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Sportfilme leiden grundsätzlich unter einer gewissen Berechenbarkeit - nach diversen Rückschlägen, die oft den Zustand der Hoffnungslosigkeit herstellen, gelingt es dem Helden zum Schluss, gegen jede Erwartung, den Sieg noch davon zu tragen. "Männer im Wasser" bleibt diesem Muster durchaus treu, kann aber dank seiner Eigenheiten Sympathiepunkte sammeln.

Das beginnt schon bei der Hauptfigur, dem arbeitslosen, von einer erfolgreichen Frau geschiedenen Mittvierziger Fredrik (Jonas Inde), dessen Kontakt zu seiner 16jährigen Tochter Sara (Amanda Davin) gestört wirkt. Prinzipiell eine klassische Verliererfigur, aber "Männer im Wasser" will keine gesellschaftskritische Sozialstudie vor dem Betrachter ausbreiten, sondern eine kleine, nur im Detail merkwürdige Geschichte aus dem schwedischen Alltag erzählen. Klar, Fredrik lässt sich zu Hause etwas gehen, aber er hat gute Freunde, mit denen er seit vielen Jahren Unihockey spielt, und verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein, was sich auch in seinen Protesten zeigt, als er und seine Freunde keine Trainingsmöglichkeiten mehr in der Eishalle der Stadt erhalten, weil Frauen- und Jugendmannschaften den alten Herren vorgezogen werden.

Als ihm seine Ex-Frau offeriert, dass er die gemeinsame Tochter ein paar Monate lang bei sich unterbringen soll, weil sie sich erst bei ihrem neuen Job in London einarbeiten muss, bevor sie sie nachholen kann, wirkt Fredrik, der sich inzwischen an sein Junggesellendasein gewöhnt hat, wenig begeistert. Erst als seine Ex ihm für diese Phase finanzielle Zusagen macht, willigt er ein. Wer nun schon ahnt, dass sich die Tochter-Vater Beziehung nach anfänglichen Hürden in die positive Richtung entwickelt - kleiner Rückschlag selbstverständlich inclusive - liegt schon wieder richtig, aber das erzählt der Film so lässig, dass er auch dem eigentlichen Clou der Story damit die Skurrilitätsspitze nimmt.

Eigentlich sollte es nur ein großer Gag sein, den Fredrik und seine Freunde für eine Hochzeitsfeier vorbereitet hatten. Sie waren in einem selbst gedrehten Film als männliche "Synchronschwimmer" in neckischen Kostümen aufgetreten. Der große Lacherfolg veranlasste darauf hin eine Dame, sie zu einer großen Feier als Programmpunkt einzuladen, natürlich gegen ordentliche Bezahlung. Doch anstatt auf der Witzschiene weiter zu machen, packt Fredrik, der noch sauer ist, dass man ihn nicht mehr Eishockey spielen lässt, der Ehrgeiz. Er stellt dank seiner Tochter fest, dass "Synchronschwimmen" ursprünglich ein reiner Männersport war, und beginnt mit seinen Freunden ernsthaft, aber dilettantisch zu trainieren. Mit dem entsprechenden Ergebnis - sie fallen bei der Veranstaltung komplett durch.

An dieser Stelle kommt Fredriks Tochter Sarah wieder ins Spiel, die schon lange als Synchronschwimmerin aktiv ist, allerdings ohne Aussicht auf einen überragenden Erfolg in dieser bei den Frauen sehr anspruchsvollen olympischen Sportart. Stattdessen übernimmt sie nach einigem Hin und Her das Training der Männergruppe, die an den Synchronschwimm - Weltmeisterschaften für Männer in Berlin teilnehmen wollen.

Genauso wie "Männer im Wasser" aus den privaten Querelen Fredriks keine große Sache macht, verzichtet er auch bei den schwimmenden Männern auf übertriebene Zoten. Im Gegenteil bleibt er bei diesem Amateursport ganz realistisch, konfrontiert die Ausübenden mit den Vorurteilen ihrer Umgebung und spart auch das Thema Homosexualität nicht aus. Dank des nur sehr kleinen Kreises, der sich für ihre Sportart interessiert, fehlen auch sämtliche heroische Aspekte, so wie es in einem solchen Umfeld - trotz aller sportbürokratischen Hürden - noch möglich ist, sich eine eigene Linie zu bewahren.

Wirklich überraschend ist "Männer im Wasser" nicht, der auch filmtechnisch konventionell bleibt, aber er unterscheidet sich von typischen Sportfilmen nicht nur durch die ungewöhnliche Sportart, sondern auch durch seine Unaufgeregtheit, mit der er sich den klassischen Klischees widmet. Das hinterlässt insgesamt einen sympathischen Eindruck (6/10).

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