Review

Jurist David (Christian Berkel) findet nach langer Arbeitslosigkeit wieder einen Job. Für den moralisch empfindsamen Menschen jedoch keinen guten: Für den dubiosen Dr. Manz (Paul Faßnacht), der seine IT-Firma gegen die Wand gefahren hat, spielt er Liquidator und muss am ersten Arbeitstag im Großraumbüro alle Mitarbeiter die Kündigung aussprechen, um danach die Insolvenz zu verwalten. Bis auf Frau Blochs (Bibiana Beglau) gehen alle apathisch an ihm vorbei. Doch diese Frau ist hysterisch und will ihren Arbeitsplatz nicht räumen. Aus Mitleid fährt David die Frau nach Hause, die sich danach aber seltsam verhält, nicht aus dem Auto  aussteigen will und ihm gegenüber  aggressiv wird.
Nachdem er die durchgeknallte Person losgeworden ist, ist er glücklich, endlich zuhause bei seiner Frau Irina (Jule Ronstedt) und seinem Sohn (Leo Conzen) im Familienkreis zu sitzen. Doch Frau Blochs lässt nicht mehr locker. Sie übt Telefonterror bei David aus und lauert ihm auch in der Freizeit auf. Als David sie zu Rede stellen will, findet er sie tot auf. Doch die dunkle Seele dieser Frau scheint ihn in das Büro und auch nach Hause zu verfolgen...


Yeah, Rock´n´Roll, baby. Was soll ich sagen? Endlich mal wieder ein angenehmer Film aus Deutschland der sich deutlich von dem TV-Dreck unterscheidet, abhebt und in dieser Form mit Sicherheit einmal im Spätprogramm auf Arte laufen wird, da trotz der 16er-Freigabe ein, zwei grafisch sehr brutale (und verdammt gute) Szenen zu sichten sind. Ich war irgendwie gar nicht überrascht, dass im Abspann zu lesen war, dass für die SFX Olaf Ittenbach verantwortlich war (da sollte er auch  bleiben, Filme abzudrehen hat er einfach nicht drauf).
Dennoch sollte kein Mensch ein Splattermassaker  oder einen Terror-Schinken vom Reißbrett erwarten. Denn der Film lebt meistens in stillen Tönen vor sich hin und lässt sich viel Zeit für den Charakteraufbau und die Weiterentwicklung jener, so dass sich dieser Film mit Sicherheit nicht für "Braindead"-Liebhaber oder Gore-Veteranen empfiehlt.
Wenn ich mit einem Wort "Der letzte Angestellte" beschreiben müsste, würde dieses Wort "gruselig" lauten. Falls man sich auf diese ruhige Erzählweise einlassen kann (was eigentlich schon Voraussetzung für diesen subtilen Horrorfilm ist), wird man einen Mordsspaß erleben, den man sicherlich zweimal anschauen sollte, da der Film ansich verständlich aufgebaut wird, aber mit laufender Spielzeit komplizierter wird. 

Regisseur Alexander Adolph lässt hier und da zwar auch mal einen Schockmoment auf den Zuschauer los, aber die Bedrohung, die permanent in der Luft hängt, passiert eher beim Zuschauer im Kopf. Was dem Regisseur dabei sehr gut gelungen ist, ist die Tatsache, dass er zwei Richtungen offen lässt: Handelt es sich um paranormale Aktiväten oder ist vielleicht der Jurist David verrückt? Dies wird untermalt durch den späteren Filmverlauf, dass der Zuschauer erklärt bekommt, dass David vor Jahren schon mal ordentlich Medipacks wegen Panikattacken etc. schlucken musste.

Der Film spielt größtenteils in dem leergefegten Büro oder bei David zuhause, aber beide Orte wirken relativ gleichermaßen unheimlich, da Alexander Adolph den Zuschauer mit unangenehmen Situationen konfrontiert, die sich jeweils der Location anpassen. So spielt auch die fürsorgliche Schwiegermutter (Gundi Ellert) eine nicht ganz unwichtige Rolle.
Der Regisseur zieht alle Registerkarten der filmischen Darstellung - er spielt mit der Lichtsetzung, der Geräuschkulisse und manipuliert Dialoge bzw. Monologe.

Der Schluss war für mich persönlich nicht wirklich zufriedenstellend, wird aber den meisten Genre-Zuschauer eher zusagen (wie mir), da er mit viel Spielraum für Spekulationen endet, so dass man sich nach dem Abspann noch lange Gedanken machen kann, über den Brainfuck, den man gerade gesehen hat.


"Der letzte Angestellte" ist kein Meisterwerk, aber ein wichtiger Beitrag aus Deutschland und zeigt eindrucksvoll, dass auch wir Deutschen gute, atmosphärisch dichte Horrorfilme machen können, bei dem ein ausgefeiltes Drehbuch vorlag. Ich spreche meine Empfehlung aus, jedoch sollten sich alle Leute im Klaren sein, dass der subtile Grusel in diesem Film auf leisen Sohlen kommt, sich viel Zeit für seine Charaktere nimmt (dabei jedoch nie langweilig erscheint) und sich sehr viel des Horrors auch im Kopf des Zuschauers abspielt. Daumen hoch!

8/10

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