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Geht es um „Zwei bärenstarke Typen“, ein Spätwerk unter den Spencer-Hill-Kooperationen, dann reichen die Meinungen der Fans vom absoluten Highlights bis zum vergessenswerten Nachklapp, was auch daran liegen mag, dass „Zwei bärenstarke Typen“ ein eigenwilliger Mix aus Innovation und Altbekanntem ist.
An bewährte Rezepte erinnert vor allem die erste halbe Stunde, die sich leicht mit dem Restfilm beißt und das übliche Kennenlernen des Duos zeigt. Ihren Rollenprofilen bleiben sie aber treu. Bud Spencer ist Doug O’Riordan, eine unaufhaltsame Prügelmaschine, die aber nur ihre Ruhe will. Hier vor allem deshalb, weil Doug gerade aus dem Knast kommt und keinen Stress gebrauchen kann. Terence Hill ist Rosco Frazer, ein Hallodri und Herumtreiber, der gemütlich auf Rollerskates am Highway entlangcruist, sich als Anhalter mitnehmen lässt und bei Gelegenheit eine willige Autofahrerin vernascht. Als ihn LKW-Fahrer fast umfährt, nutzt Rosco seine Chance zur Rache, als er diesen in einer Truckerkneipe wiedersieht: Mithilfe seiner Bauchrednerfähigkeiten provoziert er eine Schlägerei zwischen den Fahrern und dem dort anwesenden Doug, ehe er mit ihm flieht.
Dabei klaut das Duo den LKW jenes Fahrers, an dem Rosco sich rächen wollte, wobei Doug annimmt, dass dieser Rosco gehöre. Auch damit bleibt man dem Rezept treu, wenn die beiden Outlaws nun ins Visier des Gesetzes geraten – unverschuldet in Dougs Falle, aber sein Vorleben spricht gegen ihn. Nun kommt ein beliebtes Stilmittel des Duos zum Tragen, vor allem in den Filmen von Enzo Barboni (alias E.B. Clucher) – jener in seiner Karriere hauptsächlich Spencer und Hill entweder in Solofilmen oder als Duo in Szene: Die Verwechslung. Denn auf der Flucht geben sich die beiden als zwei Flugzeugpassagiere aus, die ihre Tickets noch nicht abgeholt, als Mason und Steinberg. Allerdings sind Mason und Steinberg Geheimagenten, von denen irrsinnigerweise noch nicht einmal die eigene Behörde weiß wie sie aussehen, weshalb die CIA sie nun für einen Auftrag bereitmachen will und eine sinistre Verbrecherorganisation sie ins Visier nimmt.

