Der Film basiert auf dem Roman "Das Schweigen" von Jan Costin Wagner und entfernt sich von der Vorlage an einigen Stellen deutlich. Er beginnt gleich mit einer Rückblende auf einen Mädchenmord vor 23 Jahren. Sofort wird dem Zuschauer klar gemacht, dass er sich hier nicht auf einen entspannten deutschen Krimiabend eingelassen hat, sondern das hier ein mega-realistischer Thriller mit hohem Beklemmungsfaktor auf dem Tisch liegt. Durch eine extrem intensive schauspielerische Leistung aller Beteiligten - aus der kaum jemand hervorzuheben ist - entstehen 2 Stunden des Ausleuchtens menschlicher Abgründe gepaart mit hoher Spannung und fühlbarer Verzweiflung der Figuren.
Die Story ist gradlinig, bietet aber dennoch Raum für Komplexität in Bezug auf die finale Täterfindung (OHNE SPOILER!): In einer ländlichen Gegend verschwindet ein Mädchen exakt an der Stelle an der vor genau 23 Jahren auch ein Mädchen missbraucht und getötet wurde. Die Eltern sind in großer Sorge und die Polizei beginnt ihre Ermittlungen. Die Mutter des damals getöteten Mädchens wird an ihren Verlust erinnert und die Freunde Timo (Wotan Wilke Möhring) und Peer (Ulrich Thomsen) finden wieder zusammen; nur sie wissen was damals geschehen ist. Dies wird schon in der Anfangsszene dargestellt. Die Suche nach dem Mörder beginnt..........
Für einen deutschen Film dieses Genres ungewöhnlich ist die teils schon David Lynch-eske Kameraführung, die äußerst emotional aufgeladenen Landschaftstotalen und die sehr akzentuierte, sich in einigen Szenen in Lautstärke und Dramatik unglaublich steigernde Musik. Hier wird das ohnehin schon fühlbare Unheil doch etwas überbetont und etwas zu viel des Guten getan. Der Film hat dies gar nicht nötig. Dazu gehört auch die teils am Rande des overacting stehenden Gefühlsausbrüche einiger Darsteller. Dennoch ist DAS LETZTE SCHWEIGEN als absolut gelungen zu bezeichnen, er verfügt über ein dramaturgisch unglaublich starkes Ende und insgesamt wirkt er extrem real und ist damit ebenso erschreckend wie das zu Grunde liegende Thema Kindesmissbrauch.
8/10 Punkten