Review

Ende der 80er/Anfang der 90er gab es eine Anzahl von Cruise-Vehikeln, die alle nach ähnlichem Schema abliefen: Der Held ist brillant in einer Disziplin, aber ein Schnösel, hat meist einen Mentor und muss erst seine Fehler erkennen, um zu bestehen.
Auch „Cocktail“ passt in dieses Schema, wobei Hauptfigur Brian Flanagan (Tom Cruise) nach Beendigung seines Militärdienstes an der Wall Street anfangen will. Leider geht das ohne Studium nicht, wie er nach diversen Vorstellungsgesprächen lernt. Doch darin zeigt sich schon die nötige Arroganz, damit der Held im Film auch mehrmals in Straucheln kommt, siehe auch die ähnlich gelagerten Werke (z.B. „Tage des Donners“ oder „Die Farbe des Geldes“). Gleichzeitig hat dies aber auch den drehbuchtechnischen Vorteil Brian an die Uni und auf die Suche nach einem Nebenjob zu schicken.
Da Brian schon Ausschankerfahrung hat, offeriert ihm – Auftritt Mentor – Barkeeper Douglas ’Doug’ Coughlin (Bryan Brown) einen Job. Die beiden steigen auf und werden in ihrem Job erfolgreich, doch ihre Freundschaft wird auf harte Proben gestellt...

Im Vergleich zu den ähnlich gelagerten Cruise-Vehikeln hat „Cocktail“ den Nachteil, dass die Tätigkeit des Barkeepers kein allzu aufregender Sport ist und kaum Schauwerte bietet. Doch Regisseur Roger Donaldson macht noch das Beste daraus, lässt die beiden Barmixer eine Schau abziehen und inszeniert das Mixen von Cocktails auch optisch so stilvoll wie möglich. Im Hintergrund sind stets schicke Szenebars oder gleich der Strand einer idyllischen Karibikinsel, denn die New Yorker Bar, in der alles anfängt, gäbe ja eher wenig her.
Auf der Drehbuchseite hapert es bei „Cocktail“ aber gewaltig. Der Film weiß ebenso wenig wie seine Hauptfigur, wohin er eigentlich will: Bald schmeißt Brian das Studium und will als Barkeeper Karriere machen, der große Streit zwischen den Freunden ist vom Script arg konstruiert. Den Rest des Films über entwickeln sich kleine Dramen, beide kitten die Freundschaft so langsam, der eine hat sehr schwere Probleme mit der Karriere, der andere weniger schwere, dafür mit Karriere und Frauen.
Das Ganze ist dann herzlich belanglos und plätschert so vor sich hin, Dramatik bietet „Cocktail“ dabei selten, denn kaum ein Konflikt wird sorgfältig aufgebaut oder darf sich entfalten. Ein Streit mit der Angebeteten hier, eine ungewollte Schwangerschaft dabei, aber alles nur Probleme, die sich in wenigen Filmminuten lösen lassen, während der Hauptplot (Brian will groß hinaus) fast direkt in den Hintergrund tritt, auch wenn das Ende diesen auflöst.

Dabei ist es jedoch überraschend, wie zackig „Cocktail“ trotz aller Belanglosigkeit runtergeht und das verdankt der Film größtenteils Roger Donaldson. Der Mann ist kein visionärer Regisseur, aber ein guter Handwerker und bebildert das Barkeeperleben flott. Neon-grelle Atmosphäre, nie wird so lange an einem Ort verweilt, dass es wirklich langweilig würde, wenngleich ein wirklich spannender Film anders aussieht.
Tom Cruise zieht dabei dann auch die übliche Routine als junger Wilder ab, von seinen Leistungen in späteren Filmen ist er noch entfernt, aber er ist ganz OK in seiner damaligen Paraderolle. Bryan Brown als alter Hase ist echt eine Freude und liefert sicherlich die beste Performance ab. Daneben gehen die weiblichen Darstellerinnen, u.a. Elisabeth Shue, Kelly Lynch und Gina Gershon, etwas unter, wenngleich sie alle ganz ordentlich spielen.

„Cocktail“ ist eine hübsch gemachte Belanglosigkeit: Donaldsons Inszenierung sorgt für einige Kurzweil, das Script hingegen bietet keine auch nur irgendwie packende Story. Gerade noch Mittelmaß, das man nach Sichtung schnell wieder vergisst, aber immerhin einen gewissen Unterhaltungswert hat.

Details
Ähnliche Filme