“Stirb an einem anderen Tag” wird nachgesagt, er sei der zwanzigste Bond-Film. Offiziell mag das auch stimmen. Die Dunkelziffer liegt aber weitaus höher: es gibt Massen von Bond-Parodien in allen Farben und Formen. Zum Ende ihrer großen Zeit haben auch Bud Spencer und Terence Hill im Jahr 1983 ihren Teil dazu beigetragen, und zwar mit ihrem Roadmovie-Abenteuer “Zwei bärenstarke Typen”.
Typisch ist es für Regisseur Enzo Barboni, seine Beiträge zum Spencer/Hill-Universum mit Verwechslungssituationen zu würzen. Das hat er schon in “Vier Fäuste gegen Rio”, “Zwei außer Rand und Band” und “Die rechte und die linke Hand des Teufels” gemacht. Auch hier wendet er sein altes Rezept wieder an, und es funktioniert zumindest auf der naiven Schiene immer noch ausgezeichnet.
Diesmal stellen Spencer und Hill zwei Vagabunden namens Doug und Rosco dar, was seit ihren gemeinsamen Westernkomödien eine Rollenrichtung ist, die sie blind beherrschen. Es hat sich lediglich die Umgebung verändert. Die Cowboys wurden zu Asphalt-Cowboys, die ihre dreckigen Lumpen gegen Holzfällerhemd und Jeans getauscht haben. Das ziellose Umherstreifen durch die Gegend ist jedoch geblieben.
So macht gerade die erste halbe Stunde unglaublich viel Spaß, wenn sie sich auch atmosphärisch deutlich vom restlichen Film unterscheidet und mehr Landei-Charme versprüht als Agenten-Flair. Der drückend platte Humor jedoch wird jeden Fan des Prügel-Duos zum Jubeln bringen. Das ungezwungene Kennenlernen von Rosco und Doug in einer Kneipe für LKW-Fahrer versprüht im Sekundentakt dumme Ideen, dämliche Fratzen und die allseits beliebten Improvisationen der Synchronsprecher um Thomas Danneberg. Rosco (Hill) provoziert durch Bauchreden eine Prügelei zwischen Doug (Spencer) und ein paar Sauf- und Raufbolden, die es nicht besser verdient haben, als eins auf die Nase zu bekommen.
Und dann geschieht etwas Seltenes: Spencer und Hill gehen eine freundliche, gegenseitigen Respekt erweisende und auf beiden Seiten freiwillige Kooperation ein, was nach Filmen wie “Das Krokodil und sein Nilpferd” oder “Vier Fäuste für ein Halleluja” wahrlich nicht alltäglich ist.
Ab hier beginnt die Verwechslungsszenerie, indem zunächst einmal die beiden neuen Freunde in einen Laster einsteigen, von dem jeder denkt, er gehöre dem anderen. Eines kommt zum anderen, bis sich Rosco und Doug plötzlich mit einem Geldkoffer von einer Million Dollar Inhalt wiederfinden und vom Umfeld als Geheimagenten gehalten werden. Schaltet man nun das Gehirn aus in bezug auf die Tatsache, dass die CIA schon einen durchschnittlichen Kindergarten-IQ aufweisen müsste, damit ihr eine solch verheerende Verwechslung tatsächlich passiert, bekommt man nun gerade mit dem im Hinterkopf sitzenden Wissen über die Bond-Filme eine richtige Gaudi geboten, der man nur allzu gerne folgt.
Der Humor resultiert aus der Tatsache, dass man den beiden Landstreichern hunderte von exzellenten Fähigkeiten nachsagt, die einzige wirkliche Fähigkeit der lizenzlosen Geheimagenten aber in der besagten Bauchrednerei Roscos liegt. Die letztendliche Darstellung des Humors ist zweifellos Geschmackssache, für Kenner aber ein erlesener Tropfen. Unvergesslich bleibt Dannebergs jämmerlich-fröhliche Bemerkung “Ich brauche keine Waffen. Ich bin ein lustiger Vagabund!” und das anschließende gegenseitige Hände-Hochnehmen von Polizisten und Streunern, oder das Stürmen der Flughafen-Toilette mit Sprüchen wie “Mach ja keinen Scheiß!” oder “Verdrück dich nicht!”.
Auch ein Running Gag wird aufgefahren und verfehlt auf der Verwechslungssituation beruhend nicht seine Wirkung, wenn sämtliche Kontaktpersonen der vermeintlichen CIA-Agenten flehen, doch bitte die Mißgeschicke im Bericht nicht zu erwähnen. Das unterstreicht nochmals die Blödheit der Mitarbeiter, wodurch eine unübersehbare Übertreibung und Ironisierung erreicht wird, mit der nun wirklich niemand mehr darauf hinweisen kann, wie unrealistisch es ist, dass zwei Vagabunden von offizieller Seite her für Top-Agenten gehalten werden. Darauf kann man nur erwidern: Ja, es ist unrealistisch, aber das ist es mit voller Absicht.
Nach der Instruktion durch den Oberboss Tiger (eine Parallele zu “M”) und die Begutachtung der Gimmicks vom ansässigen Ingenieur (eine Parallele zu “Q”) geht die Bond-Parodie so richtig los. Im sonnigen Miami stoßen Rosco und Doug auf Last und Lust des Geheimagenten-Daseins. Im Klartext: Protzige Karren, Strand und Sonne, große Hotelzimmer, massenweise bestes Essen, schöne Frauen, aber auch schräge Killer, ausgebuffte Fallen, Verfolgungsjagden, Explosionen, Pistolen und wahnsinnige Welteroberer. Bei ihrem Treiben werden Rosco und Doug sowohl von gesichtslosen Hundestreichlern beobachtet (eine Parallele auf Blofeld und seine Katze) als auch von hässlichen Handlangern (eine Parallele zu Schergen wie dem Beißer) und unberechenbaren Frauen (eine Parallele zu Pussy Galore) verfolgt. Nicht fehlen darf letztendlich die sowohl aus Spencer/Hill-Sicht als auch aus Sicht der Bondreihe typische finale Massenkonfrontation mit anonymen “bösen” Mitarbeitern (hier weiß gekleidete Matrosen, die aus unerfindlichen Gründen schwarze Masken tragen) und dem total bekloppten Boss, von dem bis dahin nur die Hände zu sehen waren, der nun aber zur Erläuterung seines Welteroberungsplans mit seiner fiesen Fratze an die Öffentlichkeit gelangt.
Von der Inszenierung her bleibt es nach wie vor ein Spencer/Hill-Film. Die Buddies nehmen bei all den Parodien-Elementen dank ihrer durchringenden Charaktereigenschaften weiterhin die Mittelposition ein. Die finale Klopperei ist nicht ganz so geschickt choreographiert wie einige andere aus früheren Tagen, und überhaupt halten sich die Prügeleien in diesem Film im Rahmen. Dafür trumpfen Spencer und Hill diesmal mit all ihrem Charme voll auf.
Das darf dann auch als Fazit gelten. Die Action wird zugunsten der parodistischen und humoristischen Einlagen zurückgefahren, was dank des hohen Tempos und der ständig wechselnden Locations wunderbar funktioniert. Spencer und Hill geben auf der Zielgeraden nochmal richtig Gas und zaubern eine verblüffend gut funktionierende Bond-Parodie nach Spencer-Hill-Art, für die sich das Anschauen lohnt.