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»Yeah, well, that’s just, like, my opinion, man.«

Jeffrey »The Dude« Lebowski (Jeff Bridges) führt ein beschauliches, einfaches Leben. Er ist arbeitslos, und abends hängt er meist auf der Bowlingbahn rum – zusammen mit seinen Kumpeln Walter Sobchak (John Goodman) und Donny Kerabatsos (Steve Buscemi, yay). Eines Tages brechen zwei Schmalspurganoven bei ihm ein. Der Dude schulde ihnen Geld, behaupten sie. Einer tunkt seinen Kopf ins Klo, der andere pinkelt auf seinen Teppich. Schliesslich dämmert es allen Beteiligten: Es liegt eine Verwechslung vor. Der Lebowski, der ihnen Geld schuldet, ist stinkreich. Der Dude besucht ihn kurzerhand und verlangt einen Ersatz für den Teppich. Einige Tage später wird der Dude zum »Big Lebowski« bestellt. Dessen Ehefrau wurde gekidnappt. Der Dude soll den Gangstern das Lösegeld von einer Million Dollar übergeben. Da kann nichts schief gehen. Oder? Oder?

Wer einen Witz erklären muss, hat was vermasselt. Wie aber erklärt man jemanden, weshalb man einen Witz unlustig findet? Auch das ist kein leichtes Unterfangen. Und doch habe ich keine andere Wahl. Denn ich habe The Big Lebowski (1998) gesehen, die legendäre Komödie von Ethan und Joel Coen. Und wie soll ich sagen? Ich fand’s schlicht und ergreifend nicht komisch. Auch spannend war’s nicht. Und am Schluss sass ich kopfschüttelnd und -kratzend auf dem Sofa.

Ja, der Film persifliert überkomplizierte Drehbücher mit billigen Pointen. Ja, die Coens setzen hier nicht auf Brechstangen-Humor. Und ja: Der Dude ist ein erfrischender und sympathischer Charakter, der sich nicht ins Schema eines 08/15-Helden pressen lässt. Alles schön und recht. Aber die Frage muss erlaubt sein: Was soll das Ganze? Der Plot mäandert vor sich hin, die Sprüche (»Shut up, Donny!«) wiederholen sich bis zur Ermüdung.

Besonders ärgerlich ist das Verhalten von John Goodmans Vietnam-Veteran Sobchak, der den Dude von einer Scheisse in die nächste reitet. Was soll das? Klar, es liegt eine gewisse Ironie darin, dass das saudumme Verhalten Sobchaks meist gar keine Konsequenzen zeitigt – aber das macht die Filmwelt umso unglaubwürdiger. Ein Universum, in dem einzig der Zufall herrscht und das alle Regeln der realen Welt aushebelt, lässt jegliche Pointen salzlos erscheinen. Weshalb sollte man sich für das Geschehen auf der Leinwand überhaupt interessieren, wenn eh nur das Absurde vorherrscht.

Genau das ist The Big Lebowski: eine Aneinanderreihung von abstrusen Situationen, die nirgendwo hinführen. Wer nun sagt, genau das sei der Punkt, so muss ich wieder fragen: Na und? Auch die Familie des titelgebenden »Big Lebowski« – reicher Sack, Trophy Wife und feministische Künstlerin – ist so hoffnungslos überzeichnet, dass es schlicht keinen Spass macht. Den einzigen Lacher konnten mir die Coens ganz am Schluss entlocken. (Stichwort: Asche und Wind.)

So ist das mit Kultfilmen: Nicht alle können allen gefallen. Am besten, ich lasse den Dude den Dude sein. Da ist uns beiden geholfen. Und ihr wisst ja: Es ist nur, uhh, meine Meinung, man.

3/10

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