Review

"The Last Airbender" hat es nicht leicht in den Populärkritiken. Da prallen zwei Hassfronten aufeinander, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, den Film in Grund und Boden zu zerfetzen, bevor er überhaupt ünber die Leinwand flimmerte. Auf der einen Seite die Shyamalan-Verächter, besonders aus Kritikerkreisen, die das ehemalige Hollywood-Wunderkind auf dem Kieker haben, seit er in seinem heillos unterschätzten "Lady in the Water" einen Filmkritiker zum Antagonisten stilisiert und der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Auf der anderen Seite die im Internet immens aktive Hassfront seitens der Fans der Zeichentrickvorlage,  die die Entweihung ihres Lieblings nun mit allen allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen und auch nicht davor zurückschrecken, Shyamalan als Rassisten zu bezeichnen, weil er die ostasiatisch angehauchte kultur der Vorlage mit westasiatisch aussehenden Schauspielern bestückte. In einer weitestgehend undefinierten Fantasy-Welt, wohlgemerkt...

Das Resultat: Hunderte von Hass-Kommentaren und 1-Punkte-Wertungen auf imdb, von der über das 4chan-Board durchorganisierten Fangirly-Front allesamt nach vorn gevotet, dass es dem uneingeweihten Betrachter auf den ersten Blick so scheinen mag, er hätte hier wirklich den schlechtesten Film aller Zeiten vor sich. Und dazu gesellen sich noch weit gestreute Unkenrufe, Shyamalan solle doch bitte nicht nur keine weiteren Avatar-Verfilmungen, sondern am besten überhaupt keine Filme mehr machen.

Höchste Zeit, die erhitzten Gemüter mal beiseite zu schieben und sich den Film etwas unvorbelasteter anzuschauen.  In den ganzen Hass-Schlachten im Web ist es leider etwas schwierig geworden, Meinungen zu finden, die sich nicht aus Prinzip zu irgendeinem Urteil verpflichtet fühlen. Vielleicht kann dieser kurze Beitrag da ein wenig aushelfen.

Zuerst muss natürlich gesagt werden: wer sich für die Hintergrund-Mythologie der Vorlage, die Eigenarten und Beziehungen der Charaktere und eine tiefgründige Story interessiert, sollte definitiv zur Zeichentrickserie greifen. Diese gilt nicht umsonst als moderner Klassiker der Erzählkunst und ist nicht nur für Jugendliche absolut empfehlenswert. Die Adaption stellt Story und Charaktere da im Vergleich doch weit hinten an. Die Unkenrufe der Serien-Fans sind also sicher nicht ganz unberücksichtigt. Die Figuren bleiben weitestgehend flach und leblos. Man vermisst ihre Macken und die Situationskomik, die die Vorlage auszeichnete.

Zudem wirkt die Handlung oft unschön gerafft. Wichtige Plotpoints werden in den Dialog oder gar Off-Monolog verlagert, was dem Storytelling insgesamt nicht gut tut. Der Film wirkt, als hätte man ihn nachträglich um einen Großteil der Laufzeit erleichtert, eventuell um später mit einer Extended Version auf dem Heimvideomarkt noch einmal Kasse machen zu können. Durch die vielen Kritikstürme, die der unangemessene Umgang mit der Erzählung allerdings ausgelöst, könnte sich diese Absicht hier aber als Eigentor erweisen. Dem Film hätte eine halbe Stunde zusätzliche Laufzeit wirklich gut getan. Es ist mir unverständlich, wie Shyamalan, der sonst in allen seinen Filmen extrem viel Wert auf Charakterentwicklung legt, ausgerechnet bei "The Last Airbender" dabei patzt. Hoffen wir mal, dass er da nicht das letzte Wort hatte und vielleicht noch eine Wunschfassung nachlegen kann.

Abgesehen von den erzählerischen Schwächen, die vielen Fans der Serie sauer aufstößt und auch Uneingeweihten nicht verborgen bleiben, ist der Film aber ein absolut grandios gefilmtes Fest für die Sinne. Das fängt schon beim wunderschönen Vorspann an und wird mit einer ebenso tollen und passenden Titelsequenz abgerundet. Dazwischen entspinnt sich ein prächtiges Fantasy-Martial-Arts-Märchen mit hochästhetischen Bewegungschoreografien und einer meisterhalften Kameraführung, die gegen den aktuellen Trend in den Action-Szenen nicht auf Schnitt-Stakkato, sondern sanfte lange Fahrten und Plansequenzen setzt. Die Kombination von Kamerabewegung, Figurenchoreografie und Special Effects ist atemberaubend und von einer Schönheit, wie sie keines der Hollywood-Fantasy-Epen der letzten Jahre aufwies. Hier zählt Ästhetik mehr als Spektakel. Es muss nicht immer noch mehr von noch größeren Monstern noch schneller kaputt gemacht werden. Innovation kann auch in einer eigenwilligen und hypnotischen Bewegungschoerografie liegen.

Man sollte den Film vielleicht eher in einen Kontext von elegischen Martial-Arts-Filmen wie "Hero" rücken, in denen die Erzählung sich eher in Bewegungen ausdrückt als in tatsächlicher Handlung. Dann kann man dem Film vielleicht eher verzeihen, dass er die Story zugunsten der Action weitestgehend vernachlässigt. Tatsächlich ist "The Last Airbender" für mich der Hollywood-Film, der bisher am ehesten das ästhetische Gespür des Hongkong-Actionkinos nachempfindet.

Die wunderschöne Musik reiht sich nahtlos in die Bewegungsästhetik des Films ein. Nur von der 3D-Fassung sollte man Abstand nehmen. Die fällt leider unter hinterhergeschobenes Fake-3D Marke "Clash of the Titans" oder "Alice". In der 2D-Fassung sieht der Film aber wirklich atemberaubend toll aus. Shyamalan hat in allen seinen Filmen, auch seinen schwächeren, immer ein gutes Auge für ausgezeichnete Kameraarbeit bewiesen. Wer für sowas empfänglich ist und zudem gerne mit den phantastischeren Spielarten des Hongkong-Kinos liebäugelt, wird bei "The Last Airbender" also sicher sehr gut bedient werden.

Insgesamt kann man also sagen: für die Story unbedingt mal die Zeichentrickserie schauen. Für die Action ab ins Kino! Wer Filme des reinen Schauwertes wegen genießen kann, wird an diesem kurzweiligen Fantasyfilm sicher seinen Spaß haben!

Details
Ähnliche Filme