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Robin Williams spielt einen Supermarktangestellten, der die Fotos der Kunden entwickelt. Da er unter großer Einsamkeit leidet, nimmt er über die Fotos am Privatleben seiner Kunden teil, bis er schließlich feststellt, dass der Ehemann seiner Lieblingskundin, gespielt von Connie Nielsen, fremdgeht und er rot sieht.

Oftmals kommen bei den Premieren von Regisseuren, die zuvor Musikvideos drehten, beachtliche Werke heraus, da die Regisseure vor allem auf optischen Schauwert und auf eine starke Bildsprache wert legen und so war es wohl ein Glücksfall, dass Optik und Fotos in "One Hour Photo" eine übergeordnete Rolle spielen, denn so liefert Mark Romanek ein wirklich gelungenes Debüt ab. Neben dieser optischen Brillianz und einer perfekten Ausstattung und Farbgebung, die dem Film allein schon einen hohen Schauwert verleihen, leistet Romanek aber auch ansonsten sehr gute Arbeit. Das Erzähltempo ist genau richtig, um sowohl Spannung, als auch Dramatik aufzubauen und der Film tritt zu keinem Zeitpunkt auf der Stelle. Die Filmmusik fällt kaum auf, aber dennoch gelingt es Romanek mit seiner brillianten Optik und seinem guten Hauptdarsteller eine gespannte Atmosphäre aufzubauen und diese die meiste Zeit über zu halten und auch dramaturgisch ist der Film geschickt aufgebaut. Anders als bei vielen anderen Psychothrillern gibt es keine blutigen Szenen, aber bei dieser starken Inszenierung und der guten Story ist Romanek nicht im Geringsten auf Blut und Gedärme angewiesen.

Die Trailer von "One Hour Photo" versprachen einen knallharten Psycho-Thriller wie "Fight Club" oder "Identität", aber stattdessen handelt es sich mehr um ein Psychodrama. Da Film damit aber umso vielschichtiger und sehenswerter ist, lässt sich das bisschen Thrill, das fehlt leicht verschmerzen und außerdem verkaufen sich Psycho-Thriller nun mal besser als Dramen und sonst wäre dieses kleine Juwel wohl noch ungeachteter geblieben. Die Idee um den einsamen Fotoentwickler, der sich immer weiter in seinen Beruf hineinsteigert und an dem Privatleben seiner Kunden teilhaben will ist zunächst einmal sehr gut und auch der Erzählstil, also aus der Perspektive des Entwicklers bei seinem Verhör ist sehr gut gewählt. Denn neben den guten Dialogen gibt es immer wieder geniale und vielschichtige Monologe über Photos, das was sie bedeuten und über das einsame Leben der Hauptfigur, die ihr privates Glück in dem Glück anderer sucht zu hören. Neben diesem überaus einfühlsamen Einblick in das Leben der Hauptfigur, bei dem Romanek, der auch als Autor fungierte, die Grenzen zwischen Gut und Böse genial verschwimmen lässt macht "One Hour Photo" aber auch als Thriller viel her. Denn nach rund zwei Dritteln Laufzeit schlägt das Drama urplötzlich in einen Thriller um und das Finale ist unvorhersehbar und realistisch konstruiert. Alles in allem leistet Romanek sowohl bei der Inszenierung, als auch beim Drehbuch hervorragende Arbeit.

Nachdem Robin Williams jahrelang mit diversen Komödien wie "Mrs. Doubtfire", "Flubber" oder "Jumanji" sein Talent vergeudete, zeigte er zuletzt in "Insomnia", dass er immer noch zu den besten Charakterdarstellern der Welt gehört und auch in "One Hour Photo" läuft der Oscar-Preisträger wieder zur alten Hochform auf. Auch wenn es durchaus ungewohnt für Williams sein musste, den sympathischen Komödianten, den man eigentlich nur aus liebenswerten Rollen kennt, meistert Williams seine ungewohnte Rolle überzeugend und verkauft sich sowohl in den emotionalen Szenen, als auch beim spannenden Finale sehr gut. Durch die optisch starke Umsetzung wird ihm aber leider ein bisschen Spielraum genommen, um das Geschehen komplett auf sich zu ziehen, aber das Mitgefühl des Zuschauers kann er sich dennoch sehr schnell sichern. Connie Nielsen (Gladiator; Mission to Mars), Michael Vartan (Alias - Die Agentin) und Dylan Smith (300; Fluch der Karibik) spielen die Mitglieder von Williams Lieblingsfamilie, die er schließlich zu terrorisieren beginnt und verkaufen sich allesamt sehr stark und tragen damit maßgeblich zum Aufbau der Dramatik bei.

Fazit:
Mit einer vielschichtigen Story um einen einsamen Fotoentwickler, der sich in die Privatsphäre seiner Kunden einmischt und einer optisch brillianten Inszenierung leistet Mark Romanek bei seinem Debüt sehr gute Arbeit und liefert ein kleines filmisches Juwel, dass sich jeglichen Stereotypen entzieht. Darüber hinaus tragen die starken Darsteller zur Steigerung von Spannung und Dramatik bei.

88%

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