Damit ist man mitten in der Agentenfilmparodie: Verkleidet als texanische Ölbarone sollen Mason und Steinberg a.k.a. Doug und Mason sich in einem Hotel in Miami einquartieren und Spuren eines Superschurken verfolgen, der einen Plan zur Unterjochung der Menschheit umsetzen will…
Spricht vom populären Agentenfilm, dann spricht von James Bond. Schon der Eurospy-Film, der in Italien vor allem in den 1960ern eine Tradition hatte, war eine Reaktion auf den James-Bond-Erfolg, und auch „Zwei bärenstarke Typen“ liefen inmitten von James-Bond-Interesse an: Im gleichen Jahr wie Barbonis Film erschienen mit „Sag niemals nie“ und „Octopussy“ gleich zwei mehr oder weniger offizielle Bondfilme und auch die Parodien und Rip-Offs der Reihe waren gerade schwer in (siehe etwa „Mad Mission 3“, der ein Jahr später in Hongkong herauskam). In „Zwei bärenstarke Typen“ werden typische Bondmerkmale allerdings in den Spencer/Hill-Stil eingemeindet, was über die erste halbe Stunde hinausgeht: Sie gehen nicht als pokerspielende Anzugträger mit perfekten Manieren und schickem Sportwagen undercover, sondern als geschmacklose Texaner mit Fresslust und einer prolligen Karre mit Bullenschädel vorne anmontiert. Und doch gibt es in diesem Gewand alle Bond-Trademarks: Den Q-artigen Waffenbastler mit den ganzen Gadgets, inklusive dem entsprechend präparierten Auto, SPECTRE-artige Verbrecherorganisation mit dem erst am Ende zu sehenden Schurken (der anstelle einer weißen Katze einen Hund besitzt), die schöne wie schlagkräftige Frau in den Diensten der Schurken (siehe Fiona aus „Feuerball“, Pussy Galore aus „Goldfinger“ etc.) und noch jede Menge mehr.
Zur Anpassung des Agentensujets an Spencer/Hill-Verhältnisse gehören natürlich auch die Kampfhandlungen: Bleispritzen werden höchst selten gebraucht, trotz CIA-contra-Geheimorganisation-Geschichte, stattdessen werden Unstimmigkeiten hier mit Fuß und vor allem Faust geklärt. Dabei wird nicht so ausgiebig oder kreativ wie in anderen Filmen des Duos gekloppt, ein paar amüsante Fäusteleien hat aber auch „Zwei bärenstarke Typen“ zu bieten. Der Showdown etwa ist die Wemmserei-Version eines James-Bond-Finales, wenn Doug und Rosco lauter Schergen auf einem Schiff verprügeln; an einer anderen Stelle stürmen Martial-Arts-geschulte, als Kellner verkleideten Schurken auf Doug ein, der die asiatischen Angreifer mit ein paar Schellen abräumt und der Film sich somit auch einen Seitenhieb auf die zum Drehzeitpunkt international immer stärker werdende Konkurrenz durch den Kampfkunstfilm erlaubt, der hiermit ironisch herabgesetzt wird. Das macht immer noch Laune, beim Kampf in Sea World kommt Unterstützung durch Schwertwale hinzu, die Wellen erzeugen, welche die Angreifer wegspülen.

Gleichzeitig muss man klipp und klar sagen: „Zwei bärenstarke Typen“ ist putziger Nonsens, dessen Story nicht nur ein Bond-Parodie, sondern teilweise ziemlich gaga ist: So besteht der Plan des Oberschurken darin alle Zahlen aus den Gedächtnissen der Menschen zu löschen, während Rosco ein Bauchrednertalent hat, das alle möglichen Stimmen perfekt imitieren und aus jeder Richtung kommend seine Kontrahenten täuschen kann. Auch ist der Spionageplot bloß Folie für Gags und Kloppereien, mit einigen Runnings Gags wie jenem, dass man jede Trottelei der Pseudo-Agenten Doug und Rosco für einen brillanten Plan hält, oder jenem, dass alle CIA-Leute die vermeintlichen Topspione bitten, dass diese eventuelle Fehler nicht nach oben melden. All diese Vignetten sind durchaus vergnüglich, werden aber oft nur notdürftig von dem Behelfsplot zusammengehalten. Und manche Szene ist doch etwas zu lang ausgewalzt, etwa eine Verfolgungsjagd zu Wasser oder die Szene, in der Doug und Rosco den Plan den Schurken durch das Ansagen falscher Zahlen vereiteln wollen.
Dafür sind Bud Spencer und Terence Hill ein eingespieltes Duo, das gewohnt gut harmoniert, mit erprobter Rollenverteilung, hierzulande mit der üblichen Schnoddersynchro vertont, die mit ihrer abstrusen Art des schrägen Gags und flapsigen Spruchs noch mal für Extra-Laune sorgt. David Huddleston als CIA-Vorgesetzter ist das semi-prominente US-Gesicht in den Reihen für den amerikanischen Markt, etwas Eindruck hinterlässt noch Faith Minton als Schurkin, während Buffy Dee als Oberbösewicht wenig einprägsam ist. Aber das hier ist ja auch eine Bud-und-Terence-Show, da können Nebendarsteller bestenfalls Akzente setzen.

Insofern bekommen die Fans hier das gewohnte Rezept, aber aufgepeppt durch den Agentenplot, womit der Spencer/Hill-Film über den Tellerrand hinausschaut. Kein gewagtes Experiment, als Bond-Parodie amüsant, aber doch eher dem eigenen Stil treu. Insofern eine unterhaltsame Nummernrevue mit putzigen Spitzen in Richtung Spionagefilm, routiniert, mit frischen Ideen vor allem in Einzelszenen und in Sachen Rahmung des Ganzen. 6,5 Punkte meinerseits.

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