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DER Grundstein dieses Horrorklischees

Spätestens ab den 70ern und Damien waren "böse Kinder" in Horrorfilmen ein absoluter Dauerbrenner und geflügelter Begriff. Wenig ist unbehaglicher als Unschuld, die in Boshaftigkeit umschlägt - oder pure Boshaftigkeit, die sich die ganze Zeit als Unschuld tarnt. Das hat alles auch mit der zeitlosen und spannenden Frage zu tun, ob wir Menschen von Grund auf böse sein können. Doch 1956 war dieses Muster noch ziemlich unbefleckt, sodass Mervyn LeRoy mit "The Bad Seed" aus dem Vollen schöpfen und die Zuschauer böse überraschen konnte - in dem er eine oberflächlich wundersüße, kleine, blonde All-American-Madame zu einer scheinheiligen U12-Psychopathin ausarten lässt...

The Evil Child - The Origins

Kein "Orphan", kein "Village of the Damned", kein "The Children", kein "The Good Son" und auch manch eine "Twilight Zone"-Episode sähe mit Sicherheit anders aus... Bei "The Bad Seed" dürfen sich einige erfolgreiche Horrorfilme mit bösen kleinen Rackern mächtig bedanken. Aber LeRoys abgründiger Horrorthriller geht weit über seinen Einfluss und seine gelegten Grundpfeiler hinaus - er funktioniert auch alleinstehend als einfach sehr guter Chiller. Vor allem liegt das an seinen glaubhaften Charakterisierungen, für die sich Zeit genommen wird. Und an der Kleinen - Patty McCormack spielt das blond-eiskalte Monster mit perfide-perfekter Tarnung wirklich absolut famos und ausgebufft. Eine der besten Kinderperformances aus dieser Zeit. Nein, aller Zeiten. Und der absolute Alptraum jeglicher Eltern. Egal ob adoptiert oder nicht. Denn irgendwie ist man ja wirklich immer auf der Seite seines Kindes - egal wie böse dieses werden kann. Aber "The Bad Seed" treibt dieses Konzept sehr unterhaltsam, facettenreich und stilvoll auf die Spitze. Er hat die Power und Tiefe auch volle zwei Stunden zu füllen. Er besitzt ein klassisches "Golden Hollywood"-Feeling - und wirft doch schon mächtige Schatten kommender, exploitativerer Zeiten. Und wie gesagt, das ist schlicht eine der unter die Haut gehenderen Kinderdarstellungen, die je auf Zelluloid gebannt wurden. Ein bitterböses Warner Bros.-Goldstück, das wahrhaft etliche Samen gestreut hat... 

Fazit: gemeiner und gänsehautiger wurden blonde Zöpfe nie... Was für ein gefährlicher "Engel"... des Todes! Pflichtprogramm!

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