Ein Film wie eine Reihe von Gemälden – das ist das Werk von Sam Mendes im Falle von „Road to Perdition“, eine klassische Gangster-Rache-Geschichte voller Poesie im Zeitalter der Depression Amerikas irgendwo in den 30er Jahren.
Was an der simplen, gar nicht mal besonders kompliziert geplotteten Story auffällt, ist die wunderschöne Inszenierung, die schon an Komposition grenzt. Der Film gewinnt durch seine weitläufigen, poetischen und gleichzeitig kargen Bilder einen ganz besonderen Reiz, ein unglaubliches Spätwerk des kurz nach der Produktion gestorbenen und posthum mi dem Oscar ausgezeichneten Conrad Hall.
Wer nach „American Beauty“ allerdings erneut den inhaltlichen Biß erwartet hat, der das Erstlingswerk auszeichnete, muß leicht enttäuscht sein, denn „Road“ ist erzählerisch klassisch bis ins Mark. Man könnte es abgedroschen nennen.
So steht dem Filmerlebnis auch zum größten Teil der Star-Appeal von Hauptdarsteller Tom Hanks im Weg, der hier so karg und zurückgezogen agiert, das man ständig auf mehr wartet, der sich aber der Produktion unterordnet.
Der Film kommt sonst mit einer Handvoll namhafter Rollen aus: Vater (Hanks) und Sohn auf der Flucht vor ihrem ehemaligem Arbeitgeber (ein rüstiger Paul Newman als Paten-Variante), dessen eigener psychopathischer Sohn Mutter und Bruder ermorden ließ. Ein Auftragskiller wird zusätzlich engagiert (Law), der sich mit seinen eigenen Opfern finanziert, indem er die Photos vom Tatort an die Zeitungen verkauft.
In ruhigen Bildern entwickelt der Film seine fatale Geschichte von familiären Bindungen: der Gangsterboß, der seinem Handlanger väterlicher verbunden ist, als seinem eigenen Sohn und der dennoch den Mord an Hanks Frau deckt, weil es eben sein eigen Fleisch und Blut ist. Hanks wiederum steht zu seinem Sohn, wohl wissend, daß er seine Vendetta nicht überleben wird und geht den Weg bis zur letzten Konsequenz durch.
Das Fehlen sämtlicher reißerischen Elemente macht den an sich ruhigen Film, bei dem wirklich jede Szene eine Bedeutung hat, niemals langweilig, sondern lassen ihn in seiner visuellen Ödheit (es herrschen hauptsächlich graue, braune und ausgewaschene Töne) voll aufblühen.
Mag auch nur der Showdown im strömenden Regen in die Filmgeschichte eingehen (die Szene kommt ohne Ton aus), gibt es dennoch ausreichend Szenen mit hohem Erinnerungswert, vor allem wenn Jude Law auftritt. Sein geradezu manisch aktiver Killer (der auch mit dem Töten fürs Motiv schon mal nachhilft) ist ein echter Szene-Stealer, wann immer er auftaucht.
Vor allem der finale Shootout in einem Strandhaus ist wunderbar in Szene gesetzt, ein Gemälde aus Raum, Weite und Licht.
Bei all der Sorgfalt sollte nicht unter den Tisch fallen, daß der Film recht brutal zur Sache geht und es Tote nur so hagelt, auch wenn nicht zentral gesplattert wird, geht es hier mit extremer Kaltblütigkeit zur Sache, was auch Freunde härterer Gangarten beeindrucken wird.
So gerät Mendes Film zu einer Sinfonie des Mobs, gefühlvoll, majestätisch und hart zugleich.
Daß das nicht stärker honoriert wurde, ist eigentlich unverständlich. (9/10)