonst gewöhnt ist. Zusätzlich ist zwar die Filmmusik ganz nett, kommt aber nicht ganz an Klassiker wie “Flying Through the Air” heran. So bleibt das Flair etwas zu bodenständig.

Fazit: “Zwei außer Rand und Band” bietet eine überdurchschnittlich durchdachte Story, eine insgesamt gute Regiearbeit von Enzo Barboni, sehr gute Prügeleien, viel Wortwitz und zwei Hauptdarsteller, die sich nach kurzer Eingewöhnungszeit in ihrer Polizeiuniform sichtlich wohl fühlen. Was mir persönlich fehlt, ist das gewisse Etwas, das gerade von Filmen wie “Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle” ausging. Atmosphärisch kann er also nicht ganz mit anderen Werken mithalten. Die zahlreichen Vorzüge reichen dennoch zu einer 7/10.

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