Review

„Over the Top“ gehört zu dem gebügelten Quark, den Stallone zusammenproduzierte, als sein Stern allmählich zu Sinken begann. Keine Actionkraftmeierei um jeden Preis mehr, stattdessen ein trauriger, sensibler Held, dessen Kräfte sich für ein Ziel im Leben bündeln, der Nihilismus von „Rambo 2“ war gegen Familienwerte eingetauscht worden.

Doch, oh Schreck, ganz ohne Muckis geht gar nichts, deswegen mußte flugs die Weltmeisterschaft im Armdrücken her, damit Stallones traurige Hängebacken nicht gleich die ganzen Fans in die Flucht schlagen würde. Damit war für einen rocky-mäßigen Showdown gesorgt, der Rest entstammte mehr den Soap-Postillen, wenn der Teenagersohn von der Eliteschule seinen wortkarg-rauhbeinigen-unter-par-intellektuellen biologischen Vater kennenlernen soll, die Mutti an Krebs stirbt, der Onkel intrigiert und das Coming-of-Age sich auf die amerikanischen Familienwerte reduziert.

Wie ein Mühlstein schleppt der Streifen dieses arrogante Blag mit sich herum, das manchmal freudestrahlend erkennen muß, das Papi kein Muscle-Hirni ist, um kurz darauf ihn wieder in die letzte Sonderschule zu wünschen. Stallone quittiert das alles mit Hundeblick und man wünscht sich in jeder zweiten Szene, daß der Arsch hier mal Kirmes hat. Doch leider geht das natürlich der Reihe nach, jeder hat seine Lektionen zu lernen und das trieft nur so vor billiger Gefühlsduseligkeit.

Sofern man es auf die Armdrückszenen einreduziert, bekommt man übrigens einen brauchbaren Stallone-Kurzfilm zusammen, der Rest ist für die Fische, auch wenn soviel Kitsch gesundheitsschädigend ist. (3/10)

Details
Ähnliche Filme