Alexander Adolph präsentiert mit "Der letzte Angestellte" einen Horrortrip, der in ganz realistischen Elementen wie der sozial-ökonomischen Misere einer Kleinfamilie wurzelt und die Angstzustände des Ehemanns - hervorragend interpretiert von einem sympathischen, aber nicht anbiedernden Christian Berkel - in Bildern ausdrückt, die deutlich auf den japanischen Horror der frühen 2000er Jahre verweisen - dem das Verdienst zukommt, das klassische Genre des Schauerkinos, die von rachsüchtigen Geistern bevölkerten Welten aus den gotischen Schlössern in die Mietskasernen und Großraumbüros der Gegenwart geholt zu haben und zu zeigen, dass unsere unmittelbare Umgebung gerade in einem durchtechnisierten Zeitalter nicht weniger anfällig ist für geisterhafte Dysfunktionalität und plötzliche Einbrüche des Unbegreiflichen als jene Spukhäuser der Gothic Novels.
Flackernde Neonröhren, plötzlich verrückt spielende Radiorekorder, gespenstisches Pochen an der Wand, unerklärlich verschlossene Türen. Elemente wie diese sind nicht neu im Gruselkino, werden aber von Adolph so eingesetzt, dass eine funktionierende atmosphärische Verdichtung das Nervenkostüm des Zuschauers trefflich strapaziert. Und es entsteht kein Eindruck von Selbstzweckhaftigkeit oder Belanglosigkeit der Effekte, weil die seelische Belastung des Protagonisten immer spürbar und verständlich bleibt. Das gilt auch für die Verzweiflung der Ehefrau, der er immer mehr entgleitet. So werden auch alltägliche Begegnungen im Halbdunkel der tristen Wohnung zu subtilen Manifestationen des Grauens, indem sich gleichzeitig die grundsätzliche Harmonie des Paares und seine dennoch unausweichliche Entfremdung abzeichnen.
Man sollte Regisseur Adolph dankbar sein, dass er diese filmische Sprache einer irritierenden Verformung des Alltags, als Spiegelbild psychischer Überbelastung durch eine Arbeitswelt, die die totale Verfügbarkeit des Angestellten als selbstverständlich postuliert, in den deutschen Film herüberholt, und dies aufgrund einer großartigen Besetzung mit u. a. Jule Ronstedt, Bibiana Beglau und Gundi Ellert brillant gestaltet. Streiten kann man darüber, ob ein paar sehr blutrünstige Bilder, für deren SFX-Umsetzung Splatter-Experte Olaf Ittenbach verantwortlich zeichnet, der Gesamtwirkung dieses ernsthaften und bedrückenden Psychohorror-Streifens unbedingt zuträglich sind. In jedem Fall präsentiert sich Alexander Adolphs Horrorthriller als bemerkenswerte Wohltat für das immer noch allzu zarte Gewächs des deutschen Genrefilms.