Review

Die Fertigstellung dieser Produktion hat Brittany Murphy bereits nicht mehr erleben dürfen, am Ende des Abspanns erscheint ein „In Memory of“. Einige Kritiker äußerten bezüglich ihrer Erscheinung in diesem Streifen arge Bedenken, von wegen ungepflegt wirkende Haare, zu stark betonte Lippen und dergleichen, wobei jene Leute übersehen, dass ihre Rolle so angelegt ist und die mögliche Ambivalenz ihrer Figur unterstreicht, denn…

…in einem Krankenhaus in L.A. will Mary (Murphy) niemand glauben. Am Morgen brachte sie ihren Freund Kevin für einen ambulanten Eingriff hierher, doch nach zwei Stunden fehlt jede Spur von ihm und niemand der Ärzte oder sonstigen Angestellten will ihn dort gesehen haben. Selbst als Cop Franklin den vagen Hinweisen nachgeht, steht die mittlerweile aufgebrachte Mary allein da, doch ist da eine Verschwörung im Gange oder bildet sich die junge Frau am Ende nur alles ein?

Das Sujet baut von Beginn an Spannung auf, denn der alptraumhafte Gedanke wird von viel Misstrauen in die Umwelt, als auch von Selbstzweifeln begleitet: Der Lebenspartner für den Routineeingriff abgeliefert und nach einiger Zeit ist er wie vom Erdboden verschwunden, man findet noch nicht einmal einen Namen in der Anmeldung, noch die dazugehörige Krankenschwester oder den behandelnden Arzt, der angeblich im Urlaub sein soll. Selbst die Überwachungsvideos zeigen nichts als die Ansicht eines Hinterkopfes, der prinzipiell jeder andere sein könnte. Nach einigen geduldigen Durchfragen und kleinen Erkundungen muss man in so einer Situation zwangsläufig die Nerven verlieren.

Dabei wird der Vorlauf angemessen kurz gehalten und schon nach wenigen Minuten ist unsere Identifikationsfigur auf sich allein gestellt.
Dabei geben einige Randfiguren undurchschaubare Erscheinungen ab, wie der Security-Chef, der Psychiater, eine beste Freundin oder ein regelmäßiger Besucher.
Etwas überzogen wurde hingegen die Rolle des Detectives gezeichnet, denn der ist am Ende nicht nur mit dem richtigen Riecher zu Werke gegangen, sondern nimmt sich über die Maße Zeit, den vermissten Patienten im Krankenhaus zu suchen, obgleich die vage Beschreibung selbstverständlich nur verneinend quittiert wird und ein seriös ermittelnder Staatsdiener sicherlich Besseres zu tun hätte, als den ganzen Tag einer vermeintlich vermissten Person hinterher zu schnüffeln.

Auch am Rande tauchen einige Logiklöcher auf und das Skript zeigt sich zum Teil lückenhaft, wie die manchmal wechselnden Schuhe von Mary, die unvollständigen Überwachungsvideos, die völlig unnütze Rolle der besten Freundin, der nicht abgeschlossene Leichenraum oder das Motiv hinter der kompletten Geschichte, über dessen Mängel innerhalb der viel zu glatt ablaufenden Ausführung man problemlos an etwaige Drahtzieher kommen könnte.
Merkwürdig ist auch, dass niemand eine ständig fragende Frau nach Hause schickt, da diese auf Dauer die Patienten verrückt macht und die Angestellten wiederum übermäßig viel Aufmerksamkeit zeigen, anstatt ihrer Wege zu gehen.

Dennoch weckt das Geschehen Interesse, das Tempo ist konstant passabel und die Möglichkeiten der Auflösung werden ein ums andere Mal von kleinen Twists durcheinander gebracht. Die endgültige Enthüllung birgt zwar ein altbekanntes Motiv und einen dazugehörigen Showdown mit vielen Unwahrscheinlichkeiten, doch unterhaltsam fällt die schlichte Chose allemal aus.

Auf darstellerischer Ebene sind ein paar bekannte Gesichter an Bord: Neben Murphy, die okay performt und eher bei den emotional stark betonten Momenten punktet, gibt es ein Wiedersehen mit Mimi Rogers, Tim Thomerson und Peter Bogdanovich als dubiosen Seelenklempner.
Handwerklich fällt die Inszenierung hingegen kaum auf; Kamera solide, Score okay, Ausleuchtung der Räumlichkeiten angemessen, nur das Make-up von Murphy ist in der Tat ein wenig unvorteilhaft ausgefallen.

„Ohne jede Spur“ bietet routinierte Kost mit einigen Schwächen im leicht unausgegorenen Skript, eine fesselnden Grundidee, spannende und zuweilen temporeiche Momente von verbotenen Nachforschungen, über Verfolgungen bis hin zu Schusswechsel.
Keine Offenbarung, aber unterhaltsame Zeug, bei der die Sichtung zum angenehmen Zeitvertreib wird.
6 von 10

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