Review

Im Nachtprogramm entdeckt und die Gelegenheit genutzt...
...oder doch Zeit vergeudet?

An so etwas Kurioses wie dieses TV-Musical-Special zu Carlo Collodis Kinderbuchklassiker heranzukommen, ist schon etwas wert und angesichts der Anwesenheit des großen Komödianten Danny Kaye müßte sich die Zeitinvestition doch lohnen, aber im Anschluß bleibt man dann doch etwas konsterniert zurück, daß so etwas im US-TV ein Jahr vor "Star Wars" noch möglich war.
Wer einen TV-Film erwartet, möglicherweise mit mäßigen Tricks, wird verwundert mit den Augen rollen, denn es handelt sich um eine komplett abgefilmte TV-Studio-Show in mehr als deutlich erkennbaren Studiokulissen, die den Charme einer Peter-Frankenfeld-Produktion aus den 70ern verbreiten. Alles ist sehr Pappmaché, sehr einfach und übersichtlich gehalten und die relative Live-Aufnahme verhindert eben auch inszenatorische Großtaten.
Man stelle sich das in etwa vor wie die "Scrooge"-TV-Produktion in "Die Geister, die ich rief", nur eben in enorm billig, jedoch einigermaßen mit Hingabe gespielt, was das Budget angeht.

Kaye hat offensichtlich Spaß als Gepetto (auch wenn er deutlich in die Jahre gekommen ist) und Sandy Duncan ist mit ihrem niedlichen Charme die logische Wahl für die naive Holzpuppe (das Casting von Mädchen in diesen Jungsrollen wie auch bei "Peter Pan" hat ja Tradition) - und schafft es in den Tanzszenen auch die nötige Leichtigkeit aufblitzen zu lassn. Duncan war ein Jungstar-Bühnenidol der frühen 70er und war hier schon auf dem absteigenden Ast, was ihre landesweite Popularität anging, rettet sich aber mit Kaye und den übrigen Darstellern (allen voran Clive Revill als bösartiger Kutscher) eigentlich noch durchs Ziel.

Was jedoch nicht funktioniert, sind die suppigen Heile-Welt-Songs, die zwar halbwegs ins Deutsche übertragen wurden, aber dennoch eher nach dem Reim-dich-oder-ich-freß-dich-Prinzip funktionieren sollen. Da man wenig Fläche zum Bespielen hatte, wurde alle drei Minuten in diesem Dreiakter ein Song eingeschoben, doch die Musik ist wenig inspirierend und stellt den Zuschauer jenseits des sechsten Lebensjahres doch eher auf eine enorme Geduldsprobe. Dazu ist die Story wenig spektakulär, mit Fuchs und Katze wähnt man sich eine Weile wie in der Muppetshow, die Vergnügungsinsel ist geradezu enorm unspektakulär und die Sequenz im Wal wird mit "Meeresaufnahmen" aus einem Aquarium mittels der billigsten Tricks eingeführt, die seit der Sesamstrasse zu haben waren.
Wie überhaupt das meiste Märchenhafte hier keinen Platz findet, es gibt nicht einmal einen Auftritt der Fee, ein Windstoß durchs Fenster mit einem groben Nahaufnahmenschnitt und schon schlägt die Puppe die Augen auf.
Die Maske ist ebenso unauffällig, wer nur mit anderthalb Augen zusieht (und das wird man nach einer Dreiviertelstunde ganz sicher), kann kaum Unterschiede zwischen der Holz- und der Mensch-Sandy feststellen, allein die wachsende Nase ist ganz ordentlich gestaltet worden. Aber man konnte ja auch nicht durch zuviel Aufwand den Bewegungsradius seines Jungstars begrenzen, der so elastisch wie Gummi wirkt, als er noch aus brennbarem Material besteht.

Unsympathisch ist die Produktion damit also nicht, sondern einzig und allein grobschlächtig und hoffnungslos veraltet, man hat schon 15 Jahre vorher aufwändigere und einfallsreichere TV-Kulissen gesehen und die märchenhafte Künstlichkeit großer MGM-Musicals (die ebenfalls zumeist komplette Studioaufnahmen waren) erreicht man hier in keiner Szenen.
Kleinen Kindern könnte das noch gefallen, ansonsten muß man das Naiv-Ventil schon bis zum Anschlag aufdrehen, um nicht bei den Liedern vorzuspulen. (3/10)

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