Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin! So oder ähnlich könnte man treffenderweise die jüngste Tom Clancy-Verfilmung „THE SUM OF ALL FEARS – DER ANSCHLAG“ in einem Satz bezeichnen.
Obwohl die Zutaten prinzipiell vom Besten sind, liefert das Resultat letztendlich doch einen faden Nachgeschmack. Ben Affleck schlüpft nach Alec Baldwin und Harrison Ford in die Rolle des CIA-Agenten Jack Ryan und rettet die Welt vor dem Hintergrund des kalten Krieges zwischen den USA und Russland. Ein wahnsinniger Terrorist hetzt mit einer verschollen geglaubten Atombombe die beiden Supermächte gegeneinander auf und trifft die Amerikaner mitten ins Herz: Während eines Football-Spiels in Baltimore kommt es zum folgenschweren Anschlag!
Dass an dieser Stelle zwangsläufig Erinnerungen an den 11.09.2001 wach werden ist logisch, allerdings vermag dieses Ereignis im Film emotional kaum zu erschüttern. Zu abstrakt agieren Führungsstäbe der beiden Nationen und lassen die Bevölkerung total unberührt, ja man wagt sogar zu glauben, dass das Volk von dem bevorstehenden 3. Weltkrieg überhaupt nichts mitbekommt! Seltsam, konzentriert sich die Handlung doch im Wesentlichen auf die Entscheidungen im Pentagon. Opfer werden nicht bekannt. Gab es überhaupt welche? - Schließlich wird über radioaktive Strahlung kein Hinweis verloren und auch Ryan ist es möglich, in unmittelbarer Nähe des Stadions mit dem Auto durch die Gegend zu fahren!
Ein weiterer Schwachpunkt der Geschichte liegt im Personenkreis der Terroristen. Die Beweggründe der Gruppe Neonazis werden kaum differenziert betrachtet, obwohl diese die Auslöser der Kriegsspielchen der beiden Großmächte sind.
Immerhin verzichtet der Film auf der anderen Seite auf amerikanischen Patriotismus, wie er in anderen Filmen nur allzu gerne propagandiert wird. Auch die hervorragende Besetzung (allen voran Ben Affleck, James Cromwell als amerikanischer Präsident, Morgan Freeman und die bezaubernde Bridget Moynahan) können vollends überzeugen und überspielen gekonnt kleinere Längen in der Storyline, so dass der Streifen trotz seiner zweistündigen Spieldauer nicht langweilig wird. Besonders hervorzuheben wäre an dieser Stelle noch der Score von Jerry Goldsmith, der die Dramaturgie gekonnt untermalt.
Alles in allem jedoch aufgrund der inhaltlichen Schwächen leider die schwächste der Jack Ryan-Geschichten, aber für alle Freunde der anspruchsvollen Action-Unterhaltung immer noch ein überdurchschnittlicher Spionage-Genuß.
(6,5 /10)