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Rassismus. Ein Thema, das schon vor Starttermin des neusten Streichs des Ex-Regiewunderkinds M. Night Shyamalan angesprochen wurde. „The Last Airbender“ sei ein asiatischer Film. Er spielt in der asiatischen Mythologie, doch werden deren Einheimische in leblose Nebenrollen verfrachtet – oder die Rolle der Bösen angeboten. Die Helden werden von weißen Amerikanern präsentiert – allen voran der hölzern agierende Noah Ringer. Aber Moment! M. Night Shyamalan? Der Hardcore-Esoteriker, der Bruce Willis tote Menschen sehen ließ sowie die Natur gegen die Menschheit aufhetzen ließ? Was sucht der in einem Hollywood-Blockbuster Streifen, der voll und ganz aufs junge Publikum zugeschnitten ist? Seine letzen beiden Filme standen ja unter keinem guten Stern. Während „Das Mädchen aus dem Wasser“ auf ganzer Linie an der pseudo-intellektuellen Erzählweise scheiterte, konnte selbst „The Happening“ nicht vollends überzeugen – selbst wenn dort leidlich solide Spannung aufkommt. Das Fantasygenre ist total neues Land für den guten Exil-Inder Shyamalan. Und gleich in seinem Debüt ein solch enorm populäres Projekt aufzugreifen ist sehr gewagt. Eine gewaltige Fanbase hat sich um den kleinen, naiven Luftbändiger Aang gebildet. Die Zeichentrickserie kommt sehr gut an – und selbst die Kritiken sind weitgehend positiv ausgefallen (selbst wenn meine bescheidene Person der Serie nichts abgewinnen kann, da die Story sehr stoisch vorangetrieben wird und die Dramatik als auch wahre Emotion vollends auf der Strecke liegen bleibt). Nichts desto trotz zog Shyamalan das Projekt durch – selbst die Erfinder der Serie vertrauten ihm ihr „Kind“ an. Ein Fehler? Eine Offenbarung? Ich denke, der extreme Hardcore Fan der Serie wird an diesem Film definitiv seinen Spaß haben; gleichzeitig aber auch sehr enttäuscht werden, da Shyamalan den Stoff nicht in den Griff bekommt und selbst als Fantasyfilm-Debütant auf so gut wie jeder Ebene versagt…

Er ist der Avatar. Der Luftbändiger Aang ist der letzte seiner Art. Die Feuernation ließ alle seiner Art töten um eben rauszufinden, wer der wahre Avatar ist. Was genau ein Avatar ist, ist unklar, da dieses Phänomen im Film nicht eindeutig definiert wird. Aber anscheinend muss man Kenner der Serie sein, sonst ist man in dem gigantischen Kosmos hilflos verloren. Die Feuernation hat ein Problem. Was genau für ein Problem wissen wohl nur sie selbst. Es läuft jedoch alles auf einen Krieg hinaus, der gen Ende des Films sogar stattfindet. Doch bevor es zum entscheidenden Kampf zwischen Gut und Böse (mal wieder) kommen wird, findet Aang neue Freunde der Wasserbändiger, lernt seine Fähigkeiten kennen und zieht mehrmals die Aufmerksamkeit ganz auf sich selbst. Achja…ganz nebenbei erfährt er auch etwas Hintergrundgeschichte, selbst wenn diese irgendwie so gar nicht wirklich zum Film passt. Sei’s drum. Geschehen ist geschehen. Eine angehauchte Liebesgeschichte darf natürlich auch nicht fehlen. Diesmal funkt es zwischen der Königin der Wasserbändiger und Aangs neuem Freund Sokka. Der hat auch eine (erstaunlich hübsche) Schwester namens Katara. Im Grunde ist  wirklich die Schauspielerin Nicola Peltz noch das Beste am Film. Ihr Schauspiel ist zwar in den meisten Szenen eher der Obligatorik zu verdanken, aber immerhin macht sie optisch einen sehr niedlichen Eindruck – und scheint ihre Rolle auch sehr authentisch vorzutragen. Die Schwächen ihres Charakters und der immensen Kürzung ihrer an sich intensiv ausgebauten Person ist dem schablonenhaften Skript zu verdanken. Auch Sokka-Darsteller Jackson Rathbone macht seine Sache relativ in Ordnung – selbst wenn sein Charakter irgendwie sehr stark in eine Nebenrolle gequetscht wurde. Seine Persönlichkeit scheint keinen Einfluss auf die Story zu haben. Er ist unwichtig. Man braucht ihn nicht. Er ist zwar nur eine sehr wichtige Hauptperson der Serie, aber hey, wenn interessiert das schon? „Slumdog Millionaire“-Star Dev Patel mimt den ausgestoßenen Zuko. Ganz im Gegensatz zu seiner Paraderolle in Danny Boyle’s überschätzten, aber nicht minder negativ aufgefassten Verliererdrama ist er hier von A bis Z unglaubwürdig – er vermag keine Seele seinem an sich sehr interessanten Charakter einzuhauchen. Und dieses Fehlen an Enthusiasmus ist nicht dem Skript zuzuweisen! Sein Schauspiel wirkt müde und monoton; von Gefahr kann nicht mal aus weiter Ferne die Rede sein. Der Rest der Crew ist mehr Dekoration, selbst wenn jene nicht unwichtig für den Fortlauf der Story sind.

