Review
von Leimbacher-Mario
Träumerische Ehrlichkeit
Während ich eine zeitlang mit Wes Andersons subtilen Außenseiter-Humor wenig anfangen konnte, hat es in den letzten Monaten, nicht zuletzt durch den völlig gerechtfertigten Hype um Grand Budapest Hotel & grandiose Criterion Blu-rays, doch endlich Klick gemacht. Besser spät als nie, denn sind wir nicht alle ein Wenig Aussenseiter?
In Bottle Rocket geht es um ein kleine Gruppe Kumpels, die nicht wirklich wissen wohin im Leben, ziemliche Traumtänzer & lustige Chaoten. Diese beschließen dann mit Raubüberfällen und anderen kuriosen Abenteuern ihr restliches Leben zu finanzieren und so vielleicht endlich zu sich selbst zu finden... typisch Wes Anderson schon damals irgendwie.
Bottle Rocket hat Herz, tiefgründigen, ruhigen Intellektuellen-Humor, tolle, damals unverbrauchte Schauspieler & ein paar Weltkarrieren am Beginn ihrer Karriereleitern. Er gefällt mir zwar nicht ganz so gut wie das Folgewerk Rushmore, der dann doch etwas runder war, aber auch BR hat tolle Musik, schrullige Typen, die man meint schon ewig zu kennen & die man so schnell nicht vergisst. Selbst einerseits nervige Charakter wie Dignan muss man einfach lieben, obwohl man ihn manchmal Ohrfeigen will. Am stärksten ist Herr Anderson wenn er Musik & Bildsprache perfekt & traumtänzerisch melancholisch verbindet - retro & einmalig zugleich! Selten war ein Erstlingswerk so unverbraucht, kurzweilig und anders - Bravo!
Fazit: ein angenehmes Erstlingswerk, was schon ab und zu diese einmaligen Ansätze des Regisseurs andeutete - trotzdem war alles was folgte noch eine Stufe besser. Bottle Rocket ist aber ein wahrer Charme-Bolzen und gleichzeitig noch sehr "roh".