Eine weitere einfallslose Kopie von "Der Exorzist" bleibt uns hier erspart, obwohl man dies aufgrund des Titels und auch des Trailers hätte annehmen können. Doch "Der Letzte Exorzismus" zeigt sich nicht nur als vermeintlicher Dokumentarfilm, sondern auch als ungemütliche Perspektive zwischen Realität und Betrug. Ob es hier tatsächlich einen Dämonen auszutreiben gibt, weiß man bis zum garstigen Finale nicht. Und obwohl diese zwei Millionen Dollar Produktion durchaus ihre Mankos hat, sollte man Regieneuling Daniel Stamm mal eine Chance geben, denn eine gänzliche andere Zurschaustellung des Exorzismus in einem fundamentalistischen Amerika ist ihm durchaus gelungen. Natürlich wird hier fleißig mit Geldgeber Eli Roth (Cabin Fever, Hostel) geworben, dessen Handschrift hier teilweise sogar zu erkennen ist. Es mag schon sein, dass er Stamm zeitweise unter die Arme gegriffen hat, was jedoch nicht weiter schlimm ist.
Jedenfalls erlebt der Zuschauer das Geschehen durch die Linse von Kameramann Daniel (Adam Grimes), dessen Stimme zwar mal zu hören ist, doch zu Gesicht bekommen wir ihn nie. Die Kamera ist meist direkt am Geschehen, diverse Ausfälle oder extremes Gewackel a la "Rec" bleibt uns hier erspart.
Man muss auch ehrlich zugeben, dass der Doku-Stil seine Wirkung nicht verfehlt, auch wenn man sich bis zum eigentlich Aufbau des Spannungsbogens durch eine ereignislose erste Halbzeit kämpfen muss. Jedenfalls begleiten Kameramann Daniel und Reporterin Iris (Iris Bahr) den Prediger und Exorzisten Cotton Marcus (Patrick Fabian). Der erhält einen dringenden Hilferuf des Farmers Louis Sweetzer (Louis Herthum), seine Tochter sei angeblich von einem Dämonen besessen. Louis macht sich auf den Weg und inszeniert einen Fake-Exorzismus. Doch mit Nell (Ashley Bell) scheint tatsächlich etwas nicht zu stimmen.
Bei Cotton handelt es sich schon mal nicht um einen echten Exorzisten. Er zeigt auch Iris und Daniel einige seiner Tricks und kassiert quasi für seinen Betrug eine Gage. So erzählt er Louis, seine Tochter sei vom gefährlichen Dämon Abalam besessen. Als Zuschauer kann man sich die ganze Zeit über nicht sicher sein, denn es gibt genügend Nährboden für andere Theorien. Den Tod der Mutter, den fast krankhaft religiösen Louis, Nells Schwangerschaft und auch Bruder Caleb (Caleb Landry Jones) scheint ein Geheimnis zu haben.
Doch trotz der undurchsichtigen Geschichte wollen Stamm in der ersten Filmhälfte keine bedrohlichen Momente gelingen. Man merkt zwar sofort, dass auf der Sweetzer Farm etwas nicht stimmt, auch aufgrund der toten Tiere, doch im Endeffekt hangelt man sich von einem Interview zum nächsten. Aber Stamm kriegt die Kurve und verwandelt "Der Letzte Exorzismus" in einen wahren Alptraum. Nicht nur Louis wird zur Gefahr, sondern auch Nell spricht plötzlich mit anderer Stimme, kann ihren Körper verbiegen und aus ihrem Zimmer kommen seltsame Laute. Schließlich wartet das effektive Finale mit einer nicht ganz logischen Auflösung, jedoch könnte das Ende des Films nicht garstiger sein. Kleinere Logikpatzer, zum Beispiel was hat es mit den ermordeten Tieren auf sich, muss man verschmerzen, aber "Der Letzte Exorzismus" lässt uns mit einem derart schlechten Gefühl zurück, der Horror hat seine Wirkung somit nicht verfehlt. Dazu trägt auch die ländliche Kulisse bei, welche durch den Doku-Stil noch bedrohlicher wirkt. Ein richtiger Score ist gar nicht vorhanden, ganz selten kommen diverse Sounds zum Einsatz.
Die Darsteller liefern eine respektable Performance, besonders Louis Herthum (Wrong Side of Town, The Open Road) als unberechenbarer Farmer Louis und Ashley Bell (Stay Cool, The Truth About Angels) als scheinbar besessene Tochter Nell.
"Der Letzte Exorzismus" braucht seine Zeit um in die Gänge zu kommen und ist nicht immer ganz logisch, dennoch gelingt Stamm in der zweiten Halbzeit ein fast makelloser Spannungsbogen, der in einem bösen Finale endet. Auch die Geschichte hat wesentlich mehr zu bieten, als nur die Austreibung eines Dämons und bleibt bis zum Ende schön undurchsichtig.