Als DER ANSCHLAG in den Kinos anlief, war das WTC-Grauen noch tief im Knochenmark der Amerikaner und die Hatz auf Terroristen weltweit hatte gerade erst begonnen. Doch auch ohne den realistischen historischen Background hat der vorliegende Polit-Thriller ein mitreißendes Potential.
Mainstreamig dramatisch verpackt, präsentiert sich Charming Boy Ben Affleck als smart sympathischer CIA-Analytiker Ryan, der in ein Szenario stürzt, bei dem es auch dem Zuschauer mulmig in der Magengrube wird.
Handwerklich kann man an dem Streifen nichts aussetzen. Die Dramatik ist gut dosiert und wohl platziert. Die wenigen Actionsequenzen kommen glaubhaft herüber, und der Anschlag selbst wird glücklicherweise nicht bombastisch bebildert ausgemalt und wirkt somit noch authentischer. Freeman spielt gekonnt routiniert und verleiht dem Film eine souveräne Präsenz. Andere Charaktere bleiben sehr oberflächlich und dienen meist als emotionale „Abziehbilder“ innerhalb der glatten Brisanz-Story.
Der Kinokassen-füllende Unterhaltungswert von DER ANSCHLAG ist ebenso groß wie seine merklichen Logiklöcher und sein wahres Füllhorn an unglaubwürdigen Unwahrscheinlichkeiten. So hält der Thriller einer analytischen Untersuchung kaum Stand, aber punktet sahnemäßig auf dem Entertainment-Sektor. Es entfaltet sich im Laufe der 110 Minuten ein Popcorn-Burner, der mehr auch nicht sein möchte als ein purer Unterhaltungsfilm aus Hollywood.
Fazit:Old-School-Polithriller, der von der Inszenierungsweise deutlich über dem Durchschnitt anzusiedeln ist.