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"Auf auf zum fröhlichen Jagen"

Nein, dass Steve Austin die Mimik eines Baumstammes und die Ausstrahlung eines Laternenpfahls kombiniert ist nicht das zentrale Problem. Auch eine selbst mit dem Mikroskop nicht zu erkennende eigene Handschrift von Regisseur Keoni Waxman kann man noch Schulterzuckend abtun. Selbst der völlig planlos zusammengeklaute 08/15-Plot für den das Attribut „überraschungsarm" noch eine wohlwollende Schmeichelei ist, gehört inzwischen zu den Standard-Ingredienzien der Direct-to-DVD-Ware.

Der zeitgenössische Freund des klassischen B-Actionfilms hat sich längst damit anfreunden müssen, die in diesem Bereich naturgemäß niedrigen Erwartungen ordentlich tiefer zu legen, wenn er weiterhin einigermaßen zufrieden seinem Hobby frönen will. Das Etikett „B" verdienen allenfalls noch die raren Kinoproduktionen des einzig verbliebenen, ernstzunehmenden Genrestars der in die Fußstapfen der seligen 80er-Jahre-Helden treten konnte: Jason Statham.

So gesehen konnte man von dem neuesten Streich des ehemaligen Wrestlers Steve Austin bestenfalls die übliche C-Magerkost erwarten. Aber auch das war offenbar noch zu viel. Hunt to kill ist leider einer der inzwischen immer häufiger auftretenden Fälle, in denen man einen weiteren Buchstaben des Alphabets bemühen muss um der ganzen Misere gerecht zu werden. „D" steht in diesem Fall für dämlich, debil, dröge und (dumm)dreist.

Wie eingangs erwähnt verlangt der geneigte Zuschauer keine komplexe, wendungsreiche und die grauen Zellen stimulierende Handlung. Wen man sich allerdings selbst bei ausgedehntem Biergenuss noch permanent ob der völlig abwesenden Logik im gefühlten 5-Minutentakt auf die Schenkel klopft, dann muss man sich die berechtigte Frage stellen, ob die Macher ihr Publikum für grenzdebil halten, oder selbst mit diesem Problem zu kämpfen haben.

Dabei fängt alles noch vergleichsweise harmlos an. Als die Border-Patrol-Recken Jim Rhodes (Steve Austin) und Lee Davis (Eric Roberts in einem offenbar rein monetär motivierten Kurzauftritt) ein illegales Drogenlabor stürmen, textet der zuvor wild um sich ballernde einzige Überlebende unseren bereits überwältigten Helden so lange zu, bis dessen schwer verletzter Kompagnon dem unvermittelt zur Plaudertasche mutierten Gangster das Licht ausblasen kann. Klar schwoll hier bereits die erste Zornesader ob der völligen Unglaubwürdigkeit der Situation, aber wer konnte da denn schon ahnen, dass dies lediglich der zarte Auftakt zu einem wahren Feuerwerk des Hanebüchenen sein sollte.

Jahre später lebt Jim wie weiland Arnold in Commando mit seiner Tochter in den Bergen (leider die einzige Gemeinsamkeit mit dem Schwarzenegger-Hit) und verbringt seine Freizeit mit Wandern. Hier wird der Zuschauer mit einem unverfroren auffälligen Plagiat des Rambo-Scores erneut auf die falsche Fährte gelockt, wirkt doch Hunt to kill im direkten Vergleich wie ein dilettantisches Amateurvideo.

In diese Idylle platzt die Gangstertruppe um den psychopathischen Banks, die ein abtrünniges Bandenmitglied verfolgt, das sich samt Beute nach Kanada absetzen will. Banks zwingt Steve sie zu führen, indem er seine Tochter als Geisel nimmt. Und da sind wir schon bei der nächsten Logik-Granate. Um den zögerlichen Steve zu motivieren erschießt Banks vor seinen Augen den örtlichen Scheriff. Obwohl das Büro sich mitten in der Ortschaft befindet, lassen die Gangster den Ermordeten einfach liegen. Wahrscheinlich hat Banks geahnt, dass niemand den Gesetzeshüter vermissen oder gar finden würde, so dass sich auch keiner auf ihre Fersen heften wird. Wie praktisch.

Aber Banks ist trotz haarsträubender Fehler auch weiterhin vom Glück verfolgt. Bei ihrer ersten Nachtruhe in freier Wildbahn hält er es nicht für nötig Steve zu fesseln, obwohl er keine Wachen einteilt, seine Mitstreiter sämtlich eingeschlafen sind und er selbst sich ebenfalls ein Nickerchen gönnt. Nur gut, dass Steve rein gar nichts aus dieser Steilvorlage macht und sich wie ein Anfänger übertölpeln lässt. Dass der zuvor als Naturbursche und Survival-Experte inszenierte Steve sich von einem eben erwachten Städter überrumpeln lässt, gibt der unfreiwilligen Komik dieser Sequenz noch den letzten Feinschliff.
Wenig später ist Steve wieder ganz die unkaputtbare Kampfsau, die Haushohe Felswände runterstürzt und selbige trotz Schusswunde und eines stattlichen Körpergewichts in bester Freeclimbing-Manier wieder raufklettert.

In diesem Stil geht es dann fröhlich weiter. Es ist letztlich müßig sämtliche Plot-Kalauer des strunzdummen Scripts preiszugeben. Hunt to kill bietet eine Dichte und ein Sammelsurium an Unglaubwürdig- und Lächerlichkeiten, die selbst im für solche Fehltritte bestens bekannten Direct-to-DVD-Actionfilm Seltenheitswert besitzt.
Wer sich dennoch dieses Machwerk antun will, sollte sich besser auf eine Achterbahnfahrt der unfreiwilligen Komik einstellen, wenn er sich in irgendeiner Form amüsieren will. Wer aber mal wieder  geradlinige und schnörkellose Actionkost konsumieren will, sollte einen großen Bogen um den guten Steve machen und auf den nächsten Statham warten. Der Aufpreis für die Kinokarte ist in diesem Falle bestens investiert.

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