„Let´s do the Yuppie, Yuppie Shake!"
Tom Cruise konnte auch mal machen war er wollte, die Massen strömten ins Kino. Bestes Beispiel: das wilde Potpourri „Cocktail" (1988). Hier hat man so ziemlich alles in den Shaker geworfen, was irgendwie erfolgsversprechend schien und dennoch das achtfache der aufgewendeten Kosten erwirtschaftet.
Die Grundzutat ist dabei eine klassische Romanze, wie sie Teenager in den 80er gerne sahen. Also von der Sorte, in der ein cooler Sunnyboy ein etwas schüchternes Mädchen von seinen inneren Werten überzeugt. Im mittleren Akt gibt es den obligatorischen Twist, der sich dann kurz vor Schluss in völligem Wohlgefallen auflöst. Doch damit nicht genug.
In Anlehnung an Cruise Supererfolg „Top Gun" (1986) musste es unbedingt ein wenig mehr an Exaltiertheit sein. So darf der flotte Tom erneut den breit grinsenden Showman mit eingebauter Flirtgarantie geben. Dazu tauscht er einfach das F14-Cockpit gegen einen New Yorker Tresen und wird als Gläser jonglierender und flapsige Sprüche klopfender Rock-Barkeeper zu einer lokalen Sensation.
Zugleich ist besagter Brian Flanagan aber nicht dumm und studiert des nächtens Wirtschaftswissenschaften. Ganz der geschäftstüchtige Yuppie träumt er von einem eigenen Etablissement, das nötige Kleingeld will er sich in Jamaika zusammen mixen. Dort trifft er dann die brave, bodenständige Jordan Mooney (Elisabeth Shue) und der Blitz schlägt ein. Es könnte alle so schön sein, aber Brian kreiert nicht nur Versuchungen, er erliegt ihnen auch mal ganz gern.
„Cocktail" ist ungeachtet seines kalkulierten Star-Vehikel-Charakters kein total-Ausfall, aber auch kein Ruhmesblatt in Cruises Vita. Trotz der süßen Elizabeth Shue plätschert die Romanze meist nur vor sich hin. Die verschiedenen Handlungsebenen und angerissenen Themen finden nie so recht zueinander. Der Film kann sich einfach nicht zwischen hipper Cocktail-Szene, romantischer Liebelei und zarter Yuppie-Kritik entscheiden.
Er will den American Dream, den in den 80ern v.a. monetären Pursuit of Happiness sowie die hedonistische Spaßkultur der Dekade gleichzeitig verhandeln. Obwohl man all diesen Dingen prinzipiell positiv gegenüber steht, soll durch den hin und wieder erhobenen moralischen Zeigefinger etwas mehr Tiefe in die luftige Party kommen. Diese Unausgewogenheit zeigt sich besonders an der Figur des Doug Coughlin (Bryan Brown) - Brians Barkeeper-Mentor und bester Freund - für den das Skript die mit Abstand dramatischste Szene bereit hält, die aber eben leider so gar nicht zum oberflächlichen Grundton passt.
Interessant ist der Film letztlich vor allem als Zeitdokument und zwar sowohl der bevorzugten Sehgewohnheiten wie auch der gesellschaftlichen Befindlichkeiten der späten 1980er Jahre. Man kann ihn natürlich auch als nette Abendunterhaltung konsumieren, wobei gewisse Sympathien für Tom Cruise, die Beach Boys und flüchtige Urlaubsbekanntschaften nicht schaden dürften. An besten man trinkt den ein oder/und andern von Profis gemixten Cocktail dazu, dann fallen zwischenzeitlicher Leerlauf und inhaltliche Ungereimtheiten gar nicht mehr so ins Gewicht. Und Toms Grinsen war zumindest damals noch recht ansteckend.