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Als Roy in einer Fernsehdokumentation einen Bericht über einen Konflikt in Afrika sieht, stellt er seinen Vater zur Rede. Dieser nämlich ist ein skrupelloser Waffenhändler der vor nichts zurückschreckt, Hauptsache die Bezahlung stimmt. Der Vater ist ob so viel moralischem Gebaren entrüstet und verstößt seinen Sohn. Gemeinsam mit seiner Schwester Linda (deren Beziehung zueinander weit über das natürliche Bruder/Schwester-Verhältnis hinausgeht) und José, einem Freund der Familie, gründen sie die „Piraten der Gerechtigkeit“. In bester „Uhrwerk Orange“-Verkleidung überfallen sie Kerle die gegen in Ihren Augen kriminell handeln. Dabei wird mitunter auch deren Begleiterin vergewaltigt. Natürlich geht das nicht lange gut und neben der Polizei ist den dreien nach einem Kokaindiebstahl auch der Drogenboss Don Tarantino (einen Zufall bei der Namenswahl kann man ausschließen) auf den Fersen.

Für die Inszenierung hat Castallari mächtig in die filmische Trickkiste gegriffen: Schwarz/Weiß-Bilder, Zoom, Verwischeffekte und bei den zahlreichen Schlägereien wackelt die Kamera bei jedem deftigeren Faustschlag. Castellaris typische Zeitlupen-Szenen aus vergangenen Zeiten sind dagegen selten. Dafür sind die Schießereien ausnahmslos blutig. Auf CGI-Blut wird großteils verzichtet, in einer Szene wurde der berüchtigte Effekt Blutspritzer-auf-das-Kamerabild angewandt, der Computereffekt ist dabei allerdings ziemlich in die Hose gegangen, dass also meist Theaterblut verwendet wird war eine vernünftige Entscheidung.
“Caribbean Basterds“ ist nicht nur storytechnisch sehr trashig, das fängt schon bei der bedenklich inzestuösen Beziehung von Roy und Linda an, geht über die teilweise amateurhaft wirkende Inszenierung von Faust- und Schusskämpfen - schauspielerische Meisterleistungen sucht man natürlich vergebens.
Allerdings ist es wiederum auch guter und kurzweiliger Trash.
Ganz klar hat Castellari in seinem Oeuvre einige Klassiker denen "Caribbean Basterd" bei weitem nicht das Wasser reichen kann. Trotzdem ist der Film durchaus ein sehr unterhaltsames Vergnügen. Und wirklich so ernst nehmen, als dass man "Caribbean Basterds" für alle seine Unzulänglichkeiten abstrafen müsste, sollte man ihn nun auch wieder nicht.
Und immerhin wird Enzo Castellari höchstselbst bei seinem Gastauftritt mächtig verdroschen und nicht zuletzt ziehen einige hübsche Frauen blank.

Wer offen ist für Trash, oder natürlich ein Fan von Castellari ist, sollte diesem Film eine Chance geben. Alle auf denen diese Geschmacksvorlieben nicht zutreffen, werden wohl wenig mit „Caribbean Basterds“ anzufangen wissen.

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