Was für ein Film! Hatte ich nach einigen Unkenrufen aus meinen Freundeskreis schon gedacht, ich müßte mich bei diesem Film langweilen, war ich doch von "One Hour Photo" sehr positiv überrascht.
Robin Williams holt aus seiner Rolle als einsamer und leicht psychopathischer Foto-Entwickler alles heraus und kann vollständig überzeugen - das hätte vorher (nach seinen komödiantischen Rollen wie in "Flubber") wohl niemand gedacht.
Er spielt Sy Parrish, einen einsamen, freundlichen und perfektionistischen Foto-Entwickler in einer Supermarkt-Kette. Doch hinter der perfekten Fassade versteckt sich ein Psychopath, der sich gezwungen sieht zu handeln, als er anhand von Fotos sieht, wie sich das Familienglück von einer Stammkundin von ihm langsam aufzulösen beginnt...
Kreischend helle Bilder von einem keimfreien Supermarkt und Bilder einer durchgestylten Wohnung kollidieren mit der seelischen Einsamkeit und Ausgeschlossenheit eines unheimlich sympathischen Psychopathen - die Bildsprache ist zweifellos genial. Der Inszenierungsstil wirkt etwas künstlich, was aber mit der leicht surrealen Grundstimmung von "One Hour Photo" gut harmoniert. Der philosophische Unterton, dass mit Fotos das Leben und dessen glückliche Momente festgehalten wird, wirkt nicht bemüht, sondern zeugen von der Intensität dieses Meisterwerks des Psychodramas.
Ich würde Sy nicht einmal als Psychopathen begreifen, sondern als einsames Herz auf der Suche nach Akzeptanz, Anerkennung und Liebe - das würde uns alle zu Psychopathen machen. Es ist äußerst bitter, Sy zuzusehen, wie er sich in das Leben seiner "Lieblingsfamilie" hineinimaginiert oder versucht an diesem teilzuhaben. Und es ist so traurig, wenn man diesen bemitleidenswerten, aber unendlich sympathischen Menschen am Ende des Films (ACHTUNG: SPOILER) im polizeilichen Verhörzimmer sitzen sieht, wie er Fotos seiner Wohnung auf dem Tisch ausbreitet, dass es zu Tränen rührt. Wie dem von Wes Bentley gespielten Charakter in "American Beauty" nur Filme zur Erinnerung bleiben, so bleiben Sy alias Robin Williams nur Fotos.
"One Hour Photo" ist ein Film für Freunde des subtilen Suspense-Kinos und auch für Leute, die intensive (Psycho-) Dramen mögen. Ein nachdenklicher, bedrückender aber nicht hoffnungsloser Film über die Einsamkeit im Menschen und die Schwierigkeit aus dieser gesellschaftlichen und persönlichen Isolation auszubrechen.