Die Verfilmung des Tom Clancy-Bestsellers "The Sum of all Fears" um CIA-Agent Jack Ryan behandelt eine durchaus interessante Grundidee: Eine terroristische Organisation hetzt durch einen infamen Anschlag zwei Großmächte so gegeneinander auf, dass sie kurz davor stehen, sich atomar zu bekriegen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts nun nicht gerade das brisanteste globale Problem, aber dennoch ein in Anbetracht der hier durchleuchteten Möglichkeiten, die zu solch einer Situation führen könnten, ein nicht undenkbares Szenario.
Gegenüber dem Roman, in dem islamistische Fanatiker das Attentat begehen, hat man hier nun aber einen europäischen, neo-faschistischen Terrorring als Übeltäter gewählt. Warum, bleibt absolut unverständlich, denn die ursprünglichen Drahtzieher des Clancy-Romans stellen heutzutage, Anfang des neuen Jahrtausends, zweifellos die viel realistischere Bedrohung dar. Des Weiteren wird es zum Ende hin nach dem Nuklearanschlag etwas abstrus: Radioaktiv verseucht scheint nämlich nur wenig zu sein; so ist es dann auch kein Problem, wenn Jack Ryan anschließend noch munter in der Nähe des unmittelbaren Einschlagsradius ohne Schutzanzug oder sonstigem mit dem Auto durch die Gegend fährt - nun ja...
Zwar wird der Regierungsstab durch sein unbeholfenes Verhalten in wirklich prekären Lagen hier durchaus kritisiert, allerdings erscheint es gleichzeitig ungewollt paradox, aber authentisch, wenn der Narr, der selber auf einem Haufen von höchst gefährlichen Waffen sitzt, einen anderen anklagt, dieser besitze zu viele und stelle eine Gefahr dar. Unbewusst legt der Film auch die amerikanische Mentalität des Rachestiers, sofort beinahe ohne nachzudenken, einen Gegenschlag zu planen und damit den Weltfrieden fahrlässig aufs Spiel zu setzen, offen. Das dürfte uns doch in Anbetracht der Reaktion Präsident Bushs nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 bekannt vorkommen. Immerhin hält man sich glücklicherweise mit Patriotismus zurück und fokussiert sich mehr auf eine politische Lösung des Problems, auch wenn die amerikanische Politik hier der falschen Fährte folgt und dadurch den Falschen tadelt. Somit ist und bleibt "Der Anschlag" aber trotzdem, entgegen seiner Darstellung im Trailer, ohne Zweifel mehr Politthriller als Actioner.
Trotz aller Kritik bleibt jedoch auch noch etwas hervorzuheben. So kommt die Detonation beispielsweise ganz plötzlich aus dem Nichts und trifft den Zuschauer völlig unvorbereitet. Schauspielerisch können die Nebendarsteller wie Morgan Freeman, Liev Schreiber oder James Cromwell ebenfalls überzeugen, während es Ben Affleck nicht so recht gelingt, zufrieden stellend in die Rolle des Jack Ryan hineinzuschlüpfen. Gerade charakterlich passt er hier als naiver Schönling und idealer Sohn für Schwiegermütter nicht zur Figur des Roman-CIA-Agenten.
"Der Anschlag" ist ein durchwachsener Politthriller mit einer durchaus interessanten Grundidee, die letztendlich aber zu ermüdend umgesetzt wurde. Schade, denn so ist man mit den drei vorangegangenen Verfilmungen von Tom Clancy-Romanen weitaus besser bedient.