Ein Riesenproblem ist auf jedenfall Shyamalans Erzählweise. Während die Serie ihre Story komplex und tiefgründig ausarbeitet, wirkt dieses Werk hier zum Vergleich extrem sprung- und lückenhaft. Viele Passagen werden nicht mal erwähnt, einen eindeutigen roten Faden sucht man vergebens. Der Avater erscheint, das Problem wird geschildert, ein bisschen Nebenhandlung mit dem fiesen Zuko – und am Ende die Schlacht. So oder so ähnlich kann man den Storyverlauf erzählen. Diese unmotivierte Hergehensweise könnte man verschmerzen, wären wenigstens die Actionszenen spektakulär. Doch nada. Die paar Martial-Arts-Momente, die aufblitzen, sind von vorgestern; und die Idee, gewisse Schlachtsequenzen in Zeitlupe zu zeigen, ist seit den Wachowskis schon längst ein alter Hut. So gibt es in dieser Hinsicht nichts Neues. Das meiste davon hat man schon sehr viel besser in Filmen gesehen, die weit aus weniger Geld gekostet haben. Aber man sieht sehr deutlich, wohin das ganze Geld wahrscheinlich geflossen ist. Die optische Arbeit sowie die Locations sind einsame Spitze. Die Landschaften sind wunderbar gestaltet, man hat hier wirklich keine Mühen und Kosten gescheut dem Vorbild in etwa gerecht zu werden. Und die Special-Effects. Ohja, und was für Special Effects das sind! In der Hinsicht hat Shyamalan einen guten Riecher (oder eher das Geld). Die Arbeit mit dem Computer fließt wunderbar und reibungslos in die Arbeit mit den echten Schauspielern über. Ein so harmonisches und ungetrübtes Spiel mit CGI und Realszenen ist zwar schon fast eine Selbstverständlichkeit, aber verblüffend ist es auf jedenfall! Und dieses Niveau wird bis zum Ende hin gehalten! Dann, wenn die Schlacht beginnt, und der Film sich dem Ende neigt. Der Kampf ist so eine Sache. In die Länge gezogen wird er nicht unbedingt, aber er wirkt sehr uninspiriert. So ein absolutes „Kampffeeling“ wie beispielsweise in „Herr der Ringe“ wird in keiner Sekunde erreicht. Selbst die finale Konfrontation des Avatars mit Zuko ist sehr ernüchternd ausgefallen. Obwohl die Geschichte des Zukos an sich einen traurigen Kern hat, fühlt man keine Sekunde mit ihm. Insgesamt ist „The Last Airbender“ sehr kühl und emotionslos ausgefallen. Keine Liebe. Keine Seele. Nichts. Und die Seele ist praktisch das Herz des Fantasygenres. Wer kein Gefühl dafür hat und sich seiner eigens kreierten Fantasiewelt verpflichtet fühlt, eine Bindung zum Publikum aufzubauen, da dieses ja anfangs immer distanziert einsteigt, verliert auf ganzer Linie. Das Herz ist der Mechanismus, der alles am Laufen hält. Auch ist es der Grund, damit seine „Hirngespinste“ nicht lächerlich repräsentiert werden. Nun, lächerlich ist der Film im Großen und Ganzen nicht, selbst wenn einige Dialoge unfreiwillige Komik versprühen. 

M. Night Shyamalans Kinoadaption der populären TV-Serie ist ein noch schlimmerer Flop als „Das Mädchen aus dem Wasser“. Das Skript ist uninspiriert und sehr klischeebeladen, der Storyverlauf unmotiviert und sprunghaft, die Darsteller zwar einigermaßen in Ordnung, aber die fehlende Tiefe als auch die nicht Identifizierung des Publikums sind ein sehr starker Spaßbremser. Die blutleere, unspektakuläre Action mag zwar dem ein oder anderen Fan der Serie gefallen, doch unterm Strich ist selbst diese im Grunde nicht der Rede wert. Das Lächerlichste an dem ganzen Theater ist jedoch der Effekt, das Werk in 3D zu präsentieren. Das Ursprungsmaterial wurde für 2D konzipiert; und das merkt man auch. Es sieht nämlich ziemlich sche*** aus! Viele Szenen sind gar nicht in 3D umgewandelt, zirka die Hälfe des Films könnte man ohne die 3D-Brille schauen! Das ist doch nur dieses Verlangen, auf dem gegenwärtigen Zug aufzusteigen und auch seinen Senf dazuzugeben. Sorry, aber das ging definitiv nach hinten los! Optisch und tricktechnisch absolut top, aber Herz und Seele lässt der Film gänzlich vermissen. Lass bitte in Zukunft die Finger weg vom Fantasygenre, M. Night Shyamalan. Und das schlimmste ist…er schreibt schon an der Fortsetzung. Na dann gute Nacht. Versuch lieber wieder dein (wahres) goldenes Händchen zu finden à la „The Sixth Sense“… 

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