Review

Es ist äußerst interessant, was heutzutage als Horror-Film an den Mann gebracht zu werden versucht wird. Dabei hat Bedevilled das überhaupt nicht nötig. Es handelt sich hier um einen astreinen Psycho-Thriller mit tragischen Elementen, der auf jeder Ebene vollkommen überzeugen kann. Irgendwo hat mal jemand zu diesem Film geschrieben, dass dies ein typisch koreanisches Thema sei und daher wohl auch nur in Korea möglich wäre. Dem wage ich entschiedenst zu widersprechen. Mehr dazu im Folgenden Review.Die Grundprämisse ist eigentlich keine Offenbarung, dient lediglich als Aufhänger, aber bildet gleichzeitig den allumfassenden Rahmen: Eine Frau wird Zeugin, wie eine andere Frau brutal misshandelt wird. Bei der Polizei weigert sie sich, die Täter zu identifizieren, weil es ja nicht ihr Problem ist und sie auch nicht in irgend etwas hinein gezogen werden möchte. Durch eine Verkettung von Ereignissen verliert sie ihren Job und beschließt, auf ihre Heimatinsel für ein paar Tage zurück zu kehren. Diese Insel ist nur von einer Handvoll Menschen bewohnt, unter anderem einer Jugendfreundin besagter Frau. Es stellt sich heraus, dass diese Freundin ebenso brutal misshandelt wird und klein gehalten wird, weil sie so dieser Gemeinschaft als Dienerin in mehrerer Hinsicht erhalten bleibt.

Obwohl die Frau sieht, dass es nicht sonderlich gut um die Freundin bestellt ist, kümmert sie das kaum, da es ja nicht ihr Problem ist. Auch als die Freundin sie eindrücklich um Hilfe bittet und einen schrecklichen Verdacht äußert, verschließt die Frau die Augen.

Dies führt zwangsläufig zu einer Tragödie griechischen Ausmaßes mit einem hohen Blutfaktor. Wie man unschwer erkennen kann, geht es im vorliegenden Film grundsätzlich um Gewalt gegen und Unterdrückung von Frauen, sei es rein physischer Natur, sexueller Natur, psychischer Natur. Es wird ganz deutlich aufgezeigt, dass wenn eine Person nichts anderes kennt als das was vorherrscht, dann die Person dies auch als Normalzustand wahrnimmt. Weder ist die Freundin verbittert noch wirkt sie sonderlich verstört. Im Gegenteil, sie wird als äußerst netter zuvorkommender Mensch dargestellt. Alleine dies verstärkt das Unwohlsein des Publikums.Auf der anderen Seite sind die anderen Frauen der Gemeinschaft, alles alte Frauen, die das nicht nur dulden, was der jungen Frau angetan wird, sondern es auch verstärkt einfordern, gerade weil es immer so war und sie sich jetzt ausruhen möchten, da kann ja die kleine Schlampe die Arbeit verrichten. Auch dieser Aspekt ist universell übertragbar in die verschiedensten Winkel der Erde.

Insofern ist das angeblich typisch Koreanische eigentlich das universell geltende typisch Frauen-Erniedrigende, was es überall auf der Welt zu geben scheint.

Dass es schließlich unter der sengenden Sonne zu einer grotesk übersteigert wirkenden Kartoffel-Ernte kommt, mag auf den ersten Blick etwas befremdlich anmuten, ist jedoch im Gesamtkontext dieser Gemeinschaft nur als konsequent zu Ende gedacht zu deklarieren. Es gibt viele Momente, die diesen Film über die Norm heben, und noch mehr Argumente, warum dieser Film nicht als Horror-Film deklariert werden dürfte. Aber wenn das dazu nötig ist, damit dieser Film möglichst viele Zuschauer bekommt, dann soll es recht sein.Zum einen geht es ja tatsächlich um den alltäglichen Horror, sei es in der Familie, sei es gegen die Frauen, zum anderen ist das der seltene Fall, dass wirklich jeder Handlungsbogen zufriedenstellend beendet wird.
9 Punkte

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